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Ökumenischer Friedensgottesdienst zum 11. September

Screenshot DekanatBrandnachtgottesdienst in St. Ludwig

Dass die Kirchen weltweit Versöhnung in Wort und Tat vorleben sollen, sagte Pfarrerin Anne Heitmann, Mitglied des Zentralausschusses des Ökumenischen Rats der Kirche. Sie predigte im Ökumenischen Friedensgottesdienst zum Gedenken an die Brandnacht 1944, an die Terror-Anschläge von 2001 sowie an alle Opfer von Krieg und Gewalt, mit Live-Übertragung am 11. September in St. Ludwig.

Livestream: https://www.youtube.com/watch?v=-G6CDqf-2cw

Versöhnung in Wort und Tat vorleben
Ökumenischer Friedensgottesdienst zum 11. September in St. Ludwig in Darmstadt

„Wird es nicht Zeit zu vergessen?“ Diese Frage stellte Oberbürgermeister Jochen Partsch seiner Ansprache vor dem Ökumenischen Friedensgottesdienst voran - 77 Jahre nach der Darmstädter Brandnacht, die in der Nacht vom 11. September 1944 rund 12000 Tote forderte. Fast ein ganzes Menschenleben sei seitdem vergangen. Doch die Erinnerung daran habe noch heute „eine sehr persönliche Bedeutung für viele Darmstädterinnen und Darmstädter“. Es sei wichtig, noch heute zu den Orten der Erinnerung in der Stadt, die Mahnmale am Waldfriedhof und am Kapellplatz, zu gehen. Auch wenn weniger Menschen zu den Gedenkveranstaltungen kämen, seien diese „aber zentral wichtig für das Verständnis unserer Stadt, deren Geschichte und Gegenwart“, sagte Partsch.

Mit den Anschlägen vom 11. September 2001 in New York und Washington sei „etwas wieder in Erinnerung gekommen, was fast jede Familie in Darmstadt beschäftigt“. Jegliche Opfer von Terror und Gewalt dürften nicht vergessen werden. Partsch fragte danach, wann der Vorkrieg beginne und antwortete: „Dann, wenn Barmherzigkeit, die menschliche Grundkonstante, wenn Gewissen und Vernunft beginnen zu verwahrlosen“. Diese Tendenzen seien auch heute etwa in den sozialen Medien in Form von Hemmungslosigkeit gegenüber Politikern, Polizisten oder Andersdenkenden zu erkennen.

Dekanin Ulrike Schmidt-Hesse gedachte im Klagegebet der Opfer und gedachte auch derer, die die Brandnacht überlebt hatten: „Sie wissen, welche Verletzungen an Leib und Seele der Krieg Menschen zufügt, auch den Überlebenden.“ Sie gedachte auch der Opfer der Bombenangriffe auf Städte wie Warschau, Rotterdam oder London. „Wir erschrecken angesichts des Leides, das Menschen aus unserem Land über andere Völker und Länder gebracht haben. Wir denken an die Menschen, die in unserem Land verfolgt und ermordet wurden“, betete die Dekanin. Sie beklagte die Opfer des 11. September 2001 und die Opfer der Kriege, die auf diese Anschläge folgten. Der katholische Dekan Dr. Christoph Klock gedachte im Gebet der Menschen in Afghanistan und in anderen Kriegsgebieten der Welt, aber auch den vor Krieg geflüchteten Schutzsuchenden in Darmstadt. Auch die Entwicklungen in der internationalen Politik wie die Gewalt autoritärer Machthaber, das Setzen auf militärische Stärke, wachsenden Nationalismus und Verachtung der Demokratie brachte der Dekan im Klagegebet vor Gott.  

