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Rücklagen

Stephanie Hofschläger/pixelio.de

Rücklagen sind für eine kirchliche Großorganisation wie die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) existenziell. Nur mit ihrer Hilfe kann die EKHN kurzfristige Einnahmeausfälle ausgleichen. Rücklagen ermöglichen es zudem, mittelfristige Veränderungen ohne Zeitdruck zu planen und bei deren Umsetzung Härten für die Betroffenen zu verringern.

Sie erlauben es der EKHN, eine verlässliche Partnerin für die Menschen und die Gesellschaft sowie eine verlässliche Arbeitgeberin für die Beschäftigten zu sein. Dafür hat die EKHN rechtzeitig begonnen Rücklagen zu bilden – auch für die Altersvorsorge der Beschäftigten, damit künftigen Generationen nicht die Lasten aufgeladen werden, die eigentlich heute geschultert werden müssen.

Die EKHN zählt mit sechs Propsteien, über 40 Dekanaten und ca. 1.160 Kirchengemeinden, gut 600 Kindertagesstätten, mehr als 50 Diakonie- und Sozialstationen sowie Schulen und Einrichtungen für die Jugendarbeit zu den großen Arbeitgebern in den Ländern Hessen und Rheinland-Pfalz.

Verantwortung für mehr als 21.000 Mitarbeitende

Insgesamt sind allein in der EKHN, also ohne die Einrichtungen des Diakonischen Werkes in Hessen und Nassau, mehr als 21.000 Menschen beschäftigt. Für eine solche Großorganisation hat der verantwortungsvolle Umgang mit den ihr anvertrauten Menschen und Ressourcen hohe Priorität. Möglichst wirkungsvoll sollen die vielfältigen Aufgaben erfüllt werden. 

Die EKHN trägt aber auch in besonderem Maße eine Verantwortung für ihre Mitarbeitenden. Dazu gehören sowohl die Sicherung der Altersversorgung – auch durch den Aufbau kapitalgedeckter Sicherungssysteme – als auch die Sicherung der Arbeitsplätze, besonders in finanziell schlechten Jahren. 

Rücklagen gleichen Einnahmeverluste aus

Um finanzschwache Jahre durchhalten zu können und nicht zu einer schnellen Reduktion ihrer Arbeit gezwungen zu sein, benötigt die EKHN also Rücklagen, mit deren Hilfe sie künftige Einnahmeverluste ausgleichen kann. Dazu gezwungen ist sie, weil ihr Haushalt stark von den Kirchensteuereinnahmen abhängig ist und damit eben auch von den konjunkturellen Entwicklungen und den gesetzgeberischen Eingriffen.

Ein eindrückliches Beispiel dafür waren die Jahre 2002 bis 2004, in denen die EKHN ihren Haushalt nur ausgleichen und die laufenden Personalverpflichtungen nur erfüllen konnte, indem sie den Rücklagen insgesamt 97 Mio. Euro entnahm, um die laufenden Haushalte decken zu können.

In dieser Zeit schwankten die Einnahmen aus der Kirchensteuer innerhalb von wenigen Jahren zwischen 350 und über 450 Mio. Euro, sie veränderten sich also um etwa ein Viertel. Dem standen aber strukturell gleich bleibende Aufgaben und Ausgaben gegenüber.

Die Ausgaben müssen dennoch der langfristig sinkenden Entwicklung angepasst werden. Dies ist ein mühsamer, immer schmerzvoller, aber auch zeitaufwendiger Prozess – vor allem wenn man als kirchliche Arbeitgeberin auf Kündigungen verzichten möchte, wie es die EKHN bislang tut. Rücklagen helfen dabei, diese Anpassungsprozesse möglichst sozial verträglich zu gestalten.

Allgemeine Rücklagen knapp unter Soll

In der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) gelten Rücklagen etwa in Höhe eines Jahreshaushalts als angemessen. Sie erlauben eine kontinuierliche Haushalts- und Personalpolitik, welche die Ausgaben entsprechend der langfristigen Effekte steuert. Zugleich können damit kurzfristige konjunkturelle Effekte abgepuffert werden. Für die EKHN bedeutet dies eine wünschenswerte Rücklage zur Absicherung der laufenden Arbeit von etwa 500 Mio. Euro. Diese Empfehlung wird derzeit nicht ganz erreicht. Die EKHN ist davon aber auch nicht weit entfernt. Ihre allgemeinen und zweckbestimmten Rücklagen wiesen Ende 2012 ein Volumen von 459 Mio. Euro aus.

