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Grenzen der Toleranz im Alltag

Jumbojet fliegt über Mensch mit Ohrenschützern hinweg© istockphoto.com/mgfoto

Keine Kompromisse!

von Hans Genthe 

Pfarrer Martin Hanauer erhebt seine Stimme, als der Jumbojet in weniger als 300 Meter Höhe über die Trauergemeinde donnert. Das Vaterunser erstirbt unter dem Gebrüll der 400 Tonnen schweren Maschine. Ein kräftiger Wirbel erfasst den Talar des Flörsheimer Pfarrers und zwei Hüte fliegen durch die Luft. „Unsere Toleranz ist absolut am Ende“, sagt der geplagte Seelsorger beim anschließenden Kaffee. „Wir lassen uns auf keine Kompromisse ein.“

Weht der Wind aus Westen, wird über Flörsheim gestartet. Flugzeuge haben mit ihren Wirbelschleppen schon Ziegel von Dächern geholt.

Menschen ziehen aus der Gemeinde weg. Die Nächte sind kurz. Während andere noch verhandeln über die Kosten für den Lärmschutz, über die Absenkung einzelner Dezibelzahlen und die Änderung der Flughöhen, sagt die Flörsheimer Gemeinde: Jetzt ist Schluss! Sie verhandeln nicht über Geld, sie wollen den Schaden nicht eingrenzen, sondern sie wollen die Flugzeuge loswerden. Die sollen anderswo fliegen, wo keine Menschen leben.

Weltweit befinden sich zu jeder Zeit im Durchschnitt acht Millionen Menschen in der Luft, darunter auch Flörsheimer.

Jetzt ist aber Schluss!

von Hans Genthe

„Was für ein freundlicher Herr, er lässt mir den Vortritt und schon bin ich auf der Hauptstraße.“ Rita blinkt.

Helmut lenkt den Wagen auf die Überholspur und blinzelt zu dem blauen Corsa herüber: „Mehr gegenseitige Achtung und Toleranz im Straßenverkehr, das brauchen wir.“ Toleranz ist Helmut wichtig. Da blenden hinter ihm zwei Scheinwerfer auf und ein dicker Kühlergrill kommt ihm bedrohlich nahe.

Maik kriegt einen Schweißaubruch. „Du Arsch, kannst doch nicht einfach rüberfahren!“

Helmut drosselt noch mal mal sein Tempo. „40 halte ich in dieser Situation für angemessen.“

Die Schlange hinter Maik wird länger.

An der Engstelle fädelt sich Rita mit ihrem blauen Corsa ein. „Wie angenehm, keine Autos vor sich zu haben.“ Sie wirft einen prüfenden Blick in den Rückspiegel: „Ja, der Lidschatten ist in Ordnung.“ Sie zupft noch einmal am Kragen und rückt den Gurt zurecht. Als die grüne Ampel in Sicht kommt, geht sie vom Gas. „Ich fahre defensiv.“

Der Radfahrer schießt rechts vorbei. Lutz fährt jeden Tag mit dem Rad ins Büro. „Toleranz für Fahrräder“ klebt auf dem Rahmen.
Er findet die Autos einfach unerträglich und rücksichtslos. Den Radweg hat er noch nie benutzt. „Viel zu gefährlich, wenn einem da einer entgegenkommt.“

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Gut:
Das heißt für mich -
frei und befreit von allem,
was ich aus Angst und Ärger tief
in mir vergraben habe.

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