20.07.2004 - Pressemitteilung

Propst Dr. Sigurd Rink im FR-Gespräch mit Jürgen-Lewin von Schlabrendorff (Königstein-Falkenstein) über dessen Vater Fabian von Schlabrendorff (1907-1980), der zu den Köpfen des Widerstands des 20. Juli 1944 zählt.  
Propst Dr. Sigurd Rink im FR-Gespräch mit Jürgen-Lewin von Schlabrendorff (Königstein-Falkenstein) über dessen Vater Fabian von Schlabrendorff (1907-1980), der zu den Köpfen des Widerstands des 20. Juli 1944 zählt.
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Mahnung zu wachsamen Gewissen
Propst Rink erinnert zum 20. Juli 1944 an Maxime christlichen Handelns

Der Propst in der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), Dr. Sigurd Rink, hat sich zur 60. Wiederkehr des 20. Juli 1944 für ein wachsames christliches Gewissen ausgesprochen. In einer in Wiesbaden verbreiteten Erklärung gibt der leitende Kirchenvertreter der hessen-nassauischen Landeskirche seiner Überzeugung Ausdruck, die Widerstandskämpfer im Dritten Reich seien vor allem ihrem Gewissen gefolgt. Diese innere Instanz sei zutiefst vom christlichen Selbstverständnis geprägt gewesen. Die Männer des 20. Juli, wie Claus Schenk Graf von Stauffenberg, Henning von Tresckow, Fabian von Schlabrendorff und Ludwig Beck könnten heute Beispiel für Risikobereitschaft und individuellen Mut sein. Die Attentäter hätten sich Begriffen wie Pflicht und Ehre verbunden gefühlt, wie sie heute kaum mehr zu fassen seien.

Der militärische Widerstand wollte dem "Rad in die Speichen fallen", zitiert der Propst den Theologen Dietrich Bonhoeffer (1906-1945) und habe damit den unbedingten Willen bezeugt, den Mächtigen im Dritten Reich und dem militärischen Untergang Deutschlands Einhalt zu gebieten.

Es gehöre zur Tragik der Zeitläufte zwischen 1933 und 1945, so der Propst für Süd-Nassau, dass dem Widerstand mit den Anschlägen auf Adolf Hitler kein Erfolg beschieden und der Tyrannenmord gescheitert sei.  An die Gewissensentscheidung der Männer des 20. Juli gelte es heute aber zu erinnern, weil ihr Denken an sich von unbedingtem Gehorsam und einem Eid auf den Führer Adolf Hitler geprägt gewesen seien. Davon hätten die Männer des 20. Juli sich aus Gewissensgehorsam frei gemacht. Die Bibelstelle Römer 13, der Obrigkeit untertan zu sein, habe für den Widerstand eine hohe Bedeutung besessen. Dennoch hätten die Offiziere gegen Hitler gezeigt, dass das Gewissen für einen Christen unüberhörbar sei und er es immer neu an der Heiligen Schrift prüfen müsse.

Noch heute, so der Wiesbadener Theologe weiter, sei die Gewissensentscheidung eine Zentralinstanz menschlicher Lebensführung. Nicht zu Unrecht könne sie als "Stimme Gottes" verstanden werden. Der Theologe Bonhoeffer habe das christliche Gewissen damit bestimmt, dass es aus einer Tiefe jenseits des eigenen Willens und der eigenen Vernunft sich zu Gehör bringe. Es sei ein Ruf der menschlichen Existenz zur Einheit mit sich selbst. Weniger auf ein bestimmtes Tun gerichtet, als auf ein bestimmtes Sein.

In der Tradition des Protestantismus entscheide das Gewissen weniger über Gut und Böse, sondern beurteile das eigene Handeln. Das christliche Gewissen orientiere sich dabei notwendig an der Heiligen Schrift und lasse sich von ihr leiten. Ein wachsames Gewissen sei für eine moderne Gesellschaft nach wie vor unverzichtbar und bilde das Fundament für christliches Handeln.

Zur Erläuterung: Propst Dr. Sigurd Rink hat vor dem 60. Jahrestag des 20. Juli in Königstein im Taunus mit Jürgen-Lewin von Schlabrendorff, einem Sohn des Widerstandsoffiziers Fabian von Schlabrendorff (1907-1980), über die Bedeutung des militärischen Widerstands im Zweiten Weltkrieg in einem Pressegespräch gesprochen. Dabei äußerte Rink sich zur Gewissensentscheidung.

Im biblischen Brief des Apostels Paulus an die Römer, Kapitel 13, 1, heißt es: Jedermann sei untertan der Obrigkeit, die Gewalt über ihn hat. Denn es ist keine Obrigkeit, außer von Gott; wo aber Obrigkeit ist, die ist von Gott angeordnet.  Martin Luther hat daraus das Verhältnis des Gläubigen zu staatlicher Gewalt bestimmt und damit einer fast absoluten Loyalität gegenüber der Obrigkeit den Weg bereitet. Mit dieser Tradition musste der deutsche Widerstand sich auseinandersetzen, bevor er sich zum Tyrannenmord entschloss.



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