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Podiumsdiskussion mit Nachhaltigkeitsforscher Niko Paech

„Menschheit rast auf ökologischen Abgrund zu“

Ihm-FahleKaweh Mansoori, Niko Paech, Dr. Helmut Francke, Thomas Mann und Jan Ovelgönne diskutieren über Nachhaltigkeit. Das Netzwerk „Wetterau im Wandel“ und die Europa-Union Wetterau hatten zur Podiumsdiskussion einladen.

Wenn die Menschheit überleben will, muss sie ihren Lebensstil ändern. Diese Botschaft nahmen die Zuhörer einer Podiumsdiskussion mit, die jüngst in der Bad Nauheimer Wilhelmskirche auf dem Programm stand.

Das Netzwerk „Wetterau im Wandel“, in dem auch das Evangelische Dekanat Wetterau aktiv mitarbeitet und die Europa-Union Wetterau luden ein. Kein Platz war mehr frei in der Wilhelmskirche in Bad Nauheim, als Dr. Johannes Fertig von der Europa-Union Wetterau sowie Volker Heitmann von Wetterau im Wandel die rund 170 Zuhörer begrüßten. Als Redner war Nachhaltigkeitsforscher Niko Paech zu Gast. Bevor die Politiker Kaweh Mansoori (SPD), Thomas Mann (CDU) und Jan Ovelgönne (Grüne) mit Paech diskutierten, hielt der Bestsellerautor einen Impulsvortrag über die Postwachstumsökonomie. 

„Die Menschheit rast auf einen ökologischen Abgrund zu“, sagte er. Damit künftige Generationen überleben können, sei es wichtig, die Wirtschaft um mindestens 50 Prozent zu verkleinern. Das bedeute, fuhr Paech fort, nur noch Dinge neu zu produzieren, die kaputtgegangen und nicht mehr reparabel sind. „Größtes Problem ist der Klimawandel“, betonte er. Weitere ökologische Sargnägel seien Plastikmüll, Elektroschrott und Flächenversiegelung. Um das 2-Grad-Klimaschutzziel einzuhalten, müsse jeder Mensch jährlich mit maximal 2,5 Tonnen CO2 auskommen – statt den derzeit 12 Tonnen. Somit frage sich, was Menschen tun können, um nicht über ihre Verhältnisse zu leben. Antworten wie „grünes oder intelligentes Wachstum“ hätten aber ebenfalls nur das Ziel, das Wachstum zu steigern. Erster Schritt sei es, Arbeitslosigkeit zu vermeiden, zu der es durch Digitalisierung verstärkt kommen werde. „Das bedeutet aber, Arbeitszeiten drastisch zu reduzieren.“ Um mit weniger Geld auszukommen und nachhaltig zu wirtschaften, böten sich neue Lebensstile an. Genügsamkeit, mehr Selbstversorgung und Regionalökonomie gehören, laut Paech, dazu.

Dr. Helmut Francke moderierte ein lebhaftes Podiumsgespräch. Europaabgeordneter Thomas Mann (CDU) berichtete von seiner Begegnung mit Greta Thunberg, die im April vor dem Europaparlament gesprochen hatte. Wie Mann erklärte, sei es wichtig, dass Jugendliche für ihre Ziele auf die Straße gehen. Man müsse die jungen Menschen ernst nehmen, dürfe sie nicht abkanzeln. Der hessische Juso-Vorsitzende Kaweh Mansoori hinterfragte die Motive von Prognosen, wonach Digitalisierung die Beschäftigungszahlen sehr stark verändert. Manch ein Wirtschaftsvertreter wolle mit diesen Argumenten beispielsweise gewerkschaftliche Widerstände brechen. Digitalisierung könne sich ökologisch positiv auswirken, sagte Mansoori. „Home Office würde Treibhausemmissionen durch Verkehr massiv reduzieren.“

Das Publikum stellte Fragen. „Welche positive Formulierung würden Sie wählen, um den  Wandel als etwas Gutes zu beschreiben?“, erkundigte sich eine Zuhörerin. Der grüne Europakandidat Jan Ovelgönne ging darauf ein. „Viel liegt in dem Ausdruck Genügsamkeit: mit dem, was man hat, zufrieden zu sein.“ Die heutige Wettbewerbsgesellschaft sei ein Hamsterradrennen, das Menschen krankmache. „Was uns am Leben hält, ist Gemeinschaft. Das sind die wirklich wertvollen Dinge“, unterstrich Ovelgönne.   Ein Mann fragte nach einer Empfehlung zur Wahl, worauf Paech erwiderte: „Das ist ein Dilemma. Es gibt keine Partei, die gegen Wachstum ist.“ Politik sei machtlos, wage das Nein-Sagen nicht und verteile Geschenke. Menschen müssten pionierhaft ihren Lebensstil ändern, damit eine Bewegung entstehe. „Sie können morgen damit anfangen.“ Erst das schaffe die Basis für Postwachstumspolitik. „Vorher ist Politik nicht handlungsfähig“, setzte Paech eins drauf. Grünen-Politikerin Brigitta Nell-Düvel aus Bad Nauheim sah diese Äußerungen kritisch, auch wenn sie seiner Theorie ansonsten nahestehe: „Wir haben Europawahl. Und dann so etwas zu sagen – das unterstütze ich nicht“, erklärte sie am Rande. Auch Wolfgang Dittrich, Referent für Gesellschaftliche Verantwortung des Evangelischen Dekanats Wetterau, übte Kritik am Referenten. „Ich hatte sehr gehofft, dass Paech zum Schluss zur Wahl von demokratischen Parteien aufrufen würde, die den Klimawandel wenigstens nicht leugnen, denn unsere Demokratie sehe ich als mindestens genauso gefährdet an, wie das Klima.“

Text: Petra Ihm-Fahle

Zum Netzwerk „Wetterau im Wandel“ gehören das Evangelisches Dekanat Wetterau, „Bad Nauheim – fair wandeln“, Umsonstladen Friedberg, Kinderfarm Jimbala, NABU Umweltwerkstatt Wetterau, Solawi Wetterau, Bio-Hopper, Querbeet, die Vereine WetterauSicht und Lebenswert sowie viele weitere Initiativen. Das Netzwerk hat es sich unter anderem zur Aufgabe gemacht, die Politik mit dem Thema Nachhaltigkeit zu konfrontieren.

Dieser Artikel wurde automatisch von einer Website der regionalen Öffentlichkeitsarbeit der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau übernommen. Verantwortlich im Sinne des Presserechts ist der Autor/die Autorin dieses Artikels.

Singet dem HERRN ein neues Lied, denn er tut Wunder.

Psalm 98, 1

Bild: Mit freundlicher Genehmigung von gettyimages_jjaakk

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