20.04.2005 - Pressemitteilung
Rink: Weiter Hoffnung auf Annäherung
Wiesbadener Propst sieht neuen Papst mit hoher Erwartung
Der Propst in der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Dr. Sigurd Rink, sah sich gestern Abend kurz vor Beginn eines Vortrags "Integration von Muslimen" im Wiesbadener Presseclub von der Nachricht über die Wahl des neuen Papstes Benedikt XVI. überrascht. Rink sieht den bisherigen Kurienkardinal Joseph Ratzinger als einen herausragenden Theologen und beglückwünscht die Katholiken im Bistum Limburg zur Wahl eines deutschen Papstes. Benedikt, so Rink, sei ein brillanter Kenner reformatorischer Theologie und kompromissloser Ökumeniker. Das biete eine klare Chance zur Fortsetzung des geschwisterlichen Dialoges der evangelischen und der katholischen Kirche. Das wechselseitige Gespräch der Kirchen in der Region Rhein-Lahn-Main, die in etwa die Grenzen der Propstei sowie des südlichen Bistums Limburg abbilden, sei bereits in der Vergangenheit erfolgreich und in gegenseitiger Achtung unterschiedlicher Positionen geführt worden. Besonders das von Ratzinger als dem Präfekten der römischen Glaubenskongregation veröffentlichte Schreiben "Dominus Iesus" (2000) - eine konservative Interpretation der katholischen Lehre - habe die Protestanten in ihrem Selbstwertgefühl verletzt. Wenn evangelische Kirchenvertreter beim Verständnis der seelsorgerlichen Ämter einschließlich der Frauenordination, bei der Frage des gemeinsamen Abendmahls andere Auffassungen verträten, so geschehe das dennoch mit der Hoffnung auf eine Annäherung der Standpunkte.
Überraschungen im Verhältnis der beiden Kirchen hält Rink nicht für ausgeschlossen. Der letzte Träger des Papstnamens, den Ratzinger jetzt gewählt hat, Benedikt XV. (1914-1922), habe die römisch-katholische Kirche nach den Auseinandersetzungen um den Modernismus wieder in ruhigeres Fahrwasser geführt. Der Weltfrieden habe im Mittelpunkt damaliger kurialer Sorge gestanden. Papst Benedikt XVI. sei ein persönlich bescheidener und glänzend begabter Hirte, meinte Rink. Persönlich sei Ratzinger anzuerkennen, dass er Entscheidungen im Zeitgeist nicht treffe.
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