17. März 2010 - Pressemitteilung
Stellungnahme des Propstes für Süd-Nassau Rink zu sexuellem Missbrauch an Heranwachsenden durch Pfarrer
Vier Fälle derzeit bekannt – disziplinarische Konsequenzen erwartet
Wiesbaden, 17. März 2010. Der Propst in der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), Dr. Sigurd Rink, nimmt zu Medienberichten über Pfarrer und Mitarbeiter der Kirche in der Propstei Süd-Nassau Stellung, denen vorgeworfen wird, Jugendliche oder Kinder sexuell missbraucht oder bedrängt zu haben.
Der Propst, der Mitglied der Kirchenleitung der EKHN ist, bedauert die Vorfälle in seinem Kirchengebiet Süd-Nassau zutiefst. „Mein Mitgefühl gilt zuerst den Betroffenen, die sich über Medien oder direkt zu Wort gemeldet haben. Ihr Mut, an die Öffentlichkeit zu gehen, ist hoch anzuerkennen. „Wir versichern allen, die Aufklärung der Vorfälle voranzutreiben und wir bekräftigen, dass der Schutz der Betroffenen oberstes Gebot bleibt.“
Die für die Verfehlungen verantwortlichen Pfarrer oder Mitarbeiter im kirchlichen Dienst müssen mit einer strafrechtlichen Verfolgung und mit dienstrechtlichen Konsequenzen der EKHN rechnen. „Als Kirche sind wir erschüttert, welche ungeahnten negativen Energien sich hier offensichtlich entladen haben. Zugetraut hätten wir das den Seelsorgern und den Mitarbeitern niemals“, äußert sich Rink. „Er fühle sich, so der Propst, an ein Wort von Georg Büchner erinnert, der geschrieben habe: Der Mensch ist ein Abgrund, es schwindelt einen, wenn man hinabsieht.“
Im Einzelnen handelt es sich in der Propstei Süd-Nassau um vier Verdachts- oder Missbrauchsfälle, die unterschiedlich zu bewerten sind:
- Der Verdacht des sexuellen Missbrauchs Anfang der 80iger Jahre gegen einen Pfarrer, der Gemeindepfarrer in Friedrichsdorf/Taunus und später in Idstein war und 2009 in Ruhestand ging. Dass die durch ein Opfer angezeigte Beschuldigung nicht verfolgt werden konnte, ist – wie bekannt – bedauerlicherweise durch die Nichtweiterleitung einer E-Mail durch den Idsteiner Pfarrer und Kollegen in der Evangelischen Kirchengemeinde Idstein verursacht.
- Der sexuelle Missbrauch 2002 eines Pfarrers in den Heimen Scheuern wurde restlos aufgeklärt. Bei voller Geständigkeit wurde der Pfarrer zu einer Freiheitsstrafe von 1 Jahr und vier Monaten verurteilt wurde. Ein Disziplinarverfahren schloss sich an.
- Der Verdacht einer sexuellen Belästigung 2009 durch elektronische Kurznachrichten (SMS) durch einen Pfarrer ist eingestellt worden. Die Staatsanwaltschaft ist den Vorwürfen nachgegangen, hat keine Anklage erhoben und die Ermittlungen eingestellt. Dennoch läuft eine disziplinarische kirchliche Anhörung.
- Der aktuelle Verdacht gegen einen Lehrer für evangelische Religion im staatlichen Schuldienst im Bezirk Rhein-Lahn fällt in die Verantwortung des Schulamtes Koblenz. Hier sind Ermittlungen im Gange.
Propst Rink ist derzeit mit den jeweiligen Dienstvorgesetzten vor Ort bemüht, die einzelnen Fälle, soweit sie nicht abgeschlossen sind, genau zu untersuchen, die verdächtigten Pfarrer anzuhören und die Vorgänge aufzuhellen. „Alle mir bekannten Fälle in der Propstei Süd-Nassau habe ich hier benannt.“ Die Kirchenleitung habe eine Arbeitsgruppe beauftragt, sich mit den aktuellen Fällen von sexuellen Verfehlungen in kirchlichen und diakonischen Einrichtungen zu befassen. Die Kirche ermutige Menschen, die sich in der Vergangenheit mit Übergriffen kirchlicher Mitarbeiter konfrontiert sahen, sich zu melden.
Ansprechpartnerin in der EKHN ist die Beauftragte für Mobbing und sexuelle Belästigung Maren Cirkel: oder 06151 405 423. Auskünfte über Fälle im Kirchengebiet der EKHN erteilt Stephan Krebs, Pressesprecher der EKHN: 06151 405 504.
zurück | letzte Aktualisierung: 17.03.2010 | copyright by EKHN