Gebäude haben einen ideellen und tatsächlichen Wert

Die Rücklage für die Erhaltung von Kirchenbauten (Kirchbaurücklage) erhält der Gesellschaft Kulturerbe und entlastet zukünftig die Gemeinden

Im Jahr 2012 besitzt die EKHN 1.286 Kirchen und 2.867 weitere Gebäude wie Gemeindehäuser, Pfarrhäuser und Kindertagesstätten. Alleine bei den Kirchen stehen neun von zehn unter Denkmalschutz. Indem die EKHN diese Gebäude erhält, bewahrt sie auch einen wichtigen Teil des kulturellen Erbes der Gesellschaft.

Ein realistischer Wert der Gebäude ist schwer zu ermitteln. Ihr Tagesneubauwert beträgt 3,3 Mrd. Euro. Wollte man alleine die Kirchen heute neu errichten, würde ein Investitionsvolumen von 1,7 Mrd. Euro benötigt. Dies entspricht aber nicht den aktuellen "Marktpreisen", da viele Gebäude renovierungsbedürftig und viele Immobilien unverkäuflich sind.

Um die benötigten Gebäude auch in Zeiten sinkender Mitgliederzahlen und Einnahmen möglichst lang erhalten zu können, hat die EKHN von einigen Jahren eine Kirchbaurücklage eingerichtet. Diese hatte Ende 2012 ein Volumen von 192 Mio. Euro.

Die Kirchenbaurücklage

Fabian VogtDie Butzbacher MarkuskircheFür die Erhaltung der Gebäude wurde eine Rücklage gebildet

Aus ihren Erträgen kann nur ein Teil der jährlichen Unterhaltsverpflichtungen für Kirchengebäude abgedeckt werden. Immerhin ermöglicht es die Kirchbaurücklage aber, den Eigenanteil der Gemeinden an den Unterhaltslasten für ihre Kirchengebäude deutlich zu senken.

Für Arbeiten zur Erhaltung der Bausubstanz müssen sie statt ursprünglich 35 Prozent nur noch 20 Prozent selber tragen. Bei Renovierungen im Innenraum der Kirchen verringert sich der Eigenanteil der Gemeinden von 50 Prozent auf 35 Prozent.

Die Kirchbaurücklage wurde gebildet, um die Kirchengemeinden bei der Unterhaltung ihrer Gebäude zu unterstützen. Gleichzeitig ermutigt die EKHN die Gemeinden, ihren Raumbedarf zu prüfen und gegebenenfalls zu reduzieren. Anzahl und Größe der Gebäude müssen in einem angemessenen Verhältnis zur Gemeinde und ihrer Arbeit stehen. Nach diesen Kriterien werden auch die Zuweisungen für die Gebäudeerhaltung berechnet.

Die Altersversorgung ist auf verschiedene Schultern verteilt

Neben der Sicherung der laufenden Arbeit und der benötigten Gebäude ist die Sicherung der Altersversorgung für die Beschäftigten der EKHN der dritte wichtige Aspekt für die Rücklagenbildung. Hier gilt das Prinzip: Die Versorgung der heutigen Beschäftigten soll heute erwirtschaftet und so wenig wie möglich den nachfolgenden Generationen aufgebürdet werden.

Dabei sind entsprechend den arbeitsrechtlichen Strukturen Angestellte von Pfarrerinnen und Pfarrern sowie Kirchenbeamtinnen und -beamten zu unterscheiden.

Altersvorsorge für Pfarrer und Kirchenbeamte

Gegenüber den Pfarrerinnen und Pfarrern sowie den Kirchenbeamtinnen und Kirchenbeamten ist die EKHN in der Pflicht, entsprechend den gesetzlichen Regelungen Ruhegehalt zu zahlen. Jede Ordination und jede Verbeamtung zieht also Versorgungsansprüche für die Dauer von bis zu 70 Jahren nach sich, davon circa 40 Jahre im aktiven Dienst. 

