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Otzberg trifft Tafelberg

Virtuelle Begegnungen zwischen Deutschland und Südafrika

ScreenshotVideokonferenz des neuen Solidaritätsnetzwerkes zwischen Deutschland und dem südlichem Afrika.

Die Corona-Pandemie beeinflusst die Partnerschaftsarbeit. Statt echter Besuche gibt es virtuelle Konferenzen. Das bietet Vor- und Nachteile. Neue Themen tun sich auf. Eine Betrachtung von Margit Binz.

Es ist eine der spannenden Möglichkeiten, die der Zoom-Boom bietet: Im eigenen Arbeits- oder Wohnzimmer mit Leuten aus aller Welt zusammen zu kommen und sich über gemeinsame Themen auszutauschen. Das hat viele Vorteile. Es spart Reisen, Zeit, Geld, Sprit und Verkehr. Es schont die Umwelt. Es hat allerdings auch Nachteile, die liegen auf der Hand. Der virtuelle Raum ersetzt nicht die reale, aufregende Begegnung und Präsenz.

Video-Botschaften und Kurznachrichten
Ohne Corona wäre im Oktober 2020 eine siebenköpfige Delegation aus dem Evangelischen Dekanat Vorderer Odenwald nach Kapstadt gereist, um unsere Partnerkirche, die dortige Moravian Church, also die Herrnhuter zu besuchen. Jetzt aktuell hätte eine Freiwillige aus Kapstadt für einen sechsmonatigen Einsatz in einer Kita im Dekanat sein sollen. Doch die Vorbereitungen für beides wurden durch die Pandemie abrupt gestoppt. Seitdem jedoch gibt es einen regen offiziellen und inoffiziellen Austausch zwischen Tafelberg und Otzberg via Video-Botschaften und Kurznachrichten zu Pfingsten, Weihnachten, Ostern oder zwischendurch. Ein Beispiel dafür findet sich hier: https://www.youtube.com/watch?v=_i-aVaO-a9U. In gewissem Sinne ist die Kommunikation nie leichter gewesen als jetzt. Und sie schafft neue Verbindungen.

So hat zum Beispiel die Evangelische Mission in Solidarität (EMS), eine Organisation, die viele Partnerschaftsprojekte unterstützt und trägt, die Gelegenheit ergriffen und zu einem Solidaritätsnetzwerk zwischen Deutschland und dem südlichen Afrika eingeladen. Zu diesem noch im Entstehen begriffenen Netzwerk gehören Partnerschaften auf kirchlicher, kommunaler, schulischer und universitärer Ebene aus Deutschland, Südafrika und der Demokratischen Republik Kongo. Die ursprüngliche Idee war, sich darüber auszutauschen, was die Pandemie in den unterschiedlichen Ländern und Partnerschaften bedeutet und aus Tandempartnerschaften vielleicht ein ganzes Netzwerk zu stricken, so Georg Meyer, Verbindungsreferent Afrika bei EMS. Im Juli 2020 fanden sich dann erstmals Beteiligte aus den unterschiedlichen Ländern und Partnerschaftskontexten auf einem Bildschirm per Zoom zusammen. Für den Partnerschaftsausschuss im Evangelischen Dekanat Vorderer Odenwald sind Dr. Uwe Müller aus Eppertshausen und Ökumene-Pfarrerin Margit Binz dabei. Und auch unsere Partner aus Kapstadt sind mit ihrem Vorsitzenden Anthony Botha und mit Colleen Cunningham, zuständig für Christian Education (christliche Bildung), vertreten.

