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Kabarett

Pfarrerkabarett mit schnellen Witzen und Hirnschmalz auf Tour

Bild: Barbara ScholzeHans-Joachim Greifenstein und Clajo HerrmannDie beiden Pfarrer-Kabarettisten Hans-Joachim Greifenstein (links) und Clajo Herrmann

Mit ihrem neuen Programm „Kuh ohne Deuter“ beweisen die beiden Pfarrer, Hans-Joachim Greifenstein und Clajo Herrmann, dass sie in 22 Jahren nichts an Witz und Spielfreude eingebüßt haben. Die Journalistin Barbara Scholze hat sich bei der Vorpremiere in Seligenstadt einen Eindruck verschafft.

[Evangelische Sonntags-Zeitung | Barbara Scholze] Seit dem 4. April 2019 ist das „Erste Allgemeine Babenäuser Pfarrer(!)-Kabarett“ wieder im südlichen Hessen und Aschaffenburg unterwegs. Dabei stellen Hans-Joachim Greifenstein und Clajo Herrmann in ihrem neuen Programm neutral fest: Die Entwicklung der Kirche sei immerhin eine „fortlaufende“. Wer das beruhigend findet, lehnt sich aber nicht lange zurück. „Die Leute laufen fort, als ob sie Kilometergeld kriegen«, lautet die unmittelbare Folgerung. Und schon sind die beiden Pfarrer-Kabarettisten oder Kabarettisten-Pfarrer Clajo Herrmann und Hans-Joachim Greifenstein mittendrin in einem ihrer Lieblingsthemen: Wie steht es um die Kirche?

Schnelle Gags und hintergründiger Humor

Einer Tradition entsprechend, sind Herrmann und Greifenstein zur Vorpremiere, Mitte März zu einer Art Generalprobe ihres neuen Stückes ins »Café K« nach Seligenstadt gekommen. Das Programm „Kuh ohne Deuter“ kommt einmal mehr als wahre Wundertüte daher. Neben Kalauern, die spontanes Gelächter und Vergnüglichkeit nach sich ziehen, stehen Gags, die Zeit zum Wirken brauchen. Genau das ist gewollt: Hirnschmalz nicht nur als erlaubter Begleiter, sondern als erwünschter. Mit dem Effekt: Schon nach wenigen Momenten heimsen die beiden Kabarettisten den ersten Applaus ein.

Der eine im Pfarrdienst, der andere außerhalb

Seit 22 Jahren sind die beiden Pfarrer gemeinsam in Sachen „Jokes mit Sinn“ im Einsatz. Greifenstein schreibt die Dialoge, die jeweiligen Soloparts des Programms entwirft jeder Künstler für sich selbst. Während Hans-Joachim Greifenstein noch im aktiven Pfarrdienst ist, ist der Frankfurter Clajo Herrmann ausgeschieden und auch außerhalb des Pfarrer-Kabaretts mit Solostücken unterwegs. Darüber hinaus spielt er als Teil der „Hessischen Dreidabbischkeit“ gemeinsam mit Stefani Kunkel und Rainer Weisbecker. Immer nach einer eisernen Regel: Als Solist kein Kirchenkabarett.

Rückgriff auf biblischen Traum

»Kuh ohne Deuter« ist die Nummer 13 in der gemeinsamen Bühnenlaufbahn. Clajo Herrmann und Hans-Joachim Greifenstein sind fleißig, erst wenige Tage zuvor haben sie das Vorgänger-Programm mit dem Titel „Judas hätte sich erhängt“ beendet. Nun also die Kuh. Mit Überlegungen zu den sieben fetten und den sieben mageren Jahren, mit Geschichten zu Mose und Josef, dem zweitjüngsten Sohn des Jakob. Und immer wieder dem Blick auf die aktuelle Situation der Kirche. Was den Schwund an Mitgliedern angehe, so stehe sie nicht alleine da. Der Politik gehe es sogar noch schlechter, „schaut euch doch mal die Wahlbeteiligung an“. Und auch die Vereine seien gebeutelt: „Beim Roten Kreuz bluten sie regelrecht aus.“ 

Spruchbeutel, Lügenbeutel und Dummbeutel

Den größten Raum im rund zweistündigen Programm mit der Mischung aus Religionsgeschichte und Gesellschaftskritik nehmen wie immer die Solo-Auftritte der beiden Kabarettisten ein. Dabei präsentieren sich die Charaktere unverkennbar. Während Greifenstein den leicht cholerischen Schnell-Babbler gibt, räsoniert sich Herrmann gelassen von Thema zu Thema. „Wir können die Menschen in drei Kategorien einteilen“, stellt Greifenstein fest: „Spruchbeutel, Lügenbeutel und Dummbeutel“. Die beiden letzten repräsentierten Politik und Bürger, die Spruchbeutel seien etwa in der Werbung zu finden. „Früher war es wichtig, dass ein Shampoo die Haare sauber wäscht, heute empfiehlt es mir, frei, verrückt und glücklich zu sein.“ Was wohl als nächstes komme, sinniert der Kabarettist. „Wahrscheinlich ein Spruch zum Klopapier: Du hast so viel im Leben, lass los.“ 

Nachdenklich beim Thema „Digitalisierung“

Ähnlich wie Greifenstein – „jung sterben ist bei mir nicht mehr drin“ – kann auch Herrmann den Verweis auf die angesammelten Jahre nicht lassen und spricht von „altersmilde“. Eine solche merkt man ihm ob seiner scharfen Schlüsse jedoch nicht an. Er hakt die Themen „Demenz“, „späte Väter“ und auf fast schon böse Weise „Inzucht“ ab, dann geht es zu den Katholiken. „Zellteilung funktioniert auch in Klöstern gut“, stellt er in seiner lakonischen Art fest und spricht von einem „Kardinalfehler“. Da erst fällt der Groschen: Lachen und Beifall. 

Es geht weiter mit der Bibel und dem Wunsch nach mehr Josefs. In seinem letzten Solo-Beitrag, der den Schluss des Programms bildet, sinniert Clajo Herrmann fast schon zu ernst für eine Kabarett-Darbietung über Mensch und Technik, über Maschinen mit Gefühl, Tiefkühlboxen mit Migräne und Navigationssysteme als Ansprechpartner. „Ist das unsere Zukunft?“, fragt er in seine jetzt still gewordene Zuhörer-Gemeinde. 

Robuste Komplimente für das Publikum

Doch ausgestattet mit einem unbezwingbaren Optimismus bietet er als Schlusswort ein Zitat von Woody Allen: „Ich bin klein und hässlich genug, um mich durchs Leben zu schlagen.“ Das sei schließlich eine gute Einstellung, gibt der Kabarettist seinen „Schäfchen“ mit auf den Nachhauseweg. 

Termine des Babenhäuser Pfarrer-Kabaretts

(Barbara Scholze, Evangelische Sonntags-Zeitung, Red.)

Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft / noch seine Güte von mir wendet.

Psalm 66, 20

Bild: Mit freundlicher Genehmigung von gettyimages_pobytov

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