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Dank für 41 Jahre Dienst für die Evangelische Kirche

Stellvertretende Dekanin Eva Reiß wird in den Ruhestand verabschiedet

Bad SodenStellvertretende Dekanin Eva Reiß mit dem Talar, den sie der Westfälischen Landeskirche gespendet hatStellvertretende Dekanin Eva Reiß mit dem Talar, den sie der Westfälischen Landeskirche gespendet hat

Eva Reiß, stellvertretende Dekanin und Pfarrerin in Liederbach, wird am 9. Oktober um 11.30 Uhr in der Evangelischen Kirche in Liederbach durch Dekan Dr. Martin Fedler-Raupp in den Ruhestand verabschiedet. Wer von zuhause aus dabei sein möchte, kann sich im Internet bei www.sublan.tv einwählen und mitfeiern.

Insgesamt war Pfarrerin Reiß 41 Jahre im Dienst der Evangelischen Kirche. Die gebürtige Bielefelderin war in verschiedenen Landeskirchen in Westfalen, Bayern und Hessen-Nassau tätig. „Im Studium hatte ich eigentlich keine Vorstellung vom Pfarrberuf. Aus der Zeit der CVJM-Jungschar-Zeit wussten wir nur, dass wir es anders machen wollten. Im Vikariat in der Heimstättensiedlung in Darmstadt habe ich dann aber meinen Traumberuf kennen gelernt. Die Begleitung der Menschen von der Wiege bis zur Bahre. Ich klingle bei den Menschen an der Tür und werde immer hinein gelassen. In welchem Beruf gibt es das denn schon?", erzählt Reiß. Ordiniert wurde sie in der Bayerischen Landeskirche. Die Ortswechsel waren durch die beruflichen Stationen ihres Mannes bedingt. „Nach der stark reformierten Theologie im Studium und der unierten Kirche in Westfalen und Hessen-Nassau war das eine ganz neue theologische Erfahrung. Und noch dazu als Evangelische in einem sehr katholischen Umfeld", so Reiß. Zurück in die EKHN (Evangelische Kirche in Hessen und Nassau) ging es dann zunächst nach Bad Vilbel und schließlich nach Oberursel-Oberstedten. „Die 16 Jahre dort waren die prägendste Zeit für mich und meine Familie. Unsere zwei Söhne, die inzwischen erwachsen sind, verbrachten dort ihre Kindheit. Es war eine herausfordernde Zeit mit einer halben Pfarrstelle und zwei kleinen Kindern. Wir hatten durch unsere Lebenssituation auch in der Gemeinde viele Anknüpfungspunkte mit anderen jungen Familien. Das Pfarrhaus war immer voller Leben und Besuch", erklärt sie.

Die nächste Station führte sie nach Offenbach, wo sie elf Jahre lang mit einer halben Stelle Dekanin und mit der anderen Hälfte Pfarrerin für die ‚Offene Stadtkirche‘ war. Sie leitete das Dekanat dort mit großem Engagement und das auch und besonders in schwierigen Zeiten während des Fusions-Prozesses des Dekanats mit dem Stadtdekanat Frankfurt, mit dem ihr Dienst dort im Dezember 2018 endete. Wichtig waren ihr immer wieder die Begegnungen zwischen den Kulturen. So lud sie beispielsweise Menschen unterschiedlicher Religionen zum miteinander Kochen und Essen ein. In der offenen Stadtkirchenarbeit organisierte sie viele Ausstellungen und hielt theologische Vorträge bei den Eröffnungen. Auf diese Wiese verknüpfte sie die Kunst immer neu mit theologischen Aspekten.

