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Die Geschichte der EKHN

Blick in die Vergangenheit

Zentralarchiv der EKHNPortraitMartin Niemöller

Die Gründung der EKHN 1947

Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) wurde 1947 in Friedberg gegründet. Dort waren Delegierte der drei Landeskirchen aus Nassau, Hessen und Frankfurt zum „Kirchentag“ versammelt, dem Vorgänger der späteren Kirchensynode. Einstimmig bestätigten sie am 30. September 1947 die umstrittene Vereinigung der drei Landeskirchen, die schon 1933 unter dem Druck der Nationalsozialisten erfolgt war. Im „Kirchenkampf“ hatten während des Dritten Reichs in ganz Deutschland die Mitglieder der Bekennenden Kirche für kirchliche Unabhängigkeit gestritten gegen die Deutschen Christen, die für eine Anpassung an den nationalsozialistischen Staat eintraten.

Die Wahl von Martin Niemöller (1892-1984) zum ersten Kirchenpräsidenten der EKHN, dem früheren U-Boot-Kommandanten, Berliner Pfarrer und persönlichen Gefangenen Adolf Hitlers im Konzentrationslager Dachau, einem führenden Vertreter der Bekennenden Kirche, war zugleich eine Richtungsentscheidung. Viele der Amtsträger der noch jungen EKHN verstanden sie als eine Kirche in der Tradition der Bekennenden Kirche: Die Kirche baut sich von der Gemeinde, von unten her auf. Es gibt keinen Bischof sondern einen auf Zeit gewählten Kirchenpräsidenten. Und ähnlich den „bruderrätlichen“ (Schwestern waren damals noch weniger im Blick) Leitungsstrukturen entscheiden Gremien gemeinsam nach dem Mehrheitsprinzip.

Der Landesherr bestimmte die Konfession

Aber natürlich beginnt die Geschichte der EKHN nicht im Jahre 1947. Die drei Vorgängerkirchen brachten jeweils ihre eigene Geschichte und Eigenart in das neue Gebilde ein. Der konfessionelle „Flickenteppich“ in Deutschland mit seinen evangelischen Landeskirchen ist eine Folge der Reformation, in der festgelegt wurde, dass der Landesherr die Konfession seiner Untertanen bestimmen konnte. Dieses Prinzip wurde erst im 19. Jahrhundert in Folge der napoleonischen Kriege aufgehoben, so dass die heutigen Landeskirchen zum Teil noch die Grenzen des 19. Jahrhunderts widerspiegeln und kaum mit den Grenzen der heutigen Bundesländer übereinstimmen.

Hessen: Impulse für den evangelischen Glauben

Im Gebiet der Landgrafschaft Hessen hatte Landgraf Philipp der Großmütige schon 1526 die Reformation eingeführt. Bis heute wirksame Impulse für alle reformatorischen Kirchen gab der von ihm berufene Reformator Martin Bucer, der unter anderem die Konfirmation mit vorhergehendem Katechismusunterricht einführte. Auch die Mitwirkung von Ältesten und die Einrichtung von Synoden gehen auf Bucer und Philipp zurück.

Nassau: Lutheraner und Unierte einigen sich

Der bedeutendste Impuls aus dem Herzogtum Nassau liegt in der ersten Union Deutschlands zwischen Lutheranern (die auf die Reformation Martin Luthers zurückgeht) und Reformierten (die auf die Reformation Ulrich Zwinglis und Johannes Calvins zurückgehen). Die Union wurde 1817 in Idstein beschlossen. Zuvor hatten sich die beiden Konfessionen innerhalb des Protestantismus jahrhundertelang zum Teil erbittert bekämpft. In Nassau entstanden zur gleichen Zeit auch die ersten Simultanschulen, in denen römisch-katholische und evangelische Kinder gemeinsam unterrichtet wurden und nur getrennten Religionsunterricht hatten: Den mussten, wie bis heute üblich, die Pfarrer mit wöchentlich vier Pflichtstunden halten. Dieses Modell, kirchlich verantworteter Religionsunterricht in der staatlichen Schule, ist heute in den meisten Bundesländern verwirklicht.