Als Vertreter der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Darmstadt las Evangelos Kyprianidis von der griechisch-orthodoxen Gemeinde die Seligpreisungen. Katharina Roß gestaltete als Kantorin und Jorin Sandau an der Orgel den Friedensgottesdienst mit. In ihrer Predigt sprach Anne Heitmann, Ökumene-Referentin der badischen Landeskirche, über Versöhnung, die „immer wieder neu gelernt und gestiftet werden“ müsse. Viele biblische Texte enthielten „Hoffnung auf Frieden, der sich in Liebe und Barmherzigkeit Gottes gründet und in Jesus Christus zeigt“. Menschen sollen zu „Botschafterinnen und Botschaftern des Friedens und der Versöhnung“ werden. Der Glaube beflügele die Fantasie für den Frieden. Diese biblischen Hoffnungssätze gälten auch heute, so Anne Heitmann, die auch Mitglied des Zentralausschusses des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) ist. Dessen Vollversammlung, die sie mit vorbereitet, tagt 2022 in Karlsruhe.

Aus dem Brief an die Römer über das Leben in der Gemeinde zitierte die Pfarrerin die Aufforderung des Paulus, mit allen Menschen Frieden zu halten, soweit es möglich ist. Es gelte, aus dem Kreislauf von Gewalt und Gegengewalt auszubrechen und Böses mit Gutem zu überwinden. Im Sinne der Verfassung des ÖRK, dass Krieg nach Gottes Willen nicht sein soll, gelte es für die Kirchen in Deutschland und der weltweiten Gemeinschaft von Kirchen, Versöhnung in Wort und Tat vorzuleben. Anne Heitmann erzählte die Geschichte eines französischen Offiziers, der vor seiner Ermordung durch Deutsche 1943 einen Brief hinterließ, in dem er aufrief, „nicht den Weg der Rache zu gehen“, keine Vergeltung zu üben. Zudem berichtete sie von ihrem Besuch der evangelischen Schneller-Schule im Libanon, die Erziehung zum Frieden lehrt und in der christliche und muslimische Kinder, aus dem Libanon und Geflüchtete aus Syrien, zusammen lernten und zu „Friedensstiftern heranwachsen“.   

In den Fürbitten schlossen Dekanin Ulrike Schmidt-Hesse, Dekan Dr. Christoph Klock, die evangelische Präses Carin Strobel und die katholische Pastoralreferentin i.R. Annemarie Melcher alle Menschen ein, die Opfer von Krieg, Terror und Gewalt wurden, genauso alle Menschen, die Verantwortung tragen und Macht ausüben: „Stärke in ihnen den Geist der Friedfertigkeit, den Willen zur Versöhnung und die Ehrfurcht vor dem Leben eines jeden Menschen.“ Sie beteten für ein friedliches Miteinander der Religionen und für alle, die sich für Frieden und Gerechtigkeit einsetzen.

Die Kollekte war für FiM e.V., Frauenrecht ist Menschenrecht, ein interkulturelles Beratungszentrum für Migrantinnen und ihre Familien in Frankfurt, bestimmt.

Nach dem Gottesdienst folgte ein Gang zur Ruine am Kapellplatz, wo Dekanin Ulrike Schmidt-Hesse und Dekan Dr. Christoph Klock sowie, Oberbürgermeister Jochen Partsch und Stadtverordnetenvorsteher Yücel Akdeniz Kränze zum Gedenken der Opfer des 11. September 1944 und aller Opfer von Krieg, Terror und Gewalt ablegten.  

Hintergrund:
In der Nacht vom 11. zum 12. September 1944 war Darmstadt, die damalige hessische Landeshauptstadt, das Ziel von 234 Bombern der fünften Luftflotte der britischen Royal Air Force. Sie zerstörten oder beschädigten rund 80 Prozent der Häuser in der Alt- und der Kernstadt. Rund 12 000 Menschen starben, rund 66 000 von damals 110 000 Stadtbewohnern wurden obdachlos.
Bei den Terroranschlägen am 11. September 2001 in New York und Washington fielen mehr als 3000 Menschen den von der islamistischen Terrororganisation Al Kaida verantworteten Flugzeugentführungen mit anschließenden Selbstmordattentaten auf das World Trade Center und das Pentagon zum Opfer.

Dieser Artikel wurde automatisch von einer Website der regionalen Öffentlichkeitsarbeit der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau übernommen. Verantwortlich im Sinne des Presserechts ist der Autor/die Autorin dieses Artikels.

Christus spricht: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.

Matthäus 25, 40

Bild: Mit freundlicher Genehmigung von gettyimages/tolga tezcan

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