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Thierse im Landtag

"Hier muss sich die Demokratie wehren"

Roger TöpelmannBundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse am RednerpultBundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse

Mit einer Feier im Hessischen Landtag ist am 10. März in Wiesbaden die Woche der Brüderlichkeit 2013 unter dem Motto "Sachor (Gedenke): Der Zukunft ein Gedächtnis" eröffnet worden.

Roger TöpelmannWolfgang Thierse, GCJZ- Vorsitzende Mechthild Kratz, Vorstand
der Jüdischen Gemeinde Dr. Jacob GutmarkWolfgang Thierse, GCJZ- Vorsitzende Mechthild Kratz, Vorstand
der Jüdischen Gemeinde Dr. Jacob Gutmark

Wiesbaden.  Mit einer Feier im Hessischen Landtag ist am 10. März in Wiesbaden die Woche der Brüderlichkeit 2013 unter dem Motto "Sachor (Gedenke): Der Zukunft ein Gedächtnis" eröffnet worden. In seinem Festvortrag "Erinnern um der Demokratie willen" sagte der Vizepräsident des Deutschen Bundestages, Dr. h.c. Wolfgang Thierse, er empfinde es als geradezu obszön, wenn die Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) allein im Jahr 2012 1,4 Millionen Euro vom Staat erhalten habe. "Hier muss sich die Demokratie wehren", sagte er zum Verbot der rechtsextremen Partei  und bekräftigte, dass er dafür eintrete. In seiner Rede war Thierse von der These ausgegangen, dass historische Aufklärung über Antisemitismus und die Gräuel des Nationalsozialismus kein Selbstzweck sei. Vielmehr sei eine demokratische Geschichtspolitik wichtig, um das Erinnern wach zu halten. 

"Erinnern und Gedenken sind kein Selbstzweck, sondern sie dienen unserer Vergewisserung", sagte Thierse wörtlich. Als einen fatalen Irrtum bezeichnete er es, dass viele Bürger meinten, zur Erhaltung der Demokratie müsse man nichts tun. Dabei sei die existierende Staatsform gerade auf die Unterstützung der Bürger angewiesen. Unzufriedenheit und Demokratievergessenheit dürften sich in Deutschland mit seinen gemachten historischen Erfahrungen nicht weiter ausbreiten. "Auch durch Konsumentenhaltung kann Demokratie zerstört werden", kritisierte der Redner mangelnde Beteiligung an Entscheidungsprozessen des Gemeinwesens.

Der Vizepräsident des deutschen Parlaments hob weiter Beschlüsse des Deutschen Bundestags hervor, die eine Erinnerungskultur entscheidend vorangebracht haben: Der Bau des Holocaustdenkmals in Berlin, das 1999 beschlossene nationale Gedenkstättenkonzept sowie der 2007 entschiedene Bau eines Freiheits- und Einheitsdenkmals in der Hauptstadt. Das Land brauche Erinnerung an seine freiheitliche Geschichte.

In Grußworten hatten zuvor Landtagspräsident Norbert Kartmann, der Oberbürgermeister der Landehauptstadt Dr. Helmut Müller, der Vorstand des Jüdischen Gemeinde Dr. Jacob Gutmark und der Katholische Stadtdekan Wolfgang Rösch die Bedeutung des Erinnerns betont. Die katholische Kirche sei auf das Erinnern in der Eucharistie, das es seit 200 Jahren gebe, stolz. Zur Erinnerung gehörten aber aktuell auch die Fälle sexuellen Missbrauchs, die  in seiner Kirche Scham ausgelöst hätten und die Erkenntnis, der Mensch sei immer zugleich Täter.

Dr. Gutmark erinnerte an die ausgeprägte religiöse Erinnerungskultur des Judentums, von dem das Bewusstsein eines jeden Juden tief geprägt sei. Der heutige Tag diene der täglichen Bewusstseinsprüfung und der Erinnerung an unsere Werte, sagte er abschließend mit einem "Shalom".

Die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Wiesbaden (GCJZ) mit der Vorsitzenden Mechthild Kratz wird bis zum 21. März mit einem Vortrag des Wissenschaftlers Shaul Friberg (Heidelberg) am 13.3., einem Besuch des jüdischen Gottesdienstes mit  Rabbiner Avraham Nussbaum (15.3.)  und mit einem musikalisch-literarischen Kabarett mit Roswitha Dasch und Ulrich Raue (17.3.)  im Rathaus Wiesbaden das Erinnern fortsetzen.

Weitere Information: www.gcjz-wiesbaden.de

Gib uns Vertrauen, Gott, in diesen Zeiten.
Gelassenheit, Besonnenheit und Mut.
Und gib uns Freundlichkeit. Die soll sich ausbreiten.
In unseren Herzen und in unserem Land und überhaupt.

(Doris Joachim)

Doris Joachim

Bild: Mit freundlicher Genehmigung von gettyimages_stockam

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