Herzlich Willkommen! Entdecken Sie, welche Angebote der EKHN zu Ihnen passen. Über das Kontaktformular und auf facebook sind wir offen für Ihre Anregungen.

Menümobile menu

Grenzen(los)?

"Im Alltag müssen wir Grenzvirtuosen sein"

GuillaumePreat_PixabayLangfristig muss sich die Menschheit darauf einstellen, die Erde zu verlassenLangfristig muss sich die Menschheit darauf einstellen, die Erde zu verlassen

„Astronauten haben keine Grenzen gesehen“, sagt Paolo Ferry, Flugdirektor bei der ESA in Darmstadt. Der Philosoph Rainer Forst spricht von „notwendigen Grenzen im Leben jedes Einzelnen“. Und Kapitän Klaus Vogel sagt: „Der Begriff der Grenze ist weder gut noch schlecht.“ Diese drei sehr unterschiedlichen Menschen trafen sich am 7. September 2016 in der Evangelischen Akademie in Frankfurt.

Isabell Serro / SOS MediterraneeEinige tausend Flüchtlinge hat die Aqurius seit Mai 2015 im Mittelmeer gerettet.Einige tausend Flüchtlinge hat die Aqurius seit Mai 2015 im Mittelmeer gerettet.

„Unsere Zuflucht ist da draußen.“ Paolo Ferry spricht vom Ende der Erde. In einer Milliarde Jahren werde die Sonne verlöschen und es sei dann kein Leben mehr auf unserem Planeten möglich. „Wir werden dann von der Erde flüchten.“ Einen bewohnbaren Planeten zu finden hält der Forscher für realistisch. Der Satellit Rosetta hatte Aminosäuren, also Teile von komplexen Grundbestandteile des Lebens, auf dem gleichnamigen Kometen gefunden. Da die Kometen älter seien als die Erde, bedeute das, dass an vielen Stellen im Weltall Leben möglich sei. Sehr langfristig müsse sich die Menschheit darauf einstellen, die Erde zu verlassen. Die Wissenschaft habe schon viele Grenzen überschritten. 

Aus starker Position sich dem anderen zuwenden

Rainer Forst erklärte, wie notwendig Grenzen sind. „Nur wenn ich mich abgrenzen kann, kann ich auch auf andere zugehen.“ Forst lehrt in Frankfurt und  gilt als einer der führenden politischen Philosophen unserer Zeit. Eigene Identität zu entwickeln setze voraus, zwischen sich und den anderen zu unterscheiden.  Und bei genügendem Selbstbewusstsein werde man unterschiedliche Wertevorstellungen nicht als bedrohlich empfinden. Praktisch bedeute dies, dass die moralische Gemeinschaft weiter reiche, als nur die, die mir verbunden sind. Wer sich jedoch in seiner Identität bedroht fühle, erzeuge ein falsches, eigentlich unnötiges Abgrenzungsbedürfnis. „Im Alltag müssen wir immer Grenzvirtuosen sein.“

Ein Humanitärer Korridor zwischen den Grenzen

Als die Mittelmeer-Mission Mare Nostrum im Frühjahr 2015 Zu Ende ging, hat Klaus Vogel SOS Mediterranee gegründet. Der erfahrene Kapitän hat ein Schiff in Saßnitz gechartert und eine Mannschaft angeheuert. Einige tausend Flüchtlinge hat die Aqurius seit Mai 2015 im Mittelmeer gerettet. Allein in der letzten Woche habe die Mannschaft 430 Schiffbrüchige aus einem Holzboot geborgen. Die Skeptiker in seiner Crew hätten bald gelernt: „Die Begegnung mit diesen Menschen verändert etwas.“ Vogel setzt sich für durchlässigere Grenzen ein: Wenn diese Flüchtlinge gefahrlos kommen könnten, dann würden sie auch wieder zurückfahren. Dennoch seien Grenzen wichtig. „Wenn es keine starken Grenzen gäbe, denn gäbe es auch keine sicheren Zufluchtsorte“. 

Seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht.

Lukas 21, 28

Bild: Mit freundlicher Genehmigung von david-hertle / unsplash

Zurück zur Webseite >

to top