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Hoffnung Frieden

Welle der Gewalt rollt über Christen in Ägypten

Tharwat KadesAuch im Heimatort des EKHN-Pfarrers Kades wurde die evangelische Kirche zerstört

Niedergebrannte Kirchen, zerstörte Klöster, Tote und verletzte Christen zeugen von der Gewalt radikaler Islamisten in Ägypten. Der EKHN-Pfarrer und gebürtige Ägypter Tharwat Kades ist selbst unmittelbar betroffen.

privatÄgyptenkenner und EKHN-Pfarrer im Ruhestand: Dr. Tharwat Kades

Das Entsetzen ist ihm noch ins Gesicht geschrieben. „Zuerst haben sie alles ausgeraubt und dann meine Wohnung angezündet. Auch die evangelische Kirche und das Gästehaus sind in Flammen aufgegangen“, berichtet Dr. Tharwat Kades. Der evangelische Pfarrer hat eine Wohnung in der Stadt Mallawi in Mittelägypten, die bis vor wenigen Tagen mit allem ausgestattet war, was er zum Leben brauchte. Nun ist sein Eigentum in Rauch aufgegangen.  Der gebürtige Ägypter und EKHN-Pfarrer im Ruhestand besucht noch regelmäßig seine alte Heimat am Nil. Heute engagiert er sich als ehrenamtlicher Vorsitzender für den Ökumenerat der Nilsynode und als Gemeindepfarrer in Mallawi. Bis 2001 war er Pfarrer der Petrusgemeinde in Langen bei Frankfurt am Main. Kurzfristig hat er vor einer Woche seine geplante Reise nach Ägypten abgesagt. Deshalb hatte er telefonisch von der Zerstörung erfahren.

Hetze und Zerstörung bedrohen christliche Ägypter

Nachdem die beiden Protestcamps der Muslimbrüder in Kairo vor einer Woche geräumt wurden, rollt eine Welle der Aggression über christliche Gemeinden. Laut Presseberichten wurden über 63 Kirchen geplündert und angezündet, fünf katholische Schulen abgebrannt, zwei Klöster zerstört und auch ein kirchliches Waisenhaus beschädigt. Dabei sind bisher sieben Christen ums Leben gekommen und über 1.000 verletzt worden. „Zum Glück ist den evangelischen Christen in Mallawi bis jetzt noch nichts passiert, denn sie konnten rechtzeitig fliehen“, berichtet Pfarrer Kades. Er bestätigt aber auch, dass Islamisten christliche Häuser und Wohnungen mit einem schwarzen „X“ kennzeichnen. Anhand der christlichen Namen wie Markus und Petrus auf den Klingelschildern machen die Islamisten sie selbst in Hochhäusern ausfindig. Zudem berichtet er, dass er auf vielen Kirchenmauern immer wieder den gleichen Schriftzug entdeckt habe: „Ägypten ist islamisch.“ Betroffen erklärt Kades: „Die Botschaft ist eindeutig. Die Islamisten wollen uns sagen: Christen haben hier keinen Platz mehr.“

Demokratisch gewählt, aber undemokratisch regiert

Seit 1400 Jahre leben Christen und Muslime in Ägypten. „Nicht die gemäßigten Muslime sind das Problem, es sind Islamisten, die zum Teil aus anderen Ländern kommen“, erklärt der Pfarrer, der zugleich promovierter Islamwissenschaftler ist. Zu den gewaltsamen Ausschreitungen kam es, weil radikale Islamisten die Christen für den Sturz von Mohammed Mursi verantwortlich machen. „Ja, auch Christen haben als eine von mehren Gruppierungen gegen die Mursi-Regierung protestiert“, unterstreicht der evangelische Pfarrer. Ein Grund sei gewesen, dass der ehemalige Regierungschef Mursi seine Macht zunehmend ausgebaut habe. Er sei zwar demokratisch gewählt worden, habe sich dann aber undemokratisch verhalten. So hatte er beispielsweise im November 2012 Dekrete erlassen, durch die die Gewaltenteilung faktisch abgeschafft wurde. Dagegen haben große Teile der Bevölkerung demonstriert. Deshalb befürwortet Kades, dass das Militär sich auf die Seite der Demonstranten gestellt hat. Weiterhin hofft er, dass sich die Ansätze für eine demokratische Entwicklung in Zukunft verwirklichen lassen.

Unterstützung aus der EKHN

Die evangelische Kirche in Frankfurt unterstützt ihre ägyptische Partnerkirche. Deshalb ist Kades froh: „Die beiden Krankenwagen, die die evangelische Kirche in Frankfurt im Juni ihrer ägyptischen Partnerkirche übergeben hat, sind noch voll funktionsfähig und im Einsatz.“ Und so freut er sich auch über die diesjährige Spendenaktion des Dekanates Dreieich. Zu den sozial-ökumenischen Projekten 3013 gehören die Fortbildung von ägyptischen Waisenhausmitarbeiterinnen und der Ausbau des Kirchengebäudes der Partnerkirche. „Die Menschen in Deutschland können helfen, indem sie solche Projekte finanziell unterstützten, aber auch die demokratisch motivierten Strömungen in Ägypten unterstützen“, wünscht sich Kades. Dabei vertraut er auch auf den unerschütterlichen Glauben der Christen in Ägypten. „Wir glauben daran, dass Gott uns nicht verlassen wird.“

Die wirklichen Beziehungen zwischen Menschen
sind immer ein Angewiesensein,
ein Einander-Brauchen.

(Dorothee Sölle)

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