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Toleranz möglich machen

Frauen mit Kopftüchern am Flughafen© istockphoto.com/Enjoylife2

Toleranz möglich machen durch interkulturelles Lernen

von Jean-Félix Belinga Belinga

Den Menschen hinter dem Pass sehen lernen

Das Seminar im Zentrum Ökumene der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) in Frankfurt beschäftigt sich mit interkulturellem Lernen. Am Ende werden die 17 teilnehmenden jungen Bundespolizistinnen und -polizisten mit der Frage konfrontiert, was sie persönlich vom Seminar mitnehmen und ob sie die gewonnenen Erkenntnisse im Dienst sinnvoll einsetzen können. Darauf antwortet einer: „Jetzt sehe ich mir nicht nur die Pässe an, sondern die Menschen selbst.“ Seine Kollegin meint: „Ich kann mich in den anderen Menschen hineinversetzen und mich auf ihn einlassen.“ Ein Dritter erwägt einen „bewussteren Umgang mit Menschen fremder Kulturen“. Und dann ist auch von der „Toleranz gegenüber Menschen, die anders sind als ich“ die Rede und vom „Abbau des Schubladendenkens“.

Interkulturelles Lernen – Fremdheit nicht mit Defiziten verbinden

Es ging bei diesem Seminar um das interkulturelle Lernen, das darauf zielt, interkulturelle Kompetenz zu vermitteln. Jene Fertigkeit also, die sich nicht durch eine beeindruckende Menge an Wissensdaten über fremde Kulturen bewährt. Im Mittelpunkt stand die Fähigkeit, sich in gegebenen, konkreten lebensweltlichen Situationen angemessen, souverän und effektiv zu entscheiden und effizient (und menschlich) zu handeln.

Die zitierten Antworten der Polizistinnen und -polizisten beziehen sich zwar auf ihren dienstlichen Alltag, aber sie lassen auch klar erkennen: Menschen, die ihnen fremd sind, sind deshalb nicht unmittelbar Menschen mit Defiziten. Die Aussagen offenbaren eher eine Grundhaltung, die einerseits die schützende Distanz als selbstverständliche Reaktion auf Fremdes beibehält, aber andererseits neue Räume für Begriffe zulässt. Sie ermöglichen ein ethisch vertretbares Denken. Werte wie Respekt, Achtung, Menschlichkeit oder auch Würde des Fremden können entfaltet werden.

Neuer Umgang mit fremden Lebenskonzepten: Ein Aha-Erlebnis macht nachdenklich

Durch Rollenspiele lassen sich im Rahmen der Seminare im Zentrum Ökumene viele Erkenntnisse gewinnen: etwa wenn sich Teilnehmende mit einer bestimmten fremden Denkweise identifizieren und Naturkatastrophen beispielsweise als religiös anzunehmende Gegebenheiten deuten. Oder wenn der Faktor Zeit bei Verhandlungen komplett ausgeklammert wird. Allerdings auch, wenn eine Gruppe Rituale für unverzichtbar hält, sie dementsprechend auch praktiziert und diese Praxis zur gleichen Zeit von einer anderen Gruppe verächtlich als „zu viel Tamtam“ abgetan wird. Oder wenn ein von der im Abendland bewährten Rationalität abweichendes Denken als „Unwissen“ und „unterentwickeltes Getue“ angesehen wird.

In solchen Situationen offenbart sich, meistens mit einem Aha-Erlebnis, der eigene Umgang mit fremden Lebenskonzepten als unglücklich. Und hier werden die Teilnehmenden häufig sehr nachdenklich, denn die eigenen Haltungen, die dabei aufgedeckt werden, lösen Schamgefühle und nicht selten deutliche Selbstkritik aus.

Heute unverzichtbar: interkulturelle Kompetenz als Schlüsselkompetenz

Partnerschaften verbinden uns häufig über die Ländergrenzen, über religiöse Grenzen oder auch über Erdteile hinweg. Multikulturell besetzte Kollegien, aber auch Begegnungen und Auseinandersetzungen bringen uns in verschiedenen institutionellen Prozessen über die kulturellen Unterschiede hinweg zusammen. Wir müssen tragende Strategien entwickeln, um mit den heute noch sehr prägenden Unterschieden auskommen zu können.

Um die Voraussetzungen dafür zu schaffen, müssen wir die Dialogfähigkeit sowohl im globalen Zusammenhang als auch im ökumenischen Kontext weiterentwickeln. Und wir müssen für den sensiblen Aufbau einer pluralen Gesellschaft sorgen, die wir heute unwiderruflich bilden.

Diese Strategien müssen uns weiter befähigen, über die Unterschiede angemessen nachdenken und darauf reagieren zu können und unser eigenes Verständnis von Pluralität zu hinterfragen. Interkulturelle Kompetenz zu erwerben ist bei diesem Prozess eine Schlüsselkompetenz und für unsere Gesellschaft unverzichtbar und notwendig. 

Förderung interkultureller Kompetenz bei der Bundespolizei am Frankfurter Flughafen durch das Zentrum Ökumene der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau
Beamtinnen und Beamten der Bundespolizei, die bei ihrem Dienst mit vielen Menschen aus anderen Ländern und Kulturen in Kontakt kommen, bietet das Zentrum Ökumene der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) in Zusammenarbeit mit der Bundespolizei seit zwölf Jahren kulturübergreifende Fortbildungen an. Für das evangelische Zentrum ist Jean-Félix Belinga Belinga zuständig. Der aus Kamerun stammende Theologe ist im Zentrum Ökumene Referent für interkulturelle Bildung.

Seit mehr als 14 Jahren arbeiten die EKHN und die Bundespolizei bei dem Projekt „Förderung der Interkulturellen Kompetenz“ zusammen, über 1.500 Bundespolizistinnen und -polizisten haben die Fortbildungsveranstaltungen im Zentrum Ökumene besucht. Für Belinga Belinga ist es besonders wichtig, den Beamtinnen und Beamten ein Gespür dafür zu vermitteln, welche kulturellen Unterschiede mitunter aufeinanderprallen. Ihnen zu zeigen, welche Chance es gibt, trotz aller möglichen Spannungen die Würde aller Menschen zu achten.

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Du wirst Gottes Kraft in der Schwachheit erfahren,
nicht vorher, nicht daran vorbei.
In der eigenen Schwachheit, in den Dingen,
um die ich einen großen Bogen mache,
meine Tabus, meine wunden Punkte.
Aber es tut nicht nur weh, es tut auch gut,
am wunden Punkt berührt und geheilt zu werden.
Und es führt kein Weg daran vorbei,
wenn es richtig gut werden soll.

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