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Mit Walk and Talk gegen die Sucht

Suchtberatung unter freiem Himmel (mit Video)

Quelle: MDHSWalk & TalkTherapeutin Annett Lockett bespricht die Sorgen und Nöte mit ihren Klienten jetzt beim Spazierengehen

Jetzt ist Schluss mit dem Alkohol. Das sagte sich Thorsten vor einem dreiviertel Jahr und kontaktierte das evangelische Beratungszentrum Vogelsberg. Er war in einer Klinik und nun würde die Nachsorge in Form von Gruppensitzungen anstehen. Wegen der Kontaktbeschränkungen in der Coronakrise ging das nicht. Kurzerhand ist das „Walk & Talk“-Format initiiert worden, das auch weiterhin angeboten werden soll.

Nach einer kurzen Begrüßung mit gebührendem Abstand geht es gleich los. Von der Beratungsstelle in Lauterbach ist es nicht weit bis zum Ortsrand. Viel Natur mit Feldern und Wald erwartet Annett Lockett und ihre Klienten. Das sind meist Menschen, die gegen eine Sucht ankämpfen. Thorsten* ist einer von ihnen.

Von Angesicht zu Angesicht

Corona hat nicht nur zu Homeschooling und Homeoffice geführt. Im Bereich der Seelsorge und Therapie waren wochenlang auch keine persönlichen Gespräche möglich. Alternativ musste auf Telefongespräche und Videotelefonie umgestellt werden. "Man kann außer der Stimme immerhin die Mimik des Klienten wahrnehmen. Dennoch kann man die Leute von Angesicht zu Angesicht besser einschätzen. So merke ich der Person an, wenn etwas nicht stimmt", erklärt die Sozialtherapeutin und -pädagogin Annett Lockett im Beratungszentrum Vogelsberg in Lauterbach. Sie und ihr Team, aber auch die Klienten, haben während der Coronakrise den persönlichen Kontakt vermisst. So kam die Idee mit dem Walk and Talk: Therapiegespräche beim Spazierengehen zu führen.

Entschluss gefasst

Thorsten ist von der Idee gleich begeistert. Er kennt die Spaziergänge schon als Therapieform aus der Entzugsklinik und ist sowieso gerne in der Natur unterwegs. Der Fünfzigjährige ist für ein halbes Jahr in der Nachsorge im Beratungszentrum. Normalerweise heißt das: wöchentliche Treffen mit anderen, die auch von der Alkoholsucht wegkommen wollen. Dass die Treffen nun draußen nur mit einer Pädagogin stattfinden, stört ihn nicht. “Ich finde es auch schön, die Natur zu erleben. Man kommt hier leichter und lockerer ins Gespräch als im Büro”, beschreibt er die Vorteile des Formates. Für die Mitarbeiter im Beratungszentrum war es zu Beginn auch eine Umstellung. „Wir mussten eine gute Strecke für eine Therapiestunde finden. Und nicht zu viele Termine auf einen Tag legen. Am ersten Tag lief ich 10 Kilometer“, erzählt Annett Lockett lachend.

Wiedereinstieg ins Leben

Langsam kehrt wieder ein normaler Alltag für Thorsten zurück. In der Klinik waren die Strukturen vorgegeben. Jetzt fängt er wieder an in seinem alten Beruf zu arbeiten und ist froh über die Fortschritte. Die trackt er auch mit einer App. “Die App zählt die Tage, die ich schon abstinent bin. Das sind mittlerweile mehr als 232 Tage”, berichtet er stolz der Pädagogin, aber auch seiner Frau. In der App hat er wichtige Ereignisse wie den Hochzeitstag und Geburtstage eingetragen. “Solche Meilensteine helfen mir mich zu motivieren”, erzählt er.

Den Glauben nicht verlieren

“Mein Job fordert mich immer wieder heraus, aber er macht mir auch Spaß”, schildert Therapeutin lachend. “In den 19 Jahren im Beratungszentrum Vogelsberg habe ich schon vieles von den Klienten gehört und mit ihnen erlebt. Man braucht auf jeden Fall Geduld und darf den Glauben an sie nicht verlieren. Dass sie es schaffen, ihre Probleme zu überwinden”. Viele von den Menschen, die Annett Lockett betreut, hadern mit sich. Ihr Bestreben ist es, dass die Klienten sich ihrer Fähigkeiten bewusst werden und eine Perspektive für sich sehen.

Notlösung überzeugt

Annett Locket hilft im Beratungszentrum nicht nur Menschen mit Alkoholproblemen. Die Nachsorge sei bei ihnen speziell aber unerlässlich: ”Im ersten halben Jahr liegt die Rückfallquote bei etwa 60 Prozent. Es ist wichtig diese Leute nach einem Klinikaufenthalt nicht sich selbst zu überlassen”. Sie und ihr Team helfen aber auch bei anderen Suchtformen genauso wie im Bereich der Eltern- und Familienberatung. Die neue Form des Walk and Talk wollen sie weiterhin anbieten und Treffen, die einen Spaziergang erlauben, nach draußen verlegen. Die erste Gruppensitzung hat diese Woche schon wieder stattgefunden. Und Annett Lockett ist stolz: “Keiner von ihnen hat von einem Rückfall in der Coronakrise berichtet”.

 *der vollständige Name ist der Redaktion bekannt

zum Beratungszentrum Vogelsberg

Hilfe bei Sucht

[Kathleen Retzar]

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Der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.

Lukas 19, 10

Bild: Mit freundlicher Genehmigung von gettyimages / hudiemm

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