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Aktionstag von Diakonie und Kirche

Rahmenbedingungen für Pflege dringend verbessern

EKHNRettungspakete für die Pflege: Aktionstag in Frankfurt auf dem Römerberg.

Die Situation der Pflege ist in Deutschland bedrohlich: Nun haben Diakonie und Kirche bei einem bundesweiten Aktionstag gefordert, die Rahmenbedingungen zu verbessern.

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EKHNPacken Rettungspakete für die Pflege (v.l.) Bischof Martin Hein, Kirchenpräsident Volker Jung, Hessens Diakonie-Chef Wolfgang Gern und Theologie-Vorstand der Diakonie, Horst Rühl.

Frankfurt a.M., 12. Mai 2014. Die Diakonie Hessen sowie die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau und die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck haben am Montag in Frankfurt am Main anlässlich des bundesweiten Aktionstages Altenpflege, der von der Diakonie Deutschland initiiert wurde, bessere Rahmen-bedingungen für Pflegekräfte, Pflegebedürftige und pflegende Angehörige gefordert. Denn die Situation in der Altenpflege ist kritisch: Die Zahl der pflegebedürftigen Menschen steigt. Fachkräfte für die Pflege werden dringend gesucht, die Arbeit der Pflegekräfte wird jedoch zu wenig wertgeschätzt. Pflegende Angehörige fühlen sich nicht ausreichend unterstützt. Zudem ist die Pflege chronisch unterfinanziert. Deshalb fordern Diakonie und Kirche die Politik auf, für würdevolle Pflege, familiäre Entlastung, gerechte Finanzierung und attraktive Ausbildung zu sorgen. Unterstützt wurden die in einem Pressegespräch vorgebrachten Forderungen durch die Anwesenheit von vielen Pflegeschülern und Fachkräften aus diakonischen Altenhilfeeinrichtungen auf dem Römerberg, die mit Flyern auf die Situation in der Pflege hinwiesen.

Gerechte Finanzierung notwendig

Dr. Wolfgang Gern, Vorstandsvorsitzender der Diakonie Hessen, fordert im Namen von Diakonie und Kirchen in Hessen eine große Pflegereform mit solidarischer Finanzierung. „Der hohen Anerkennung der Pflegekräfte und der Pflegeeinrichtungen insgesamt steht die chronische Unterfinanzierung der Pflege entgegen. Seit Jahren gibt es eine Deckungslücke zwischen steigenden Personalkosten und stagnierender Refinanzierung. Dies führt zu einer höchst angespannten Zerreißprobe. Der tatsächliche Hilfe- und Pflegebedarf muss berücksichtigt werden – und zwar so, dass die Pflegekräfte angemessen entlohnt werden können.“ Gern beharrt daher auf einer Pflegereform, die solidarisch finanziert werden müsste. Dabei müsse man über eine Pflegevollversicherung nachdenken. Dies gelinge am besten durch ein steuerfinanziertes System, in dem alle Einkommensarten berücksichtigt werden. „Alternativ könnten Kranken- und Pflegeversicherung zusammengelegt werden. Und die Beitragsbemessungsgrenze könnte angehoben werden, um Besserverdienende stärker zu beteiligen“, so der Vorstandsvorsitzende. Gern bekräftigt: „Pflegekräfte müssen entlohnt werden auf der Grundlage von Tarifen und Arbeitsvertragsrichtlinien. Gute Arbeit hat ihren Preis. Dumpinglöhne sind keine Alternative.“

Ausbildung muss attraktiver werden

Die Zahl der Pflegebedürftigen steigt – und somit auch der Bedarf an Fachkräften. Es ist höchste Zeit, in den Nachwuchs zu investieren und dafür zu sorgen, dass Pflegeberufe attraktiver werden. Horst Rühl, Theologischer Vorstand der Diakonie Hessen, sagt dazu: „Pflegefachkräfte und Pflegehilfskräfte werden dringend benötigt. Es ist „fünf vor zwölf“, um in die Nachwuchsförderung in der Pflege zu investieren. Nur damit kann die Versorgung, Pflege und Betreuung der pflegebedürftigen Menschen vor allem in ländlicheren Gebieten sichergestellt werden.“

