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Interreligiöse Israelreise

Anschlag auf Jerusalemer Synagoge: Finanzierung von Friedensprojekten gefordert

istockphoto/oleg_bTempelbergEiner der umstrittensten heiligen Orte der Welt: der Tempelberg in der Jerusalemer Altstadt. Ursprünglich hatten hier Juden zunächst den Salomonischen Tempel und den nachfolgende Herodianische Tempel errichtet. Heute stehen dort der Felsendom und die al-Aqṣā-Moschee.

Fünf Menschen haben durch den Anschlag auf eine Synagoge in Jerusalem ihr Leben verloren. Als eine neue Dimension der Gewalt im israelisch-palästinensischen Konflikt erlebten das die jüdischen, muslimischen und christlichen Teilnehmer einer Israelreise mit Pfarrerin Anja Harzke aus Offenbach. Doch es gab auch Momente der Hoffnung.

privatPortraitPfarrerin Anja Harzke engagiert sich für gesellschaftliche Integration in verschiedenen Bereichen: Als Projektleiterin des Patenschaftsmodells in Offenbach bringt sie Hauptschüler mit beruflich erfolgreichen Ehrenamtlichen zusammen - als Beauftragte für Interreligiösen Dialog fördert sie das Verständnis zwischen Angehörigen unterschiedlicher Religionen

Plötzlich Blaulicht und das Geräusch von Sirenen in Jerusalem. EKHN-Pfarrerin Anja Harzke war gerade mit einer Gruppe von Juden, Muslimen und Christen aus Hessen in Jerusalem, als am Morgen des 18. Novembers 2014 zwei Palästinenser den Anschlag verübten. Fünf Menschen habe ihr Leben verloren. „Unsere jüdischen Teilnehmer waren zunächst sprachlos. Doch dann machten sie deutlich: Menschen wurden beim Beten in einer Synagoge ermordet. Das hat eine neue Dimension“, berichtet  Anja Harkzke, die sich im Dekanat Offenbach als Beauftragte für Interreligiösen Dialog engagiert. Tatsächlich hatte es in dem Jahrzehnte dauernden Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern bis zu diesem Tag noch keinen Terroranschlag auf eine Synagoge in Israel gegeben. Die Pfarrerin berichtet: „Alle Teilnehmer unserer Gruppe waren tief betroffen, auch die Muslime sagten, wie furchtbar dieser Anschlag sei.“

Die Anspannung wächst

„Bereits in den Tagen zuvor war in Jerusalem eine bedrohliche Spannung spürbar“, erinnert sich die Pfarrerin. Die Gruppe mit jüdischen, muslimischen und christlichen Teilnehmern hatte zuvor auch den Tempelberg in Jerusalem besucht. „Als wir zum Tempelberg kamen, sahen wir muslimische Gruppen, viele Gläubige lasen im Koran. Doch plötzlich ertönten `Allahu akbar´- Rufe aus verschiedenen Richtungen, manche Menschen haben sich zusammengeschlossen. Diese Situation hatte etwas Bedrückendes und Bedrohliches.“ Zwischen den Teilnehmer der Reisegruppe kam es zu intensiven Diskussionen. Doch sie teilten die Erkenntnis, dass es Scharfmacher auf beiden Seiten gebe, durch die der Konflikt angeheizt werde.

Religion gerät verstärkt in den Focus

„Die Konflikte beziehen sich jetzt auf Jerusalem und die Religion kommt zunehmend in den Mittelpunkt“, so schätzt die Offenbacher Pfarrerin Harzke die Situation ein. Sie stellt klar: „Auf beiden Seiten benutzen extreme Gruppierungen die Religion für ihre Interessen.“

Jüdische Geistliche und palästinensischer Pädagoge geben Hoffnungszeichen 

Doch von ihrer Reise bringt die Pfarrerin auch Hoffnungszeichen mit. Anja Harzke erinnert sich an zwei Begegnungen: „Der palästinensische Pädagogik-Professor Sami Adwan hat uns sein Schulbuchprojekt vorgestellt, bei dem die persönlichen Erfahrungen von israelischen und palästinensischen Zeitzeugen nebeneinander gestellt werden. Ein hervorragender Impuls, um miteinander ins Gespräch zu kommen und die Perspektive des anderen zu verstehen.“ Der Pädagoge, der an der Bethlehem University lehrt und sich seit 30 Jahren für das Schulbuch-Projekt einsetzt, habe auch die jüdischen Reiseteilnehmer beeindruckt. 

Zudem haben sie auch Vertreter der Gruppe „Rabbiner für Menschenrechte“ kennen gelernt. Dort sei die Bandbreite unterschiedlicher religiöser Richtungen im Judentum vertreten. Die Rabbiner vertreten die Auffassung, dass das Militär die Israelis schützen müsse, aber eben auch die Palästinenser. Denn aus ihrer Sicht gelten Menschenrechte für alle. Die Rabbiner begleiten palästinensische Landwirte bei der Olivenernte um öffentlich zu machen, falls sie bedroht werden.

Friedens-Projekte brauchen finanzielle Unterstützung

Die Erkenntnis, die sich durch die ganze Gruppe zog, war: „Diese beiden Begegnungen haben uns gezeigt: Da muss man dran bleiben – und diese Friedens-Projekte verdienen Unterstützung!“ Es seien die kleinen Projekte, die Zuversicht ausdrückten. Allerdings sei deutlich geworden, dass Engagierte für den Frieden für die offizielle Anerkennung ihrer Projekte und mit mangelnden finanziellen Mitteln zu kämpfen haben. Anja Harkze wünscht sich: „Die EU und UNO sollen vielversprechenden Projekte für den Frieden finanziell intensiv unterstützen!“

Gib uns Vertrauen, Gott, in diesen Zeiten.
Gelassenheit, Besonnenheit und Mut.
Und gib uns Freundlichkeit. Die soll sich ausbreiten.
In unseren Herzen und in unserem Land und überhaupt.

(Doris Joachim)

Doris Joachim

Bild: Mit freundlicher Genehmigung von gettyimages_stockam

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