9. August 2010 - Pressemitteilung
Kein Problem am Golf von Mexiko?
Zwei US-Dozenten kritisch zum BP Desaster beim Ölbohren
Washington D.C./ 03. August 2010. John Bozeman ist ein offenherziger Mann. Der Dozent für Ethik, Humanwissenschaften und Religion an der Washingtoner Argosy University spricht schnell und gibt präzise Antworten. Das Desaster von British Petrol (BP) im Golf von Mexiko? Nein, perfekte Antworten, was da zu tun sei, könne er nicht geben. Die Amerikaner seien generell an einfachen und schnellen Lösungen interessiert. Die Devise sei: „Problem – Lösung – erledigt“, beschreibt der Religionswissenschaftler und Umweltexperte die bevorzugte Reaktion von vieler Menschen im Land. Es seien, darauf legt er Wert, gleichzeitig schnelle wie möglichst einfache und moralisch verantwortbare Lösungen, erklärt Bozeman.
Bei dem größten Öl-Leck in der Geschichte der USA sollen seit Ende April fast fünf Millionen Barrel Öl in die Gewässer vor der Küste von Louisiana, Mississippi und Alabama geflossen sein. Auch Barack Obama verfolge eine technologische Lösung. Sie sei vor allem dadurch erschwert, dass es nur wenige Experten gebe, die eine Öl-Katastrophe von solchem Ausmaß wirklich beurteilen könnten. „Obama hat aber die Chance, die Strukturen der Energiepolitik der USA zu ändern“, sagt Bozeman, der eine wissenschaftliche Arbeit über „Neue religiöse Bewegungen“ verfasst hat. Die entscheidende Frage sei, ob eine Regulierung der Exploration des Öls oder gar ein Moratorium für die Ölsuche in großen Tiefen kommen werde.
Für ein Ende einer solchen Ölförderung streiten nach Angabe von Bozeman mehrere Umweltverbände in den Vereinigten Staaten. Die National Wildlife Federation, The Nature Conservancy, die Audubon Researchers. Earth First ist weltweit einer der extremen Verfechter von Umweltinteressen. Manche Umweltfragen ließen sich bis auf Präsident Theodore Roosevelt zurück verfolgen, der bereits 1904 sich für amerikanische Nationalparks einsetzte, um die nordamerikanischen Tier- und Pflanzenwelt zu schützen. In jedem Fall gebe es nationale Interessen in Sachen Öl. „Die Amerikaner wollen ihren Lebensstil nicht verändern - vielleicht einwenig“, urteilt der Wissenschaftler.
Wie schwierig es in den USA auch bei jungen Menschen ist, einen Wechsel in den Fragen des Verbrauchs von Energie einzuleiten, weiß Professor Dr. Mark Dreisonstok zu berichten. Der Lehrende an der George Mason University Washington hat seinen Studenten und Studentinnen im Fach Anglistik eine Kursarbeit aufgetragen: Die Studierenden sollten ein Bild von einer heute idealen Welt entwickeln. Einige Studierende hätten die Bildung als ein entscheidendes Thema für die Welt von morgen genannt, andere ein ideales Wirtschaftssystem zu beschreiben versucht. Wieder andere befassten sich mit dem Management in der Wirtschaft einer zukünftigen Gesellschaft. Nur einer schrieb über das Thema Umwelt und Ökologiefreundliche Häuser. „Aber alle anderen entscheiden sich nicht für ein Thema der Umwelt“, konstatiert der Anglist und Dozent für deutsche Sprache die ernüchternde Realität.
Die Aussichten, dass die Amerikaner ihren Energieverbrauch entscheidend drosseln werden stehen derzeit jedenfalls schlecht: Denn die Versuche, den Ölausfluß zu stoppen, haben Erfolg gezeigt. Die pragmatische Lebenseinstellung „Problem, Lösung – erledigt“ hat sich für die breite Öffentlichkeit wieder einmal bewährt. In ganzseitigen Anzeigen – so in der Washington Post vom 4. August, - wirbt BP für die gründliche Reinigung der Strände, mit wirtschaftlichem Investment Thema Umwelt in der Region, für die Wiederherstellung der Natur und für den Erhalt der wildlebenden Tiere. „Ich wuchs an der Golf Küste auf. Ich kenne die Gewässer“, meldet sich ein Mitarbeiter in der leicht durchschaubaren PR-Kampagne zu Wort, der bei den Aufräumarbeiten beschäftigt ist. „Ich tue alles, um sie zu säubern.“ Nach über einhundert Tagen nach der verheerenden Öl-Pest, gibt es selbst für die Kritiker am mexikanischen Golf eine Aussicht auf Bewältigung der Umweltkatastrophe.
John Bozeman, MA., hat seine akademischen Abschlüsse in Religion und Geschichte der Religion in Amerika an der Florida State University und der University of Virginia erworben. Der Wissenschaftler ist zudem Master of Science, M.S., in Umwelttechnik, Umweltbiologie und Toxikologie (University of Florida). Er war Mitglied der Fakultät und Dekan der School of Arts and Sciences der Stratford University sowie Fakultätsangehöriger an der George Mason University. Derzeit arbeitet er an der privaten Argosy University, Washington DC., wo das Gespräch stattfand.
Professor Dr. Mark Dreisonstok ist Dozent an der George Mason University in den Vororten Washingtons, für die Fächer Anglistik und deutsche Sprache. Studiert hat der Wissenschaftler unter anderem an der Universität Freiburg, wo er seinen Magister Artium (M.A.) abschloss. Seine Promotion erwarb er an der Georgetown University Washington.
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