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Afghanistan

Sorgen um Evakuierte aus Afghanistan

Getty Images /ZeferliDer schnelle Vormarsch der Taliban hat viele Menschen überrascht.

Kirchengemeinden in Frankfurt erreichen seit Tagen Hilferufe von verzweifelten Flüchtlingen aus Afgahnistan. Sie haben hier Schutz gefunden, aber oft sind Familienmitglieder noch in ihrer Heimat. Bislang sind in Frankfurt am Main rund 6.000 Menschen aus Afghanistan angekommen.

Foto: Dagmar Brunk, Werk: SchreiterFlughafenseelsorgeDie Flughafenseelsorge steht den Flüchtlingen zur Seite.

Die evangelische Flughafenpfarrerin Bettina Klünemann hat sich besorgt gezeigt über den Zustand vieler evakuierter Menschen aus Afghanistan, die auf dem Frankfurter Flughafen ankommen. "Die Menschen sind völlig erschöpft von ihrem Kampf ums Überleben", sagte sie. "Ich bin über jeden froh, der die Ankunftshalle im Terminal 2 betritt." Viele der Geretteten seien verletzt, hätten Schnitte am Körper oder geschwollene Gelenke. Sie würden noch im Terminal ärztlich versorgt, einige müssten direkt ins Krankenhaus eingeliefert werden.

Augenmerkt liegt auf den Kindern

Auf dem Frankfurter Flughafen kamen laut Klünemann seit Samstag rund 3.000 Evakuierte aus Afghanistan an. Allein am Dienstag seien 660 Menschen von der usbekischen Hauptstadt Taschkent aus in Maschinen der Uzbekistan Airways und der deutschen Lufthansa nach Frankfurt ausgeflogen worden.

Großes Augenmerk liege auf der Betreuung der vielen Kinder, sagte die Flughafenpfarrerin. "Wir versorgen die Familien mit Windeln, Feuchttüchern und Stramplern und spielen mit den größeren Kindern, die oft Schreckliches erlebt haben." Auch die Erwachsenen seien sehr dankbar für saubere Kleidung, "denn sie steckten oft acht Tage oder mehr in den selben Klamotten." Solange die Evakuierungsflüge andauerten, seien sie und ihr Team acht Stunden am Tag vor Ort, sagte Klünemann.

Viele wurden vom schnellen Vormarsch der Taliban überrascht

Bei den Geretteten handele sich um Ortskräfte und ihre Familien, Beschäftigte von Unternehmen und anderen Organisationen unterschiedlichster Nationalitäten sowie Afghanen, die zu ihren Angehörigen nach Deutschland ausreisen durften, erklärte sie. Viele seien bei einem Familienbesuch von dem schnellen Vormarsch der Taliban überrascht worden.

Hilferufe, weil Angehörige noch in Afghanistan weilen 

Anja Harzke, Pfarrerin der Dornbuschgemeinde, ist stellvertretende Vorsitzende von MAqom – Kirche und Zuflucht e.V., sie berichtet: „Als freiwillig Engagierte in Kirchengemeinden erreichen uns seit Tagen, ja seit Wochen, Hilferufe von verzweifelten aus Afghanistan stammenden Menschen, die hier Schutz gefunden haben, deren Familien aber noch in Afghanistan sind. Nun für schnelle unbürokratische Rettung zu sorgen, hat oberste Priorität.“

Immer wieder gewähren Kirchengemeinden Schutz

Mit Blick auf den Tag des Kirchenasyls, der am Montag, 30. August 2021, bundesweit erstmals begangen wird, äußert Pfarrerin Harzke: „Immer wieder haben Kirchengemeinden in Frankfurt und bundesweit Familien oder Einzelnen aus Afghanistan und anderswo Schutz in Kirchengebäuden gewährt, oft über Monate, weil Ihnen die Abschiebung in Leid und Verfolgung drohte.“ Zuletzt etwa wurde dieser Schutz in Frankfurt im Diakonissenhaus eingeräumt, auch in der Evangelischen Hoffnungsgemeinde, zwischen Westend und Bahnhofsviertel gelegen, fand eine Familie aus Afghanistan Anfang 2021 auf Zeit eine Unterkunft.

