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Wiesbadener Dekan Martin Mencke verweist auf den eindeutigen Grundartikel der EKHN

Kirche an der Seite Israels

Roger TöpelmannPortraitWiesbadener Dekan Dr. Martin Mencke

Nach den antijüdischen Parolen bei einer Demonstration in Wiesbaden und nach einem Angriff auf eine Jüdin in Frankfurt erinnert der Wiesbadener Dekan Dr. Martin Mencke daran, dass die EKHN erst 1991 „die bleibende Erwählung der Juden“ in ihren Grundartikel aufgenommen hat.

Damit versicherte die Kirche in nicht zu überbietender Weise, fest an der Seite der Juden zu stehen und das zu bezeugen. Kirchlich war jüngst von einer doppelten Solidarität – an der Seite von Israel und Palästina die Rede. Mencke legt dar, dass es weh tun kann, kritisch an der Seite Israels zu stehen. Aber, dass die Kirche an der israelischen Seite zu stehen hat, daran lässt er keinen Zweifel.

Hier der Wortlaut:

„… die bleibende Erwählung der Juden und Gottes Bund mit ihnen …bezeugen“

Was eigentlich ist Antisemitismus? In den Zeitungen finden sich in den vergangenen Tagen Berichte über eine Demonstration auf dem Wiesbadener Mauritiusplatz. „Kindermörder Israel“ sei der meist skandierte Ruf der Demonstranten gewesen, ist zu lesen. Antisemitisch? Die Ordnungskräfte waren angewiesen, die Versammlung bei antisemitischen Parolen umgehend aufzulösen. Sie wurde nicht aufgelöst, die Versammlung. Gleichwohl: „Kindermörder Israel“? Für mich: antisemitisch!

Ja, es geht um einen Krieg. Einen asymmetrischen. Abendlich konnten, mussten wir es erleben, wie uns angeblich neutrale TV-Medien schreiende, verletzte Kinder, atemlose Frauen und ratlose Männer im Gazastreifen ins Wohnzimmer katapultiert wurden. Opfer. Wo sind die Täter? Natürlich auf der anderen Seite, in Israel. Militärisch völlig überlegen. Taktisch unklug. In Deutschland medial total gescheitert. Denn wer würde nicht Mitleid haben mit schockierten, verletzten, getöteten Kindern?

Gleichwohl wird Israel dadurch nicht zum „Kindermörder“. Wir hatten die Debatte, mehr oder weniger ist sie noch in Erinnerung, ob Soldaten „Mörder“ sind. Israel führt Krieg gegen Terroristen. Menschen sterben. Dadurch wird aber dieser Staat, dieses Land nicht zum „Mörder“. Die Übertragung des Begriffs aus dem Individualstrafrecht auf einen Staat sorgt dafür, dass die Parole antisemitisch wird, weil er auf die Gesamtheit der Menschen übertragen wird. Und erinnert zugleich fatal an dunkle christliche Vorwürfe im Mittelalter den Juden gegenüber.

Es tut weh, in diesen Tagen an der Seite Israels zu stehen. Denn auch wenn für uns Ferne eine Bewertung schwerfällt, sehen wir die Opfer des Konflikts auf beiden Seiten mit Schmerzen.

Aber gerade wenn es schwer fällt, an der Seite Israels zu stehen, wird scharf, was die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau seit 1991 in ihrem Grundartikel neu bekennt. Dass es zum christlichen Glauben gehört, die bleibende Erwählung der Juden und Gottes Bund mit ihnen zu bezeugen.

Es gehört nun zum Selbstverständnis des erwählten Volkes mit dazu, dass es nicht nur eine Glaubensgemeinschaft ist, nicht nur eine geistige, eine spirituelle Größe, nicht nur „Gemeinde“, sondern eben auch ein Volk, eine Gemeinschaft, die auch (endlich wieder!) einen Staat bildet. Und zu diesem Staat gehört es dann auch, die Sicherheit der eigenen Bevölkerung zu garantieren. Deshalb ist Israel kein beliebiger Staat. Sondern der Staat, der dem jüdischen Volk Heimat gibt. Deshalb sind wir ihm in einmaliger Nähe kritisch verbunden.

So gehört es für uns Christen mit zu unserem Christsein dazu, die Erwählung der Juden auch mit diesem Staat Israel zusammen zu denken. Mit einem Staat, der in seinem Handeln auch kritisch zu begleiten ist. Es gehört auch mit dazu, solchen Parolen und auch den anderen zunehmenden Anfeindungen gegen Juden hier bei uns, entschieden und mit Herz und Hand entgegen zu treten. Denn unser Platz, der Platz der Christen als den in den Stamm der Verheißung „eingepfropften Reben“ (Römerbrief Kp. 11) kann nicht hier und dort sein - sondern nur an der Seite Israels.

Dr. Martin Mencke, Dekan

Zur Information: Der Grundartikel ist der Kirchenordnung der EKHN vorangestellt und stellt ein bekennendes Zeugnis der Kirche dar. Hier der volle Wortlaut. Die letzten beiden Sätze wurden 1991 hinzugefügt:

Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau steht in der Einheit der einen heiligen allgemeinen und apostolischen Kirche Jesu Christi, die überall dort ist, wo das Wort Gottes lauter verkündigt wird und die Sakramente recht verwaltet werden.

Sie bezeugt ihren Glauben gemeinsam mit der alten Kirche durch die altkirchlichen Bekenntnisse und gemeinsam mit ihren Vätern durch die Augsburgische Konfession, unbeschadet der in den einzelnen Gemeinden geltenden lutherischen, reformierten und unierten Bekenntnisschriften. Damit ist sie einig in der Bindung an die den Vätern der Reformation geschenkte und sie miteinander verbindende Erkenntnis, dass allein Jesus Christus unser Heil ist, uns offenbart allein in der Heiligen Schrift Alten und Neuen Testamentes, geschenkt allein aus Gnaden, empfangen allein im Glauben.

Als Kirche Jesu Christi hat sie ihr Bekenntnis jederzeit in gehorsamer Prüfung an der Heiligen Schrift und im Hören auf die Schwestern und Brüder neu zu bezeugen.

In diesem Sinne bekennt sie sich zu der Theologischen Erklärung von Barmen.

Aus Blindheit und Schuld zur Umkehr gerufen, bezeugt sie neu die bleibende Erwählung der Juden und Gottes Bund mit ihnen. Das Bekenntnis zu Jesus Christus schließt dieses Zeugnis ein.

Du wirst Gottes Kraft in der Schwachheit erfahren,
nicht vorher, nicht daran vorbei.
In der eigenen Schwachheit, in den Dingen,
um die ich einen großen Bogen mache,
meine Tabus, meine wunden Punkte.
Aber es tut nicht nur weh, es tut auch gut,
am wunden Punkt berührt und geheilt zu werden.
Und es führt kein Weg daran vorbei,
wenn es richtig gut werden soll.

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