Würdevolle Pflege muss möglich sein

Das Aufgabenfeld in der Pflege muss sich erweitern. Dies betonte Prof. Dr. Martin Hein, Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck. „Die Pflege und Betreuung muss sich der sehr zeitintensiven Versorgung von schwerst an Demenz erkrankten Menschen, den Herausforderungen der palliativen Versorgung sowie den wachsenden behandlungspflegerischen Aufgaben stellen. Die pflegebedürftigen Menschen brauchen viel mehr Unterstützung, um am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu können“, so Hein. Unter den derzeitigen Rahmenbedingungen fehle den Pflegekräften jedoch die Zeit dafür. „Die Politik muss es ermöglichen, dass die Versorgung pflegebedürftiger Menschen nicht nur das Waschen und der Verbandwechsel bedeuten, sondern auch Beziehungsarbeit, Nähe, Mitmenschlichkeit und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben beinhaltet. Häufig reichen gerade dafür die zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel nicht aus, oder sie reichen nur bei denen, die es sich leisten können“, so der Bischof.

Pflegende Angehörige müssen entlastet werden

Die meisten pflegebedürftigen Menschen werden nach Worten des Kirchenpräsidenten der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Dr. Volker Jung, von zu Hause aus betreut. Pflegende Familien bräuchten deshalb Unterstützung und Entlastung. „Für diejenigen, die Pflegezeiten zuhause wahrnehmen und ihre Berufstätigkeit dafür unterbrechen, sollte ein Anspruch auf Lohnfortzahlung bestehen“, sagte Jung. Es sollte ihnen ermöglicht werden, familiäre Pflege und Beruf miteinander zu vereinbaren, so der Kirchenpräsident. „Außerdem muss im Rahmen der Daseinsvorsorge auf kommunaler Ebene darauf geachtet werden, dass genügend Pflegeeinrichtungen und unterstützende Dienste vorhanden sind“, so Jung abschließend.

Stichwort Altenpflege in der Diakonie:

Die Diakonie unterstützt bundesweit mit rund 142.000 hauptamtlichen Mitarbeitenden in der Pflege mehr als 250.000 pflegebedürftige Menschen und ihre Angehörigen in etwa 2.100 Altenpflegeheimen und mit 1.400 ambulanten Pflegediensten.

Aktionstag Altenpflege

Am 12. Mai, dem Internationalen Tag der Pflege, ruft die Diakonie regelmäßig zu einem bundesweiten Aktionstag Altenpflege auf. Gemeinsam mit ihren 3.500 Altenpflegeheimen und ambulanten Pflegediensten fordert sie von der Politik ein Rettungspaket für die Altenpflege. Die diakonischen Altenpflegeheime und ambulanten Pflegedienste haben die persönlichen Forderungen ihrer Mitarbeitenden, von pflegebedürftigen Menschen und deren Angehörigen auf Postkarten gesammelt und werden diese am 12. Mai in einem "Rettungspaket" an den Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe in Berlin senden.

Fakten zur Pflege

Deutschland wird immer älter. Während 2010 gut 4,2 Millionen Menschen 80 Jahre und älter waren, werden es 2050 –so schätzen es Experten –über 10 Millionen sein. Mit dem Alter steigt das Risiko pflegebedürftig zu werden: Zwischen dem 60. und 80. Lebensjahr sind etwa 4,2 Prozent der Menschen pflegebedürftig, mit über 80 sind es schon 28,8 Prozent. Mehr als zwei Drittel der pflegebedürftigen Menschen, insgesamt 1,76 Millionen, werden zu Hause versorgt, davon 1,18 Millionen allein durch Angehörige. 576.000 pflegebedürftige Menschen werden zu Hause durch ambulante Pflegedienste betreut. In Altenpflegeheimen leben 743.000 Menschen. In der Pflege arbeiten derzeit in Deutschland fast eine Million Menschen. Bundesweit gibt es 12.300 ambulante Pflegedienste und etwa 12.400 Pflegeheime.

Tu, was zu tun kannst.
Und dann ist gut, denn mehr geht nicht.
Alles weitere kann ich in die Hände Gottes legen
und darauf vertrauen, dass er es wohl gut mit mir meint.
(Carsten Tag zu Prediger 9,10)

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