Andere Themen rücken in den Vordergrund

Bei diesen Treffen rücken Themen in den Vordergrund, die in der Partnerschaftsarbeit sonst nicht eine so große Rolle spielen. So ging es als erstes um die Zunahme von häuslicher Gewalt und Fragen von seelischer Gesundheit durch die Pandemie. Dazu wurde der anglikanische Priester Michael Lapsley eingeladen. Er ist der Gründer des „Institute for Healing of Memories“ in Kapstadt (https://www.healing-memories.org/), dessen Arbeit sich der Heilung von traumatischen Erfahrungen und dem Zusammenhang zwischen Heilung und Gerechtigkeit widmet. Ein Video-Intro aus Kapstadt sowie der Vortrag von Michael Lapsley und Ausschnitte aus der folgenden Diskussion finden sich hier: https://www.youtube.com/playlist?list=PL_JRu9nmvNXWRYslyoU4HPcpzm0USO3al

Bei einem anderen Treffen gab Dr. Boniface Mabanza Bambu von der Kirchlichen Arbeitsstelle Südliches Afrika (KASA) einen Einblick in die Entstehung der Entwicklungsgemeinschaft des südlichen Afrika (SADC, Southern African Development Community) und ihrer Wirtschaftsabkommen mit der Europäischen Union. Beim Treffen danach wiederum stellte Simone Knapp, ebenfalls KASA, die Problematik der Menschenrechte in den Lieferketten am Beispiel von Platin aus Südafrika in unseren Autos dar. In dem Zusammenhang sind zu nennen: BASF und das furchtbare Massaker an der südafrikanischen Marikana Mine von 2012. Hier streikten 3000 Arbeiter gegen die unmenschlichen Arbeitsbedingen in der Mine, deren Platin via BASF in deutschen Autos landet. Bei diesem Streik wurden 34 Arbeiter von der südafrikanischen Polizei erschossen. BASF macht weiterhin Geschäfte mit dem Minenbetreiber, obwohl sich an den Arbeitsbedingungen nichts geändert hat.

Gewalt und Ungerechtigkeiten

Bei allen drei Themen – so könnte man sagen – ging es um Fragen von struktureller Gewalt und Ungerechtigkeit, die zunächst einmal die örtlichen Handlungsmöglichkeiten in der Partnerschaftsarbeit übersteigen. Was bringt es dann für unsere Partnerschaftsarbeit, so könnte man fragen. Die Partnerschaft zwischen unseren Kirchen lebt von der menschlichen Begegnung, von gegenseitiger Inspiration zu Themen des Glaubens und Lebens. Doch auch wenn die strukturellen politischen und ökonomischen Gewaltverhältnisse und Ungerechtigkeiten die örtlichen Handlungsmöglichkeiten vielleicht übersteigen: Was würde es für die Partnerschaft bedeuten, sie einfach auszublenden?

Wie lässt sich Partnerschaftsarbeit sinnvoll gestalten? Das ist eine Herausforderung und eine spannende Frage, mit der sich der Partnerschaftsausschuss des Evangelischen Dekanats Vorderer Odenwald beschäftigt. Hier gibt es keine leichten Antworten. Die Partnerschaft mit den Herrnhuter Gemeinden in Kapstadt Süd öffnet unseren Blick hinaus in die Welt, sie verbindet uns als weltweite Gemeinschaft der Gläubigen und sie gibt Anstöße, vieles mit neuen Augen zu sehen. Das macht sie seit nun über 30 Jahren für beide Seiten so wertvoll, auch wenn die realen Begegnungen zunächst weiterhin eingeschränkt sind.

Wer Interesse an der Arbeit und den Themen des Solidaritätsnetzwerkes hat oder sich generell für die Partnerschaft zwischen dem Dekanat und den Herrnhutern in Kapstadt interessiert, wendet sich an die Pfarrerin für Ökumene, Margit Binz, 0176/80546432, E-Mail: Margit.Binz@ekhn.de

Dieser Artikel wurde automatisch von einer Website der regionalen Öffentlichkeitsarbeit der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau übernommen. Verantwortlich im Sinne des Presserechts ist der Autor/die Autorin dieses Artikels.

Alle lebendige Erkenntnis Gottes
geht darauf zurück,
dass wir ihn als Wille der Liebe
in unseren Herzen erleben.

(Albert Schweitzer)

Albert Schweitzer

Bild: Mit freundlicher Genehmigung von gettyimages_ekely

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