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Herausforderung Familienleben

Eltern im Zwiespalt: Wie viel Förderung ist gut für mein Kind?

asiseeit/istockphoto.com

Mit fünf Jahren Geige lernen und am besten zweisprachig aufwachsen: Viele Eltern wollen ihre Kinder bestmöglich auf das Leben vorbereiten. Psychologin Petra Mattes gibt interessierten Eltern Tipps zum Thema Kinderförderung.

privatPortraitDie Sorgen und Nöte von Eltern erfährt die Psychologin Petra Mattes während ihres Arbeitsalltages im Wiesbadener Nachbarschaftshaus

Nach der Schule noch schnell die Hausaufgaben erledigen und dann geht es direkt weiter zum Sportverein, Musikunterricht oder zur Lernförderung. Viele Kinder führen heute schon ein streng durchgetaktetes Leben. „Es gibt Grundschulkinder, die haben keinen freien Nachmittag mehr“, sagt Erziehungsberaterin und Psychologin Petra Mattes.

Kinder brauchen Zeit für sich

Mattes warnt davor, den Alltag der Kinder komplett durchzuplanen. Natürlich sei es gut für das Kind, wenn die Eltern da seien, aber sie müssten sich nicht immer aktiv mit ihren Kinder beschäftigen, denn schon die ganz Kleinen bräuchten Zeit für sich. „Das einfache Träumen, den Tag auf sich zukommen lassen, fördert die Kreativität nachgewiesenerweise ungeheuer“, unterstreicht Mattes. Eltern sollten nicht wie die sogenannten „Helikopter-Eltern“ ständig über ihren Kindern schweben, um alles für sie zu regeln. „Das ist entwicklungsschädigend.“

Eltern wollen Kinder auf künftige Konkurrenz vorbereiten

Die Erzeihungsberaterin spürt häufig in ihrem Arbeitsalltagim Wiesbadener Nachbarschaftshaus, dass Eltern Angst vor der Zukunft ihrer Kinder haben: „Eltern denken häufig, dass ihre Kinder ohne starke Förderung in der derzeitigen Konkurrenz nicht mithalten können“.

Eltern können wählen

Welche Anforderungen in der Leistungsgesellschaft tatsächlich  Sinn machten, sei jedoch schwer zu sagen. Mattes betont, dass Eltern eine Wahl in ihrer Erziehung haben und sich fragen sollten: „Möchte ich mein Kind dahin erziehen, dass es passgenau wie ein Puzzleteil in die Gesellschaft passt?“. 

Kindern Freiheiten lassen

Wie viel Förderung gut ist, können Eltern an den Signalen ihrer Kinder sehen. Sensibilität für die Leistung der eigenen Kinder sei ein wichtiger Punkt. Wenn Kinder immer ihre Termine vergessen, sei das ein eindeutiges Zeichen von Überforderung. Dazu kommen psychosomatische Symptome, also Auswirkungen der Psyche auf den Körper, die Eltern zeigen, dass es dem Kind zu viel wird. „Das Kind hat keine Lust oder wird weinerlich, krank, ängstlich, isst schlechter, schläft schlecht.“ 

„Kann ich mit meinem Kind noch Spaß haben?“

Nicht nur Kinder senden Signale, auch die Eltern sollten in sich hineinhören und fragen: „Kann ich mit meinem Kind noch Spaß haben?“ Wenn über allem ein Leistungsgedanke stünde, sollten sich Eltern fragen, ob es nicht in Ordnung ist, auch mal etwas zu machen, was einfach Spaß mache -ganz ohne Sinn. Zu großes Engagement äußert sich auch darin, dass Eltern wegen der Aktivitäten ihrer Kinder in Termindruck geraten.

Kind hat keine Lust auf Geigenunterricht – was tun?

Wenn ein Kind keine Lust mehr auf eine Aktivität hat, sollten Eltern ihm eine Zeit lang helfen, bis das Kind seine Routine entwickelt habe. Mattes bekräftigt, dass Kinder eine eigene Motivation entwickeln sollten. Wenn sich diese Routine jedoch nicht einpendelt, rät Mattes den Eltern sich zu fragen: „Wer hatte denn ursprünglich Lust? War ich das oder war es mein Kind?“. Hier spielt die Frage mit, was Eltern mit ihrer Förderung bezwecken möchten. „Was ist das Ziel hinter dem Ziel?“. Konkret meint Mattes damit: „Wozu möchte ich denn, dass mein Kind zum Beispiel Geige oder Klavier lernt?“ Mattes resümiert: „Entspannte neugierige Eltern fördern entspannte neugierige Kinder“.

Wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi.

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