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Gottesdienstaufnahme

Zum Abschluss ein Hupkonzert

Silke Rummel

Wie fühlt sich Gottesdienst unter Corona-Bedingungen an? Ein Besuch zum Start im Evangelischen Dekanat Vorderer Odenwald - in Hering, Kleestadt und beim Autogottesdienst in Reichelsheim.

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Die wohl berühmtesten Fingerspitzen der Welt weisen den Weg: Das auf Papier gedruckte Detail von Michelangelos Bild „Die Erschaffung des Menschen“ sagt an, wo bitte Platz genommen werden soll, versüßt durch einen Schokoriegel. Sonntagmorgen, 17. Mai, 9 Uhr, Hering. Nach zweieinhalb Monaten Corona-Zwangspause wurde in manchen Gemeinden im Evangelischen Dekanat Vorderer Odenwald zum ersten Mal wieder Gottesdienst gefeiert. Oder zumindest so etwas ähnliches, denn vieles ist anders.

Am Eingang gibt’s Desinfektionsmittel und Hinweise, die Abstandsregelungen sorgen für viel Platz zwischen den Bankreihen. Gesangbuch und Gesang – tabu. Zettel liegen bereit. Alle Besucherinnen und Besucher tragen Masken. Die Glocken läuten, das Morgenlicht leuchtet durch die farbenfrohen Kirchenfenster. Die Orgel erklingt irgendwie intensiver als sonst. Da ist nichts, was ablenkt.

Berührung geschieht auch über Abstand

„Was wird er wohl sagen am Anfang?“, sagt Pfarrer Alfred Schwebel am Anfang und nimmt Bezug auf Michelangelos Fingerspitzen. „Sich berühren lassen, das kann auch geschehen über Abstand.“ Die Besucherinnen und Besucher sitzen in den Bänken, können einander nicht richtig ins Gesicht schauen, und fühlen sich doch verbunden. Glocken und Orgel zu hören, wieder hier zu sein, habe ihn berührt, sagt der Pfarrer. Er predigt über Hoffnungen und Enttäuschungen, über Krisen und neue Erfahrungen. „Wenn Gott dabei ist, kommt etwas in Bewegung.“

Freude, sich wiederzusehen
Dekanatsjugendreferentin Manuela Bodensohn ist zur selben Zeit am anderen Ort. In den vergangenen Wochen glich Kleestadt um kurz vor neun einem Geisterort. Dieses Mal sind etliche Menschen auf den Weg zum ersten Gottesdienst. „Viele habe ich seit Wochen nicht mehr gesehen“, berichtet die Dekanatsjugendreferentin. Überall angeregte Gespräche, natürlich mit dem nötigen Abstand. Und Vorfreude: „Endlich die Pfarrerin mal wieder persönlich erleben, endlich wieder gemeinsam beten!“ Am Eingang der Kirche gibt es Desinfektionsmittel und Teilnehmendenlisten, um die Infektionsketten notfalls zurückverfolgen zu können.

Jeder bekommt einen Sitzteppich, wie im Kindergottesdienst. Fischkärtchen zeigen an, wer wo sitzen darf. Rita Sauerwein lässt die Orgel erklingen. „Das erste Vertraute an diesem Morgen“, sagt Manuela Bodensohn. „Kein gemeinsames Singen, das habe ich nicht vermisst. Viel Stille. Ein Ort der Ruhe. Zum Runterkommen.“ Die Konzentration liege auf dem gesprochenen Wort, und bei Christine Heusers wunderbarer Predigt darüber, dass Beten zu Gott kein Wunscherfüllungsautomat sei, habe man eine Stecknadel fallen hören können. „Auch wenn die Rahmenbedungen etwas befremdlich wirkten, war es schön unsere Pfarrerin mal wieder live zu sehen und diese besondere Gottesdienst Atmosphäre zu genießen“, sagt Manuela Bodensohn.

Predigt vom Lkw

Szenenwechsel. Abstand ist auf dem Parkplatz vor der Reichenbergschule in Reichelsheim überhaupt kein Problem. Die Besucherinnen und Besucher dieses Gottesdienstes sitzen in ihren Autos, die Fenster heruntergelassen, um zu hören, was die Reichelsheimer Pfarrerin Erika Bahre und der Winterkastener Pfarrer Sebastian Hesselmann sagen und um die Musik von Matthias Ernst (Trompete), Tanja Spatz (Piano) und Andrea Dippon-Meyer (Gesang) zu hören. Mehr als 70 Autos stehen in Reih und Glied – vorwiegend aus dem Kreis Bergstraße und aus dem Odenwaldkreis. Die Lied- und Gebettexte für diesen Auto-Gottesdienst reichen mit Mund-Nase-Schutz und Handschuhen ausstaffierte Helfer durchs Autofenster.

Pfarrerin und Pfarrer stehen auf einem Lastwagen unter der Birke, das Musik-Ensemble davor auf einer Bühne. Während Pfarrerin Bahre predigt, dass es heilsam sei, sich an Gott zu wenden, dass so die Seele zur Ruhe komme, reiten zwei Frauen auf ihren Pferden vorbei. Immer wieder stehen Wanderer vor der Info-Tafel auf dem Parkplatz und orientieren sich. Pfarrer Sebastian Hesselmann nimmt in seiner Predigt Bezug auf die Hamsterkäufe der ersten Corona-Wochen und spricht davon, dass sich für eine Weile so was wie eine große Gemeinschaft im Land gebildet hatte. „Gerade wir Christen dürfen, sollen etwas ausstrahlen, an dem die Welt unseren Glauben wahrnehmen kann“, so Hesselmann, „was wir ausstrahlen in die Welt, das weist auf Gott hin.“

Kollekte auf Abstand – auch das geht. Die Sammlerinnen halten den Kollektenbeutel am Stiel durch die offenen Autofenster. Mit der Instrumentalversion von „What a wonderful world“ werden die Gottesdienstbesucherinnen und -besucher in den Sonntag entlassen. Sie danken mit einem begeisterten Applaus in den Autos und einem lauten Hupkonzert. „Danke schön, das hat gut getan!“, ruft eine Frau.

Dieser Artikel wurde automatisch von einer Website der regionalen Öffentlichkeitsarbeit der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau übernommen. Verantwortlich im Sinne des Presserechts ist der Autor/die Autorin dieses Artikels.

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