Frankfurt: Zentrum pietistischer Frömmigkeit

Die freie Reichsstadt Frankfurt am Main ist kirchengeschichtlich vor allem wegen des Wirkens von Philipp Jakob Spener von Bedeutung. Er war ab 1666 für zwei Jahrzehnte „Senior des lutherischen Predigerministeriums“, was vergleichbar dem heutigen Dekaneamt ist. Seine „Pia desideria“, die übersetzt „fromme Wünsche“ bedeutet, wurde zur Programmschrift des deutschen Pietismus. Seine „collegia pietatis“ (etwa = Glaubensgesprächsgruppen) entwickelte sich zum Vorbild für pietistische Kleingruppenfrömmigkeit in aller Welt. Geistliche Kompetenz nicht nur ordinierten Amtsträgern, sondern auch den normalen Gläubigen zuzutrauen ist Erbe und bleibender Auftrag des Pietismus.

Ein weiterer Beitrag zur Kirchengeschichte verbindet sich eher zufällig mit Frankfurt: Hier entwarf der Schweizer reformierte Theologe Karl Barth im Hotel „Basler Hof“ am 16. Mai 1934 den Text der Barmer Theologischen Erklärung, einem bedeutenden Bekenntnis des 20. Jahrhunderts, während die lutherischen Vertreter in der Arbeitsgruppe, die sich zur Vorbereitung der Barmer Bekenntnissynode getroffen hatten, einem ausgiebigen Mittagsschlaf frönten.

Eine streitbare Gemeinschaft gestaltet Gegenwart und Zukunft

Die EKHN versteht sich seit jeher als eine streitbare fromme und politische Kirche. Gesellschaftliche Veränderungen und Konflikte bewegen auch die evangelische Kirche – und die Menschen in der EKHN versuchen in ihnen ihren Glauben und seine Konsequenzen in unterschiedlicher Weise immer wieder neu zu formulieren.

Beispielhaft aus der Geschichte der EKHN seien einige wichtige Punkte genannt: die Auseinandersetzungen um die Wiederbewaffnung der BRD in den 1950er Jahren, um Atomwaffen und Atomenergie, um Nachrüstung und Startbahn West, um Niemöllers Moskaureise mitten im Kalten Krieg und in den 1970er Jahren um die Mitgliedschaft von Pfarrern in der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP). Diese „politischen Themen“ wirbelten damals viel Staub auf und brachten die Kirche zuweilen an den Rand der Spaltung. Heftig diskutierte die EKHN zu Beginn der 1980er Jahre auch die Frage, wie sie den Ausbau des Frankfurter Flughafens beurteilen sollte.

Andere, eher „theologische Themen“, wurden nicht minder kontrovers und bisweilen emotional diskutiert, wie zum Beispiel die Frage der Frauenordination. 1988 wurde mit der Wahl von Helga Trösken zur Pröpstin in Frankfurt die erste Frau in Deutschland in ein bischöfliches Amt berufen. 1991 wurde der Grundartikel der Kirchenordnung geändert und der Abschnitt zur Frage „der bleibenden Erwählung der Juden und Gottes Bund mit ihnen“ eingefügt. 2002 diskutierte die Synode die Segnung homosexueller Paare und beschloss die Einführung einer gottesdienstlichen Begleitung gleichgeschlechtlicher Lebensgemeinschaften.

In all diesen Themen ging es den meisten Beteiligten letztlich um die Frage, wie das Evangelium den Menschen der Gegenwart zeitgemäß nahegebracht werden kann, ohne seinen Kern aufzugeben. Diese Frage stand auch hinter den Debatten um angemessene kirchliche Strukturen, die seit den 1990er Jahren intensiv geführt wurden. Sie führten 10 Jahre später zur Stärkung der Dekanate als „Mittlerer Ebene“. 2010 schließlich wurde die Kirchenordnung in wesentlichen Punkten novelliert.

Letztlich aber gilt: Bei allem notwendigen Streit – die Geschichte der Kirche ist die Geschichte des Rufs Gottes zur Versöhnung an alle Menschen.

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Seht auf und erhebt eure Häupter,
weil sich eure Erlösung naht.

Lukas 21, 28

Bild: Mit freundlicher Genehmigung von Ray

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