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Jahrestag HIroshima

Kriegspiel zur Abschreckung

Hans Genthe / ekhnSimulation eines Atombombenabwurfs auf Frankfurt mit der Nukemap-SoftwareSimulation eines Atombombenabwurfs auf Frankfurt mit der Nukemap-Software

Zunächst erscheint ein greller, anhaltender Blitz und erst nach Sekunden folgt eine Druckwelle, die noch in Worms oder Michelstadt Scheiben zerspringen ließe. So sieht die Simulation eines Atombombenabwurfs über Frankfurt aus. 1,5 Millionen Menschen wären sofort tot, 1,4 Millionen verletzt. Wir haben Friedenspfarrerin Sabine Müller-Langsdorf gefragt, ob die Simulationssoftware Nukemap dem Frieden dient.

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Simulation eines Atombombenabwurfs auf London - Strahlung bis nach Frankfurt - mit der Nukemap-Software Das Friedensdenkmal in Hiroshima, eines der wenigen Gebäude, die nach dem Atombombenangriff stehen geblieben sind. Kaum eine Gebäude blieb stehen beim Atombombenangriff auf Hiroshima

Im Februar 2012 hat der Wissenschaftshistoriker Alex Wellerstein die Software Nuekmap vorgestellt. Noch im selben Jahr haben mehr als drei Millionen Menschen rund 30 Millionen virtuelle nukleare Gefechtsköpfe explodieren lassen. Nukemap ist eine Datenbankanwendung mit den Daten aller wichtigen Atomwaffen der Welt sowie Daten zu Nuklearwaffeneffekten. So zeigt die Software auf Google Maps die Zerstörungen an und berechnet die zu erwartende Zahl von Toten und Verletzten.  „Es muss unter die Haut gehen,“ sagt Friedenspfarrerin Sabine Müller-Langsdorf vom Zentrum Ökumene der EKHN. Nukemap sei gut, „um nah um das Thema ranzukommen“.

Historiker Wellerstein über sein Abreckungsspiel

Wellerstein, der sich am Stevens Institute of Technology in New Jersey als Historiker mit den Folgen der Nuklerwaffen beschäftigt, wollte über Atomwaffen aufklären.  „Manche Leute denken, dass sie alles auf der Welt zerstören, einige Leute denken, dass sie sich nicht sehr von herkömmlichen Bomben unterscheiden. Die Realität liegt irgendwo dazwischen,“ schreibt Wellerstein auf seiner Website.  

„Indem ich Leuten erlaube, willkürlich ausgewählte geografische Orte zu benutzen, hoffe ich, dass die Menschen verstehen werden, was eine Atombombe an Orten tun würde, mit denen sie vertraut sind.“ Wellerstein soll die Wirkung seiner Software mit „Magenkrämpfen“ vergleichen haben. Es wird aber auch erzählt, sie sei für ihn der „größte Spaß, den ich seit Google Maps seit ... nun, vielleicht sogar je" erlebt habe. Damit beschreibt der Historiker, was viele erleben, die über ihrer Heimatstadt eine Atombombe detonieren lassen, ein Spiel, dass plötzlich ganz ernst wird.

Stärkte Atombombe über Frankfurt gezündet

Würde die stärkste Atombombe mit 100 Megatonnen Sprengkraft über Frankfurt gezündet, gäbe es die EKHN nicht mehr. In einem Durchmesser von 14 km würde die Hälfte der Menschen allein an der Strahlendosis von 500 rem steben. Im 15-16 km Umkreis hätte der nukleare Feuerball seine stärkste Wirkung. Noch 10 km vom Explosionsort der Bombe würde ein Sturm mit 800 km pro Stunde auch schwere Betongebäude  umwerfen und alle Menschen sofort töten. Noch 50 km vom Zentrum entfernt, etwa in Worms oder Michelstadt, erlitten die Menschen tiefe Verbrennungen, die die Schmerznerven zerstören und schwere Narben oder Behinderungen verursachen und eine Amputation erforderlich machen. Die Radioaktive Strahlung würde je nach Windrichtung bis nach Helsinki reichen. 

Friedenspfarrerin „Es muss unter die Haut gehen“

„Diese Zahlen sprechen für sich“, meint Friedenspfarrerin Sabine Müller-Langsdorf.  „Atomwaffen gehören geächtet, wie B- und C-Waffen. Außerdem passe diese Beschäftigung mit Atomwaffen jetzt gut zum Thema Atomwaffensperrvertrag. In der Zeit des Kalten Krieges und des „Gleichgewicht des Schreckens“ habe noch die Meinung vorgeherrscht, die Gefahr eines Nuklearkriegs sei durch gegenseitige rationale Risikoabwägung begrenzt. Anders heute, wo es unberechenbare Machthaber wie Donald Trump oder Kim Jon-un gäbe. Auch hätten Atomkatastrophen wie die in Tschernobyl und Japan das hohe Risiko der Atomtechnologie gezeigt. 

Atomwaffenverbotsvertrag wird bald ratifiziert

Weil der Atomwaffensperrvertrag immer wieder unterhöhlt worden sein, empfiehlt die Friedenspfarrerin jetzt den Atomwaffenverbotsvertrag. Die International Campaign to Abolish Nuclear weapons (ICAN) setzt sich seit etwa zehn Jahren für ein absolutes Verbot von Atomwaffen ein. Dafür wurde das weltweite Bündnis 2017 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Seit 2017 haben 122 Staaten dieses Dokument unterschrieben. Wenn 50 Staaten den Atomwaffenverbotsvertrag ratifiziert haben, tritt der Atomwaffenverbotsvertrag automatisch in Kraft. 

Müller-Langsdorf verweist darauf, dass bis heute auf dem Fliegerhorst Büchel in der Eifel Atomwaffen lagern.  Erst für den 4. August 2018 hatte das Zentrum Ökumene  zusammen mit anderen Kirchengruppen zur Anti-Atomwaffen-Demonstration in Büchel aufgerufen. 

Erste Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki 1945

Hiroshima war die erste Stadt, die am 6. August 1945 von einer Atombombe zerstört wurde. Um 8:16 Uhr und zwei Sekunden explodierte die Atombombe in etwa 600 Metern Höhe über der Innenstadt. Innerhalb einer Sekunde hatte die Detonationswelle 80 Prozent der Innenstadt komplett zerstört und ihre thermische Strahlung bis in zehn Kilometern Entfernung Feuer entzündet. Am 8. August folgte Nagasaki. Damit beendeten die Amerikaner den Krieg mit Japan. 

Die Atombombenexplosionen töteten insgesamt ca. 100.000 Menschen sofort. An Folgeschäden starben bis Ende 1945 weitere 130.000 Menschen. General Dwight D. Eisenhower hatte Truman vom Atombombeneinsatz abgeraten, weil die Japaner schon Kapitulationsbereitschaft signalisiert hätten und die Vereinigten Staaten solche Waffen nicht als erste einsetzen sollten. Doch Truman schrieb in sein Tagebuch: „Ich glaube, dass die Japsen klein beigeben werden, ehe Russland eingreift.“

Glück ist Verbundenheit,
also eben nicht die unverbundene Selbststeigerung,
die alles andere benutzt zur eigenen Optimierung.

(Fulbert Steffensky)

Johannes 1,16

Bild: Mit freundlicher Genehmigung von Quelle: gettyimages, rusm

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