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Nachgefragt

Was muss eine Pfarrerin, ein Pfarrer können? Diskussion um die Qualität von Theologie-Studiengängen

Silke RummelMark Adler sitzt draußen auf einer Terrasse.Mark Adler, ehemaliger Opernsänger, hat im Masterstudiengang evangelische Theologie studiert und hat am 1.September 2019 sein Vikariat in der EKHN begonnen.

„Theologie im Schnelldurchlauf“ hatte die FAZ einen Artikel betitelt, in dem der relativ junge Weiterbildungsmasterstudiengang „Evangelische Theologie“ vorgestellt wurde. Ist die auf Social Media diskutierte Sorge berechtigt, dass künftige Pfarrerinnen und Pfarrer dadurch weniger gut theologisch ausgebildet werden? Für eine Einschätzung hat Vikarin Tabea Kraaz dazu Pfarrerin Anja Schwier-Weinrich befragt, die in der EKHN für die Nachwuchsgewinnung für kirchliche Berufe zuständig ist.

Bisher hat die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) mit dem Weiterbildungsmasterstudiengang und den darin ausgebildeten Menschen positive Erfahrungen gemacht. Die betreffenden Theologen und Theologinnen seien kompetent und fielen durch eine disziplinierte Arbeitsweise auf. Sie bereichern die zweite Ausbildungsphase, das Vikariat, und an dessen Ende ist kaum ein Unterschied zu anderen Vikaren und Vikarinnen feststellbar, so Pfarrerin Anja Schwier-Weinrich, Ansprechpartnerin für Informationsveranstaltungen und Nachwuchsgewinnung.

Aktuell befinden sich sieben Leute mit abgeschlossenem Weiterbildungsmasterstudiengang in der Pfarramts-Ausbildung in der EKHN. Zwischen 2016 und 2017 konnten bereits sechs Personen erfolgreich ausgebildet werden und kommen jetzt in den Gemeinden an. Der Unterschied zwischen den Personen, die im grundständigen, fünfjährigen Theologiestudium ausgebildet wurden und denen, die im dreijährigen Weitrbildungsmasterstudiengang ausgebildet wurden, verwische in der Arbeit vor Ort. „Das Niveau des Studiengangs ist gleichwertig“, versichert Pfarrerin Anja Schwier-Weinrich.

Keine schnelle Theologie in vier Semestern

Es ist sachlich nicht zutreffend, dass die die Studienzeit im Master-Studiengang lediglich vier Semester betrage, wie Michael Beintker in einem FAZ-Artikel von behauptet. Wird der Erwerb von Sprachkenntnissen in Hebräisch und Altgriechisch sowie die Aneignung von Bibelkenntnis als Grundlage für den Studiengang hinzugerechnet, beträgt die Studienzeit tatsächlich sechs Semester. Der erste berufsqualifizierende Hochschulabschluss ist Voraussetzung für den Zugang zum Masterstudiengang. Die wissenschaftliche Vorbereitung bzw. das Vorstudium bringen die jeweiligen Personen aus dem ersten Studiengang dann bereits mit. Die Studienzeit von sechs Semestern gilt sowohl für den berufsbegleitenden Masterstudiengang in Marburg, der bereits seit 2006 besteht, als auch für den neuen MainMaster Studiengang in Mainz und Frankfurt am Main.

„Die Theologie fällt für Leute im Master-Studiengang nicht vom Himmel.“

Bei den Theologen und Theologinnen des Masterstudiengangs fiele auf, dass sie zugleich kirchlich gebunden und inhaltlich vorgeprägt seien, denn: „Die Theologie fällt für Leute im Master-Studiengang nicht vom Himmel.“ So würde auch die Zeit nach dem Studium vielfach für weitere theologische Vertiefung genutzt. Die Angst, dass der Masterstudiengang das theologische Niveau des Pfarramts senke, erwies sich bislang als unbegründet.

Vielfalt und eigene Schwerpunkte im Pfarramt

Ein positives Bild von Neuzugängen im Pfarramt durch den Weiterbildungsmasterstudiengang zeichnet auch Social-Media-Pfarrerin Theresa Brückner. Sie schreibt auf Twitter, dass durch den alternativen Zugang ins Pfarramt die Vielfalt steige. Die Theologen und Theologinnen aus dem Masterstudiengang kommen aus anderen Berufen, aus dem Journalismus oder dem Kulturbetrieb und bringen bereits Kompetenzen und Erfahrungen mit.

Theologische Bildung als Brücke zu den Menschen

Tobias Graßmann, wissenschaftlicher Mitarbeiter in systematischer Theologie an der Universität Göttingen, zeigt sich besorgt über die Debatte um den Weiterbildungsmasterstudiengang auf Social Media. Im Zuge der Debatte würden die fachfremden, außertheologischen Kompetenzen überbetont. Es entstünde das verzerrte Bild, die theologische Bildung sei weniger wichtig, so der Systematische Theologe. Pfarrerin Schwier-Weinrich begegnet diesem Bild und versichert: „Theologische Bildung ist der Rahmen, in dem der Pfarrdienst ausgeübt wird. Mithilfe der erlernten theologischen Inhalte wird die Pfarrperson sprachfähig und das auch im 'Weiterbildungsmaster'. Das Zusammenspiel dieser Bildung mit den weiteren Kompetenzen macht die Pfarrerin oder den Pfarrer."

Die Einführung des Masterstudiengangs reagiert auf eine konkrete Situation

Schon seit Längerem ist klar, dass theologischer Nachwuchs in den evangelischen Kirchen fehlt. Das bekommen die Gemeinden zu spüren, wenn Stellen unbesetzt bleiben. Zugleich zeigt sich ein Trend, dass sich in der Mitte des Lebens Menschen beruflich umorientieren. Der Masterstudiengang reagiert auf diese beiden Trends und ermöglicht, einen zweiten Zugang ins Pfarramt.

In der Konzentration auf das, was ist,
kann sich so etwas wie ein Raum öffnen,
ein Gewahrsam schärfen für die Gegenwart Gottes.

(Carsten Tag)

Carsten Tag

Bild: Mit freundlicher Genehmigung von gettyimages / rusm

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