2019 trat sie eine halbe Pfarrstelle in Liederbach an und wurde zur stellvertretenden Dekanin des Dekanats Kronberg gewählt. „Hier musste man nichts mehr erfinden, sondern einfach mitmachen, weil es in dieser lebendigen Gemeinde schon so Vieles gab", erinnert sie sich. Dennoch brachte sie immer wieder auch neue Impulse mit ein. Kurz nach ihrem Amtsantritt begann die Corona-Pandemie und es war viel Kreativität gefragt, um die Menschen trotz Gottesdienstverbot zu erreichen. „Meinen Kolleginnen Barbara Helling, Sabine Müller und mir wurde schnell klar, dass wir eine offene Kirche brauchten. Wir haben uns dann Ausstellungen überlegt, die jeder dort einzeln besuchen konnte. Es gab zum Beispiel eine Schau mit Weihnachtskrippen oder eine Foto-Ausstellung zu Grabsteinen. Meist war das verbunden mit Möglichkeiten für die Besucher, sich dabei einzubringen. Denn es ist ja unsere Aufgabe, jeden möglichen Zugang zu nutzen, um die Leute zu erreichen und für Kirche zu begeistern", erklärt Reiß. In ihrer Zeit in Offenbach habe sie gelernt, dass man die Menschen mit Kirchenmusik erreichen und berühren kann. „Verkündigung ist nicht immer nur das gesprochene Wort in der Predigt. Wenn Musik der eine Zugang ist, dann ist Kunst vielleicht der andere oder das Gespräch beim Handarbeitskreis. Meine Aufgabe ist es, den Leuten zu zeigen, dass Gott ihnen nicht nur sonntags, sondern immer und überall in ihrem täglichen Leben begegnet", ergänzt sie. Daher nutzte sie gerade zu Beginn der Pandemie Alltagssituationen, aus denen heraus sie Video-Andachten und Gottesdienste drehte. Wie etwa auf dem Spielplatz oder aus ihrer Küche zu Hause. Das war noch einmal eine ganz neue Herausforderung, der sie sich jedoch unerschrocken stellte. Anhand von YouTube-Tutorials brachte sie sich das filmen und schneiden von Handy-Videos selbst bei. „Gerade auch die Begleitung der Menschen war unter diesen Bedingungen schwieriger, Trauergespräche fanden zum Teil per Telefon oder Video statt, aber wir haben immer versucht, das Beste daraus zu machen", so Reiß weiter.

Auch in ihrem Amt als stellvertretende Dekanin hat sie sich noch einmal voller Engagement mit eingebracht. Zu ihren Tätigkeiten gehörten Leitungsaufgaben, Gremienarbeit, Personalführung sowie repräsentative Aufgaben. Darüber hinaus war sie mit den sehr umfangreichen Themen der GÜT (Gemeindeübergreifenden Trägerschaft für Kitas) und des Kinderschutzes betraut. Ebenso war sie für die Ausbildung der Prädikant:innen und Lektor:innen zuständig. „Ich hatte oftmals in meinem Leben zwei halbe Stellen und bin das daher gewöhnt. Allerdings war das mit jeweils zwei Leitungsgremien sowie den verschiedenen Ausschüssen terminlich nicht immer so einfach abzustimmen. Also noch einmal eine echte Herausforderung vor der Rente", berichtet sie.

Umso mehr freut sie sich in ihrem Ruhestand darauf, nur noch private Termine zu haben und natürlich auf mehr Zeit für ihre Familie. Auf Reisen mit ihrem Mann zu ihren Söhnen und Enkelkinder, die in Neuss und Seattle wohnen. „Es ist schön, dass ich dann noch arbeiten darf, aber nicht mehr muss. Es ist mein Traumberuf, der mich immer ausgefüllt hat. Aber erst einmal möchte ich ein Jahr Pause machen. Dann wird schon eine neue Aufgabe an meine Tür klopfen", so Reiß. Daher wird sie nur einen Talar behalten und hat ihren zweiten dem Archiv der Westfälischen Landeskirche gespendet. „Der Talar ist von historischem Wert. Er erzählt die Geschichte der Theologinnen in unserer Kirche. Er  gehörte Maria Weller, der ersten Frau, die 1930 in Westfalen als Pastorin ordiniert wurde. Damals durften Frauen keine Talare tragen und lediglich Gottesdienste abhalten. Sie durften nicht taufen, trauen oder das Abendmahl einsetzen. Erst als sie bereits in Rente war, wurden die Kirchengesetze geändert. Marie Weller hat sich dann erst diesen Talar gekauft. Er war von sehr großer Bedeutung für sie. Nach ihrem Tod habe ich ihn zu meinem Vikariat geschenkt bekommen und ihn immer in Ehren gehalten", erklärt Reiß.

Gemeinsam mit ihrem Mann wird die 65-Jährige von Offenbach in die alte Heimat Oberstedten ziehen. „Komplett neu erfinden wollten wir uns nicht und hier sind noch Kontakte da, an die wir anknüpfen können", erklärt sie. Die passionierte Radfahrerin freut sich dort auch auf Ausflüge mit ihrem E-Bike. Von Offenbach aus ist sie mit diesem oft nach Bad Soden und Liederbach zur Arbeit gependelt.

Dieser Artikel wurde automatisch von einer Website der regionalen Öffentlichkeitsarbeit der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau übernommen. Verantwortlich im Sinne des Presserechts ist der Autor/die Autorin dieses Artikels.

In der Konzentration auf das, was ist,
kann sich so etwas wie ein Raum öffnen,
ein Gewahrsam schärfen für die Gegenwart Gottes.

(Carsten Tag)

Carsten Tag

Bild: Mit freundlicher Genehmigung von gettyimages / rusm

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