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Deutschland und der Fußballgott

Karsten FinkFußball als Religion

Die deutsche Nationalmannschaft muss Weltmeister werden. Sie hat schließlich den Fußballgott auf ihrer Seite, oder? Wenn bekannte Fußballreporter kommentieren, entsteht leicht dieser Eindruck. Für Béla Réthy, Reinhold Beckmann, Marcel Reif und Co treten nicht immer nur die Spieler gegen den Ball.

Reinhold Beckmann (ARD) beim Spiel Deutschland gegen Argentinien zur WM 2006:

Olga Samuels/SWRReinhold Beckmann, ARD-ModeratorARD-Moderator Reinhold Beckmann

Der Argentinier Esteban Cambiasso sieht müde aus, als er sich mit schleppenden Schritten dem Elfmeterpunkt nähert. Die Fans im Berliner Olympiastadion pfeifen ihn aus. Im Tor steht sein Gegner, lässig kaugummikauend wie immer – Jens Lehmann breitet seine Arme aus, hüpft breitbeinig auf der Linie. Für Kommentator Reinhold Beckmann ein Gott im babyblauen Trikot: „Wenn Cambiasso jetzt nicht trifft, ist Deutschland im Halbfinale. Lehmann komm! Jaaa, du hast ihn! Deutschland steht im Halbfinale. Und Lehmann ist der Fußballgott heute!“

Béla Réthy (ZDF) zur WM 2002 beim Spiel Brasilien gegen Deutschland:

Rico Rossival/ZDFZDF-Moderator Béla RéthyZDF-Moderator Béla Réthy

Im Finale der Weltmeisterschaft in Japan und Südkorea flitzt ein brasilianischer Kugelblitz mit Zahnlücke im Minutentakt auf das Tor von Oliver Kahn zu. Stürmer Ronaldo schießt alleine drei Mal gefährlich auf das Tor der Deutschen, bis der Halbzeitpfiff ertönt. Für Kommentator Réthy ein religiöser Moment: „Ronaldo, Weltklasse Kahn. Und dieser Schlusspfiff ist wie eine Erlösung, Sekunden nach seiner Parade.“

Heribert Faßbender (ARD) während des Spiels Deutschland gegen Saudi-Arabien zur WM 2002:

Görgen/WDRSportmoderator Heribert FaßbenderSportmoderator Heribert Faßbender

Im ersten Spiel der deutschen Mannschaft bei der Weltmeisterschaft in Japan und Südkorea gewinnt das Team von Bundestrainer Rudi Völler mit 8 zu 0 gegen Saudi-Arabien. Die Saudis machen viele Geschenke, laden die deutschen Stürmer  Miroslav Klose und Oliver Bierhoff zum Tore schießen ein. ARD-Kommentator Heribert Faßbender beobachtet das Torfestival mit religiöser Verzückung: „Ah, klasse! Ein Tor von Oliver Bierhoff. Da bekreuzigt er sich zweimal, bedankt sich für dieses Geschenk.“

Marcel Reif (SKY) kommentiert Deutschland gegen Kamerun bei der WM 2002:

Firo/SkySky-Chefkommentator Marcel ReifSky-Chefkommentator Marcel Reif

Nach dem 8 zu 0 Sieg gegen Saudi Arabien kann die Deutsche Nationalmannschaft den Einzug ins Achtelfinale gegen Kamerun frühzeitig klarmachen. Das gelingt durch Tore von Miroslav Klose und Marco Bode. Letzterer trifft als Stürmer nicht so häufig, fällt jedoch beim Fußballgott nicht in Ungnade, weiß Kommentator Marcel Reif zu berichten: „Marco Bode, wirklich kein Torjäger vor dem Herrn, macht hier vielleicht das wichtigste Tor.“

Beim Spiel Deutschland gegen Ecuador während der WM 2006 kommentiert Reinhold Beckmann (ARD):

Olga Samuels/SWRReinhold Beckmann, ARD-ModeratorReinhold Beckmann

Vor dem Vorrundenspiel gegen Ecuador hat die deutsche Mannschaft bereits das Achtelfinale erreicht, dennoch schießen Miroslav Klose und Lukas Podolski drei Tore. Deutschland spielt Hurra-Fußball, kontert schnell, lupft Bälle gekonnt in den Strafraum von Ecuador. Kommentator Reinhold Beckmann macht in Podolski, der später zum besten Nachwuchsspieler der WM gewählt wird, einen Fußballgott aus: „Und jetzt geht die Post ab, Konter über Schneider, Podolski, ein super Tor! Das ist göttlich, das ist wunderbar!“

Johannes B. Kerner (ZDF) kommentiert beim Spiel Deutschland gegen Mexiko zur WM 1998:

Marcus Höhn/ZDFZDF-Moderator Johannes B. KernerZDF-Moderator Johannes B. Kerner

Deutschland liegt im Achtelfinale der WM in Frankreich mit 0 zu 1 zurück, als Michael Tarnat den Mexikanern erneut den Ball schenkt und diese auf das deutsche Tor zustürmen. Deutschlands Torwart Andi Köpke lenkt einen harten Schuss an den Pfosten. Den Nachschuss schießt der mexikanische Stürmer Hernandez, vor dem leeren Tor, Köpke direkt in die Arme. ZDF-Kommentator Johannes B. Kerner kann es nicht fassen, dass dieser Angriff nicht das WM-Aus für Deutschland war: „Da hat uns möglicherweise irgendjemand geholfen, der gar nicht auf dem Platz war.“

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Glück ist Verbundenheit,
also eben nicht die unverbundene Selbststeigerung,
die alles andere benutzt zur eigenen Optimierung.

(Fulbert Steffensky)

Johannes 1,16

Bild: Mit freundlicher Genehmigung von Quelle: gettyimages, rusm

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