Schützling in die Selbständigkeit begleitet

Kirchenasyl ist für Prodekan Holger Kamlah aktuell mit Blick auf die Menschen, die aus Afghanistan kommen, nicht das vorrangigste Thema. „Ich würde hoffen, dass die, die es jetzt überhaupt nach Deutschland schaffen, erstmal hier auch bleiben können.“ Doch die erschütternden Bilder vom Flughafen in Kabul, die treiben ihn um. „Mich beschäftigt die ganze Situation in Afghanistan sehr“. Holger Kamlah, hat vor fünf Jahren für einen damals 16 Jahre alten Geflüchteten aus Afghanistan eine Vormundschaft übernommen. Er hat sich dazu vom Kinderschutzbund schulen lassen, auch in die deutsche Gesetzgebung vertieft. Inzwischen ist sein Schützling über 18 und selbständig, beide haben aber noch engen Kontakt. „Der ist absolut verzweifelt“, berichtet Holger Kamlah, vor allem weil er und seine Familie extrem unter den Taliban gelitten haben und er weiß, welchen Bedrohungen die Menschen in Afghanistan nun schutzlos ausgeliefert sind. „Am Bedrückendsten ist, dass man gerade so wenig tun kann, um den Menschen zu helfen“, sagt Kamlah, Aber gerade deshalb ist es für ihn wichtig, die Situation der Menschen in Afghanistan im Gebet vor Gott zu bringen. 

Verzweifelte Menschen bitten um Hilfe

Dieser Tage steht das Telefon nicht still bei Barbara Lueken, Verfahrensberaterin im Evangelischen Zentrum Am Weißen Stein. Leute, die verzweifelt versuchen, ihre Angehörigen aus Afghanistan rauszubekommen, tauchen aber auch direkt vor ihrer Bürotür auf, senden Mails. Wenn sie diese Nachrichten weiterschicke an die Krisenstelle des Außenministeriums, erhalte sie inzwischen eine standardisierte Rückmeldung in mehreren Sprache, der Posteingang der E-Mailfächer sei aktuell nicht zu bewältigen, heißt es. Die Beraterin hofft dringlich, dass Menschen auch nach diesen Tagen Afghanistan werden verlassen können „und dass Deutschland dann großzügig ist bei den Aufnahmen“. 

Kritik an Abschiebungen wiederholt

Pfarrerin Harzke äußert: „Die inhumane Praxis des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge zeigt sich daran, dass noch vor wenigen Wochen Menschen nach Afghanistan abgeschoben wurden und man Afghanen, die schon länger in Deutschland leben und hier integriert sind, immer wieder mit Abschiebung drohte.“ Das sei trotz aller Warnungen von Fachleuten geschehen, sagt die Theologin und verweist auf die Stellungnahme der Diakonie Hessen und der EKHN vom 19. August 2021 hin: „Nichts ist gut in Afghanistan."

Gebet für die Betroffen der Anschläge am Kabuler Flughafen

Am 28. August 2021 sind bei Anschlägen am Kabuler Flughafen mindestens 85 Menschen getötet worden, darunter waren 13 US-Soldaten. Rund 150 Menschen wurden verletzt. Diese Nachrichten haben Social-Media-Pfarrer Lutz Neuermeier sehr berührt. In den sozialen Medien hat er dieses Gebet veröffentlicht:

Gott,
wir sind schockiert
über die Anschläge in Kabul.

Sei du, Gott,
bei allen Menschen vor Ort
und bei allen,
die geliebte Angehörige und Freunde verloren haben.

Amen 

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Gott stellt unsere Füße auf weiten Raum
und ich glaube, er tut das auch durch die,
die mit uns leben.

(Melanie Beiner zu Psalm 31,9)

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