Dies muss angesichts starker Schwankungen – Stichwort geburtenstarke Jahrgänge, die ab 2020 in den Ruhestand eintreten – sehr gut geplant werden, damit daraus für nachfolgende Generationen keine unzumutbaren Belastungen erwachsen. Ende 2011 waren bei der EKHN 1.561 Pfarrerinnen und Pfarrer sowie 280 Mitarbeiter der Landeskirchenverwaltung beschäftigt. 857 Pfarrerinnen und Pfarrer befanden sich Ende 2010 im Ruhestand.

Rund drei Viertel der Altersversorgungsansprüche dieses Personenkreises werden durch die Evangelische Ruhegehaltskasse (ERK) beziehungsweise durch die Bundesversicherungsanstalt für Angestellte (BfA) abgedeckt. 

Der Anteil der ERK an der Absicherungsquote wird von Jahr zu Jahr zunehmen und der Anteil der BfA wird entsprechend abnehmen, da die EKHN ihre freiwillige Mitgliedschaft in der gesetzlichen Rentenversicherung im Jahr 2004 aufgekündigt hat. Entsprechend hat sie die Absicherung der Verpflichtungen bei der ERK zeitgleich erhöht.

Die ERK ist keine Institution der EKHN, auch wenn ihr Sitz in Darmstadt ist. Sie ist eine Anstalt des öffentlichen Rechts und arbeitet als Dienstleister für zwölf evangelische Landeskirchen. Eine aktuelle EKD-Studie zur Altersvorsorge bei den einzelnen Gliedkirchen kommt zu dem Ergebnis, dass die ERK ihre Verpflichtungen dauerhaft erfüllen kann.

Die ERK wendet das Prinzip einer Mischung von Kapitaldeckung und Umlagen/Beiträgen (Kapitalabschnitts-deckungsverfahren) an. Es bietet angesichts des bereits erreichten hohen Kapitaldeckungsgrads eine gute Gewähr und auch eine gewisse Stabilität hinsichtlich der erforderlichen Beiträge und Umlagen.

Im Jahr 2010 hat die ERK zur Erfüllung der Versorgungsansprüche insgesamt rund 49 Mio. Euro an Ruhegehalt, Witwengeldern und Waisengeldern an die EKHN ausgezahlt. Davon stammten noch rund 20 Mio. Euro aus den Kassen der BfA, rund 17 Mio. Euro von der ERK und rund 11,7 Mio. Euro aus dem laufenden Haushalt der EKHN. Das heißt: 2010 mussten aus dem EKHN-Haushalt rund 11,7 Mio. Euro für die Altersversorgung der Pfarrerinnen, Pfarrer und Kirchenbeamtinnen und -beamten im Ruhestand aufgewendet werden.

Darüber hinaus hat die EKHN im Jahr 2010 an die ERK 17,8 Mio. Euro als Beiträge für die aktiven Beschäftigten gezahlt. Dies dient dem Vermögensaufbau in der Ruhegehaltskasse und versetzt sie in die Lage, auch langfristig hohe Eigenanteile zu den Altersversorgungsleistungen einbringen zu können. Damit wird die künftige Belastung der laufenden Haushalte durch die Versorgungsleistungen in Grenzen gehalten. 

Im Jahr 2024 werden voraussichtlich etwa 1.500 Pfarrerinnen, Pfarrer sowie Kirchenbeamtinnen und -beamte Ruhestandsbezüge erhalten (siehe Kasten auf Seite 10). Diese Bezüge machen dann ein Finanzvolumen von ungefähr 100 Mio. Euro jährlich aus. Dies könnte dann eine Belastung des laufenden Haushalts in Höhe von circa 25 Mio. Euro bedeuten. Darauf richtet sich die EKHN ein. Im Idealfall sollen diese Verpflichtungen künftig wieder aus den Erträgen der Versorgungsstiftung finanziert werden, ohne den laufenden Haushalt zu belasten.

Versorgungsstiftung

Drei Viertel der Altersversorgungsansprüche werden durch die ERK und die BfA abgedeckt. Um das restliche Viertel abzudecken, hat die EKHN Anfang der 90er-Jahre eine Versorgungsstiftung errichtet. Deren Erträge sollen langfristig den EKHN-Haushalt bei der Altersversorgung entlasten.

