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Kirchentag und AfD

Kein Podium für rechtes Gedankengut – trotzdem gesprächsbereit

Foto: DEKT/R. Gross/PhotographyHans LeyendeckerHans Leyendecker ist der Präsident des 37. Deutschen Evangelischen Kirchentages in Dortmund, der am 19. Juni beginnt

Der Kirchentagspräsident Hans Leyendecker wünscht sich, dass auf dem Kirchentag in Dortmund auch Gespräche mit Leuten möglich seien, „die eigentlich nicht mehr miteinander reden.“ Allerdings äußerte er auch klar: „Keine Vertreter der AfD auf Podien!“ In einem Interview mit dem Mainzer Gemeindebriefredakteur und SWR-Journalisten Marcel Schilling erklärt er, wie der Austausch miteinander dennoch möglich werden kann.

Deutsche Evangelische Kirchentage setzen Impulse in ihren Podiumsgesprächen zu aktuellen gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen. Allerdings wird der Kirchentag vom 19. bis 23. Juni 2019 in Dortmund AfD-Politikern kein Podium bieten. „Weil die AfD in Teilen völkisch ist, sich noch weiter in Richtung Rechtsextremismus entwickelt. Und weil wir immer gesagt haben, für Rassisten und Hetzer kann auf einem Kirchentag kein Platz sein“, so die Begründung des Kirchentagspräsidenten und Journalisten Hans Leyendecker.  In einem Interview mit dem Gemeindebriefredakteur und SWR-Journalisten Dr. Marcel Schilling sagt er ausdrücklich: „Keine Vertreter der AfD auf Podien!“

In Gesprächen neue Brücken bauen

In dem Interview, das in dem Gemeindebrief „Alles in Luther“ vom 28. März der Evangelischen Luthergemeinde Mainz erschienen ist, versichert der Kirchentagspräsident aber auch, dass AfD-Repräsentanten durchaus zum Kirchentag eingeladen seien, „aber eben nicht oben auf der Bühne.“ Auch wenn keine AfD-Repräsentanten bei Podiumsgesprächen dabei seien, sollten „diejenigen, die meinen, dass die AfD wichtig sei“ zu Wort kommen.  In sogenannten „Zuhörer-Foren“ könnten sich auch AfD-Wähler und AfD-Sympathisanten äußern. Denn Leyendecker wünscht sich, dass der Kirchentag auch Gespräche mit Leuten möglich mache, die eigentlich nicht mehr miteinander redeten. Der Kirchentagspräsident geht davon aus, dass diese Fragen in Dortmund im Mittelpunkt stehen werden: „Schaffen wir das Zusammenstehen? Warum ist die Gesellschaft so gespalten? Warum ist die Sprache so roh geworden?“

Gemeinschaftsgefühl des Glaubenfestes

Bei allen Herausforderungen setzt Kirchentagspräsident Leyendecker aber auch auf das Gemeinschaftsgefühl des Kirchentages. „Kirchentag ist immer ein Glaubensfest gewesen“, erinnert sich der Journalist, der erstmals 1975 einen Kirchentag besucht  hat. Er freut sich: „Ich weiß, dass ich auf dem Kirchentag auftanken kann.“ Damit weist er auf morgendliche Bibelarbeiten und den abendlichen Segen hin. Darüber hinaus gebe es über 2.000 Veranstaltungen.

Reflexion über Brüche im eigenen Leben

Als investigativer Journalist beim Spiegel und später bei der Süddeutschen Zeitung fasste Hans Leyendecker die heißen Eisen an: Er deckte Spendenaffären und Skandale in Wirtschaft und Politik auf. Beispielsweise hatte er die „Traumschiffreisen“ des damaligen baden-württembergischen Ministerpräsidenten Lothar Späth aufgedeckt, der sich von Industriellen hatte einladen lassen. Aufgrund der öffentlichen Kritik ist Lothar Späth 1991 zurückgetreten. Heute blickt der Journalist aber auch selbstkritisch auf seine Arbeit zurück, gegenüber dem NDR sagte er: „Das war von der Sache her okay. Aber die Form würde ich heute nicht mehr machen.“ Auch im Gespräch mit dem Mainzer Gemeindebriefredakteur Marcel Schilling reflektiert er über seine Zeit als investigativer Journalist: „Gläubig war ich immer. Ob ich das bei der Arbeit immer so umgesetzt habe, wie es hätte sein müssen, da habe ich Zweifel.“ Er habe manchmal auch Sachen gemacht, von denen er sich heute distanziere. Allerdings sei auch manches gelungen, zu dem er heute sehr gut stehen könne. Nachdenklich erinnert er sich: „Sie können schwer all die Zeit Religion und Menschsein und das Berufliche miteinander vereinbaren. Da gibt es immer wieder Brüche, aber ich denke, die sind geheilt.“ Zur Heilung habe sein Gottvertrauen beigetragen, dass ihn in all der Zeit gehalten habe.

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Mehr über den Deutschen Evangelischen Kirchentag in Dortmund

Hinweis:
Veröffentlichung der Zitate und Interview-Ausschnitte mit freundlicher Genehmigung von "Alles in Luther", Gemeindebrief der Evangelischen Luthergemeinde Mainz. Erste Ausgabe 2019 (Osterausgabe). Titelthema der Ausgabe: "Himmel oder Hölle - Kirche in der Welt". 

Der Menschensohn muss erhöht werden,
damit alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben.

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