Herzlich Willkommen! Entdecken Sie, welche Angebote der EKHN zu Ihnen passen. Über das Kontaktformular und auf facebook sind wir offen für Ihre Anregungen.

Menümobile menu

#beziehungsweise: jüdisch und christlich

Pessach – ein Fest der Befreiung

Bildquelle: gettyimages, luvo, id_157579839Sederteller zu PessachHinter jeder Speise auf dem Sederteller zu Pessach stecken Bedeutungen: So stehen die bittern Kräuter für die Bitterkeit der Sklaverei in Ägypten

Vom 27. März bis zum 4. April feiern Jüdinnen und Juden 2021 Pessach. Dann erinnern sie festlich an den Auszug des Volkes Israel aus Ägypten und an die Befreiung aus der Sklaverei durch Gott. Auch Jesus hat Pessach mit seinen Jüngern gefeiert, denn er war Jude. Die Vorsitzende des Arbeitskreises ImDialog Pfarrerin Andrea Thiemann erklärt in einem Interview, dass Jesus dadurch eine Brücke zum jüdischen Volk bilde.

Am 27. März 2021 beginnt das jüdische Fest Pessach mit dem Sederabend, der meist in der Familie mit symbolischen Speisen begangen wird. „Ich wünsche Jüdinnen und Juden: Chag Sameach oder Pessach Sameach, was so viel heißt wie Frohes Fest oder Frohes Pessach. Ich wünsche Ihnen, wie uns allen, dass wir bald – befreit von der Geißel der Pandemie – wieder unbeschwert mit unseren Familien zusammenkommen und miteinander unsere religiösen und familiären Feste feiern können“, so Pfarrerin Andrea Thiemann, die Vorsitzende des evangelischen Arbeitskreises ImDialog für das christlich-jüdische Gespräch in Hessen und Nassau. In einem Interview erklärt sie die Hintergründe zu dem Fest, aber auch welche Verbindungen es zwischen dem jüdischen Fest und Ostern gibt:

Haben Sie durch Ihre Kontakte erfahren, wie die Corona-Pandemie das diesjährige, jüdische Fest beeinflusst?

Andrea Thiemann:  Pessach ist das große Familienfest des Jahres, zu dem auch gern die weitere Familie mit Freund:innen aus der ganzen Welt zusammen kommt. Viele besuchen Angehörige in Israel. Die meisten dieser Kontakte sind in diesem Jahr nicht möglich, die Familien werden somit zumeist zu Hause bleiben im engsten Kreis. Über diverse Internetkanäle halten Omas mit ihren Enkelkindern, Geschwister untereinander regelmäßigen Kontakt rund um den Globus, um wenigstens ein bisschen voneinander zu hören und zu sehen.

Können Sie erklären, was an Pessach gefeiert wird? 

Andrea Thiemann:  An Pessach wird eine Woche lang der Auszug des Volkes Israel aus Ägypten gefeiert und an die Befreiung aus Knechtschaft und Sklaverei durch Gott erinnert, so wie es in der Bibel im 2.Buch Mose, Exodus, nachzulesen ist. Bestimmte Speisen und Getränke am Sederabend vergegenwärtigen die Geschichte. So werden z.B. zur Vorbereitung auf das Fest alle Getreideprodukte aus dem Haus verbannt und „ungesäuertes“ Mazzen Brot gegessen, weil vor der Flucht keine Zeit mehr war, das Brot durchsäuern zu lassen. Besonders für die Kinder wird durch die Symbolik der Speisen und das wiederholte Erzählen der Pessach Haggada (Geschichte) das Handeln Gottes am Volk Israel anschaulich und in die Gegenwart transformiert.
Besonders schön hat es die Rabbinerin Offenberg auf der Website `#beziehungsweise: jüdisch und christlich – näher als du denkest´ beschrieben. 

Warum ist die Jahrtausende alte Exodusgeschichte auch heute noch so wichtig für das Judentum?

Andrea Thiemann:  Von Generation zu Generation wird die Geschichte Gottes mit dem Volk Israel weitergegeben und trägt damit zur Identifikation als Volk Gottes und zur Stärkung jüdischer Identität bei. Im Umgang mit anderen Gruppen wird häufig zu bedenken gegeben, „vergesst nicht, ihr seid selbst Sklaven in Ägypten gewesen“. Aus dieser Erinnerung heraus ergeben sich wichtige ethische Maßstäbe für das eigene Handeln und die Notwendigkeit, Empathie zu entwickeln für Leid und Bedrängnis anderer Menschen. 

Auch Jesus hat mit seinen Jüngern vor seiner Kreuzigung noch Pessach gefeiert. Welche Verbindungen sehen Sie zwischen Pessach und dem christlichen Ostern?

Andrea Thiemann:  Neben der zeitlichen Nähe zwischen beiden Festen, die sich aus der Historie ergeben, weil Jesus selbst Jude war und im jüdischen Kontext nach Art der Schriftgelehrten seiner Zeit lehrte und lebte und die jüdischen Feste feierte, ist der gemeinsame zentrale Gedanke, dass Gott die Menschen befreit aus allen Zwängen, Versklavungen und sogar vom Tod, dem Tod im und nach dem Leben, wie wir es heute kennen.

Was möchten Sie vor dem Hintergrund der Gespräche, die Sie mit Jüdinnen und Juden geführt haben, anlässlich dieses Festes den Leserinnen und Lesern von ekhn.de mitteilen?

Andrea Thiemann:  Der Jude Jesus ist als der Gesalbte Gottes für uns auferstanden ins Leben. Er bildet nicht nur unsere lebendige Brücke zu Gott, sondern auch zu seinem jüdischen Volk. Zwischen Pessach und Ostern bewegen wir uns in einer Zeit des Aufkeimens neuen, befreiten Lebens und neuer Hoffnung. Es ist eine gute Zeit, sich von überkommenen Vorurteilen und Stereotypen zu befreien und sich auf die Suche zu machen nach der gemeinsamen Quelle des Lebens, wie wir sie in den Heiligen Schriften der Hebräischen Bibel z.B. in den Psalmen finden, die wir gleichermaßen in Synagogen und Kirchen andächtig beten.

In der Konzentration auf das, was ist,
kann sich so etwas wie ein Raum öffnen,
ein Gewahrsam schärfen für die Gegenwart Gottes.

(Carsten Tag)

Carsten Tag

Bild: Mit freundlicher Genehmigung von gettyimages / rusm

Zurück zur Webseite >

to top