Die Versorgungsstiftung hatte Ende 2012 ein Kapitalvolumen von 675 Mio. Euro bei einem Buchwert von 544 Mio. Euro. Das entspricht gegenüber den abzudeckenden Verpflichtungen einem Deckungsgrad von 98 Prozent. Damit das Kapital ausreicht, um die Kosten für die Erfüllung auch bei Kursschwankungen zu decken, fordern die Statuten der Versorgungsstiftung einen Deckungsgrad von 111 Prozent im Verhältnis zu den Verpflichtungen.

Deshalb werden die Erträge der Versorgungsstiftung zurzeit nicht im landeskirchlichen Haushalt vereinnahmt. Sie werden einbehalten und auch Überschüsse sollen an die Versorgungsstiftung abgeführt werden, damit sie alsbald wieder den vorgesehenen Deckungsgrad erreicht und dann auch wieder in der Lage ist, Ausschüttungen an den landeskirchlichen Haushalt vornehmen zu können.

Vom Haushaltsüberschuss des Jahres 2010 wurden 25 Mio. Euro an die Versorgungsstiftung überführt.

Altersvorsorge für Angestellte

Der Aufwand für die Altersvorsorge der Angestellten der EKHN ist angesichts des Renten- und Sozialversicherungssystems in Deutschland einfach gestaltet: Die Angestellten erhalten neben der gesetzlichen Rente, die anteilig Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber sowie Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer durch Beiträge finanzieren, auch eine rein arbeitgeberfinanzierte Zusatzversorgungsrente.

Zahlstelle und insoweit auch Dienstleister der EKHN für die Zusatzversorgungsrenten ist die Evangelische Zusatzversorgungskasse (EZVK). Für sie hat die EKHN 2012 neben den allgemeinen Gehaltszahlungen 12,9 Mio. Euro aufwenden müssen. Auch das System der EZVK ist in hohem Maße kapitalgedeckt und weist im Vergleich zu anderen Zusatzversorgungseinrichtungen ein günstiges Verhältnis von Beiträgen zu Leistungen auf. 

Die durchschnittliche Zusatzversorgungsrente beträgt zurzeit rund 300 Euro monatlich mit deutlichen Spreizungen nach unten und oben. Daneben kann die Altersvorsorge freiwillig aufgestockt werden, zum Beispiel über die freiwillige Versicherung bei der EZVK.

Die EKHN hat gute Gründe, Rücklagen zu bilden, und sie hat dies über einen langen Zeitraum getan. Sie geht dabei verantwortungsvoll mit Ressourcen um und leistet auch einen Beitrag zur Generationengerechtigkeit, denn die Altersversorgung der heute Beschäftigten wird nicht den künftigen Beschäftigten aufgebürdet.

Das ist für die künftige Arbeit der Kirche wichtig, denn ihre Steuereinnahmen können faktisch nicht erhöht werden. Durch die demografische Entwicklung sind eher Einnahmerückgänge zu erwarten und anders als in staatlichen Strukturen ist die Mitgliedschaft in einer Kirche freiwillig.

Der lange Schatten des Babybooms

Die Zahl der Pensionierungen von Pfarrerinnen und Pfarrern, die bislang in der Regel zwischen 25 und 35 Personen pro Jahr umfasste, wird ab 2017 deutlich ansteigen, im Jahr 2024 mit über 120 Personen ihren Höhepunkt erreichen und sich erst 2030 wieder normalisieren.

Dann wird die EKHN, ausgehend von einer Lebenserwartung von 82 Jahren, etwa 1.500 pensionierte Pfarrerinnen und Pfarrer haben. 2011 waren es noch 857. 

Grund sind die geburtenstarken Jahrgänge im Gefolge des Wirtschaftswunders, das auch der EKHN zahlreichen theologischen Nachwuchs beschert hat. Er wurde nach dem Willen der Synode auch zum größten Teil eingestellt. Erst ab 1993 wurde die Zahl der Einstellungen drastisch begrenzt.

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Dies Gebot haben wir von ihm,
daß, wer Gott liebt, daß der auch seinen Bruder liebe.

1. Johannes 4, 21

Bild: Mit freundlicher Genehmigung von iStockphoto/Gorfer

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