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Solidargemeinschaft und kein Almosenstaat

Buch: Diese Wirtschaft tötet

Arno F. Kehrer/DWHNDr. Wolfgang GernDr. Wolfgang Gern beim Diakonieforum 2012

„Wir müssen den Finger in die Wunde legen, dem Rad in die Speichen fallen und steuerpolitisch zurückkehren zum Prinzip der Solidargemeinschaft.“ Dies sagte Pfarrer Dr. Wolfgang Gern, Vorstandsvorsitzender der Diakonie Hessen, anlässlich der Vorstellung des Buches „Diese Wirtschaft tötet“.

Am Rande des Evangelischen Kirchentages in Stuttgart im Ökumenesaal der alt-katholischen Gemeinde, Katharinenplatz 5, sagte Gern, dass der Sozialstaat nicht um der Menschen willen zu einem Almosenstaat werden dürfe. „Die Solidargemeinschaft ist nötig, um Bildungsgerechtigkeit und Integration zu ermöglichen und um Menschen in ihren Risiken beizustehen: also in Armut, Krankheit, Arbeitslosigkeit und Alter.“ Allerdings müsse deutlich nachgefragt werden, was aus dem nach dem zweiten Weltkrieg geschaffenen Sozialstaat geworden sei.

Kinder und Senioren stärker von Armut betroffen

Die Armutsquote in Deutschland sei mit 16 Prozent auf dem Höchststand seit der Wiedervereinigung. Die Kinderarmut sei gewachsen, das Armutsrisiko älterer Menschen gestiegen, viele junge Menschen seien arm. „In der Diakonie geht es daher um beides: um das Tun der Liebe und um das politische Entgegentreten und Verändern, wo Menschen Unrecht erfahren“, so der hessische Diakonie-Chef Gern. 

Nein zu einer Wirtschaft, die Menschen ausschließt

Der Buchtitel des im VSA-Verlages erschienen Buches zitiert einen Satz von Papst Franziskus aus seinem ersten Apostolischen Schreiben „Evangelii Gaudium“: „Ebenso wie das Gebot ,Du sollst nicht töten‘ eine deutliche Grenze setzt, um den Wert des menschlichen Lebens zu sichern, müssen wir heute ein ,Nein zu einer Wirtschaft der Ausschließung und der Disparität der Einkommen‘ sagen. Diese Wirtschaft tötet.“ 

Die Herausgeber

Die beiden Herausgeber des Buches "`Diese Wirtschaft tötet´: (Papst Franziskus) Kirchen gegen Kapitalismus" vom Mai 2015 sind: Dr. Franz Segbers, alt-katholischer Theologe, bis 2011 Referent für Arbeit, Ethik und Sozialpolitik im Diakonischen Werk Hessen und Nassau, bis 2014 Professor für evangelische Sozialethik an der Universität Marburg. Simon Wiesgickl, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Religions- und Missionswissenschaft an der Universität Erlangen-Nürnberg, Mitglied im Befreiungstheologischen Netzwerk. 

Tu, was zu tun kannst.
Und dann ist gut, denn mehr geht nicht.
Alles weitere kann ich in die Hände Gottes legen
und darauf vertrauen, dass er es wohl gut mit mir meint.
(Carsten Tag zu Prediger 9,10)

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