Herzlich Willkommen! Entdecken Sie, welche Angebote der EKHN zu Ihnen passen. Über das Kontaktformular und auf facebook sind wir offen für Ihre Anregungen.

Menümobile menu

Radikalisierung

Mit Imamen gegen Salafisten

EKHN/RahnBlick aus der Gefängniskapelle an WeihnachtenIn der JVA in Frankfurt am Main (Archivbild)

Viele der islamischen Attentäter von Paris und Brüssel 2015 und 2016 haben sich in Gefängnissen radikalisiert. Die deutschen Behörden treibt die Angst um, solches könnte auch in hiesigen Strafvollzugsanstalten passieren. Imame sollen dagegen helfen.

Die ersten Rückkehrer aus dem „Islamischen Staat“ (IS) in Syrien und Irak sind in Deutschland zu Haftstrafen verurteilt worden. Die Rückkehrer gälten im Gefängnis für viele muslimische Häftlinge als Helden, sagte der Imam und Seelsorger in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Wiesbaden, Husamuddin Meyer, in Frankfurt am Main. Ihre Argumente hätten Gewicht. Extremisten könnten Häftlinge leicht zu Gewalttaten manipulieren. Denn Kriminelle könnten ihre Gewalttätigkeit dann sakralisieren. Meyer sprach in der Frankfurter JVA I auf einem von dem Mediendienst Integration organisierten Pressetag.

Seelsorger können aufklären – auch über den Islam

Die meisten muslimischen Insassen hätten einen geringen Bildungsgrad und wüssten nur wenig über den Islam, berichtete Meyer. So sei er schon von Häftlingen gefragt worden, ob jemand getötet werden müsse, der nicht bete, oder ob Terrorismus im Islam erlaubt sei. Ein Seelsorger könne eine islamische Gegenmeinung zu Extremisten glaubhaft begründen, sagte Meyer, der Islamwissenschaft und Ethnologie studiert hat. Er mache Häftlinge darauf aufmerksam, dass alles von Gott komme, auch die Probleme und die Haft. Es sei die Aufgabe des Gläubigen, sich damit auseinanderzusetzen. So zeige er neue religiöse Perspektiven auf und rege zum Nachdenken über sich selbst an.

Alle 16 Gefängnisse in Hessen bieten islamische Seelsorge an

Hessen legt Wert auf die Mithilfe islamischer Seelsorger bei der Deradikalisierung von Häftlingen beziehungsweise bei der Vorbeugung vor Radikalisierung. Das Bundesland sieht sich darin als Vorreiter. Alle 16 Gefängnisse in Hessen böten islamische Seelsorge an, sagte die hessische Justizministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU). Das Land habe die Mittel für muslimische Seelsorger von 50.000 Euro im Jahr 2016 auf 300.000 in diesem Jahr erhöht, dazu kämen 400.000 Euro für weitere Deradikalisierungs-Maßnahmen.

Justizministerium sucht Imame selbst aus

Das Land Hessen beschäftige inzwischen zwölf Imame als Honorarkräfte für die Seelsorge in Gefängnissen, erläuterte die Leiterin der Stabsstelle zur Deradikalisierung im Justizministerium (Nedis), Clementine Englert. Die Imame würden nicht von Islamverbänden gestellt, sondern das Ministerium suche sie aus. Die Seelsorger wiesen einen Universitätsabschluss und eine Zusatzausbildung für die Seelsorge vor. Sie würden sicherheitsüberprüft und bildeten sich regelmäßig fort. Um die Trennung von Staat und Religionsgemeinschaften aufrechtzuerhalten, würden die Seelsorger nicht fest angestellt. Die islamischen Theologen böten in allen Gefängnissen das Freitagsgebet an und stünden für persönliche Gespräche zur Verfügung.

Strukturbeobachter achten auf Hinweise für Radikalisierung

Die islamischen Seelsorger sind Teil des 2016 von Hessen gegründeten „Netzwerks zur Deradikalisierung im Strafvollzug“, das im Justizministerium angesiedelt ist. Ein weiterer Baustein sind die sogenannten Strukturbeobachter in den Gefängnissen. Diese speziellen Justizvollzugsbeamten beobachten die Häftlinge und versuchen Radikalisierungen zu erkennen. Stefan Schürmann in der Frankfurter JVA I erläuterte, er achte auf Kleidung, Symbole, Gepäck bei der Einweisung und auf die Änderung von Verhaltensweisen. In der JVA I, der größten Untersuchungshaftanstalt Hessens, habe er eine niedrige zweistellige Zahl von Häftlingen im Auge. Bei Bedarf schalte er Berater oder Seelsorger ein, ordne ein Anti-Aggressionstraining an oder nehme einzelne Gefangene aus der Gruppe heraus.

Evangelische Gefängnisseelsorge

Die evangelische Gefängnisseelsorge bietet Gesprächs-, Meditations- , Literatur-, Musik- und andere Gruppen an. Sie hilft bedürftigen Gefangenen und ihren Familien durch die Übernahme von Fahrtkosten für Besuche, die Unterstützung mittelloser Gefangener und den Bezug von Literatur und Bibeln in verschiedenen Sprachen. Gefängnisseelsorge steht auch den Bediensteten im Strafvollzug zur Verfügung.

So sieht der Alltag eines evangelischen Gefängnisseelsorgers aus

© epd: epd-Nachrichten sind urheberrechtlich geschützt. Sie dienen hier ausschließlich der persönlichen Information. Jede weitergehende Nutzung, insbesondere ihre Vervielfältigung, Veröffentlichung oder Speicherung in Datenbanken sowie jegliche gewerbliche Nutzung oder Weitergabe an Dritte ist nicht gestattet.

Diese Seite:Download PDFDrucken

Denn alles, was aus Gott geboren ist, überwindet die Welt;
und unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat.

to top