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Pfarrerin und Bloggerin

„Auf der Goldwaage“

Anne BuschIn ihrem Blog legt Pfarrerin Barbara Friedrich so manches Wort auf die Goldwaage.

Barbara Friedrich ist Theologin, Germanistin und Buchhändlerin. Seit neuestem kommt die Pfarrerin der evangelischen Kirchengemeinde Gravenbruch in ihrem Blog „Auf der Goldwaage“ mit den Menschen ins Gespräch.

Petra RiesingerBarbara Friedrich ist Theologin, Germanistin, Buchhändlerin und seit neuestem Bloggerin.

Die Idee trug die 60-Jährige schon relativ lange mit sich herum. Zu Beginn dieses Jahres nahm das Projekt während einer dreimonatigen Studienzeit Gestalt an, lautete ihr Thema doch „Predigen in entzauberter Welt“. „Ich beschäftigte mich damit, wie Pfarrerinnen und Pfarrer heute kommunizieren, wie die Verkündigung von Gottes Wort aktuell im weitesten Sinne aussehen kann und welche Formen es dafür gibt“, erklärt sie. Daraus hervorgegangen ist nun ihr Blog „Auf der Goldwaage“.

Tod, Sterben und der Sinn des Lebens

„Ich finde es interessant und wichtig, mich mit möglichst vielen Leuten über unterschiedliche Themen auszutauschen“, beschreibt sie ihre Beweggründe. Hier nennt sie die Bereiche Tod und Sterben ebenso wie die großen Fragen nach dem Sinn des Lebens oder die Auseinandersetzung damit, „wie können, wie sollten wir leben“. Seit sie im Dezember 2015 ihre Stelle in Gravenbruch antrat, habe sie viele Menschen kennengelernt, die nicht unbedingt regelmäßig in die Kirche gehen, aber durchaus Gesprächsbedarf bekundeten. Ihren Blog sieht sie als eine Möglichkeit, den Kontakt zu diesen Personen zu halten und somit den Kreis der treuen Gottesdienstbesucher ein wenig zu überschreiten.

Vielen Menschen erschließen sich ihrer Erfahrung nach die Inhalte der kirchlichen Feiertage nicht mehr so ohne weiteres. „Bibelkenntnis ist nicht mehr vorauszusetzen, das religiöse Wissen wird nicht mehr von einer Generation an die nächste weitergegeben“, erläutert die Theologin. In etlichen Gesprächen erlebe sie immer wieder die Suche nach Traditionen. 

Die Bibel heute verstehen

Teil ihrer Motivation sei auch ein aufklärerischer Aspekt, so Friedrich. „In der Bibel gibt es so viel zu entdecken – unabhängig davon, ob man glaubt, oder nicht“, weiß die Pfarrerin. „Ich möchte mit meinen Beiträgen helfen, Vorurteile zu überwinden“, gibt sie zu. Dies betreffe insbesondere Inhalte des Alten Testaments, die über die Jahrhunderte häufig eine schwierige Deutung erfahren hätten.

So erklärt sich auch der Name: „Für eine Seelsorgerin ist es wichtig, jedes Wort auf die Goldwaage zu legen; die Worte, die ich höre; die Worte, die ich spreche“ so Friedrich. „Wenn wir Bibeltexte auslegen, sollten wir auch jedes Wort auf die Goldwaage legen, damit wir jedes Gramm Gold finden in den Texten, damit wir niemanden verletzen und keine uralten Vorurteile und Irrtümer weitertragen“, ist die leidenschaftliche Bibelpädagogin überzeugt.

In ihrem Blog will sie Theologie und Literatur zusammenbringen und hat sich eine Aufteilung in verschiedene Rubriken einfallen lassen: In der „Schatzsuche“ geht es um wichtige Bibelstellen. „Literatur“ greift religiöse Themen in Büchern und Zeitschriften auf, während „Zeitungsworte“ eigene Texte für verschiedene Druckerzeugnisse enthalten. Unter „Bilder“ stellt sie persönliche Motive ein, mit denen sie besondere Erinnerungen verbindet. Derzeit ist dort ein altes Foto ihrer Mutter, Großmutter und Großtante zu sehen. Es zeigt sie an der Kapelle des Ortes in Oberbayern, wo sie als Kind ihre Ferien verbrachte. 

Webseite bewusst auf Dialog ausgelegt

Ihre Webseite hat sie bewusst dialogisch angelegt. „Ich wünsche mir, dass die ‚Goldwaage‘ als Kommunikationsforum genutzt wird“, so ihr Plan. „Wenn erlaubt, veröffentliche ich auch Reaktionen von Lesern“, erzählt die Germanistin. „Je nach persönlichen Erfahrungen kann man ein Thema aus verschiedenen Perspektiven betrachten, das würde ich gerne abbilden.“ Ohnehin haben aus ihrer Sicht Literatur und Seelsorge viel miteinander zu tun: „Indem sie in die Erfahrungen und Geschichten anderer eintauchen, kann es vielen Menschen dabei helfen, mit ihren eigenen Erlebnissen in Kontakt zu kommen“, weiß sie. „Die biblischen Geschichten sind voller Lebensklugheit, sie können eine ähnliche Funktion haben wie Literatur heute – unabhängig davon, wie das jeweilige Verhältnis zu Gott oder Kirche ist.“ 

Erreichbar ist der Blog unter folgender Adresse: https://aufdergoldwaage.wordpress.com/. „Es ist ein echter Versuch, zunächst für ein Jahr“, sagt die frischgebackene Bloggerin. „Mal schauen, wie viel Zeit ich selbst dafür finden werde und wie viele Menschen es interessieren kann“, so ihre Überlegung. Ende April veröffentlicht, hat die „Goldwaage“ inzwischen immerhin rund 50 Abonnenten, die ihre Gedanken lesen und teilen möchten – Tendenz steigend. 

Weitere Informationen:
Pfarrerin Barbara Friedrich
Evangelische Kirchengemeinde Gravenbruch
E-Mail: barbara.friedrich@ekhn.de
Telefon: 06102 - 51928

Zur Person:
Barbara Friedrich ist Pfarrerin der evangelischen Kirchengemeinde Gravenbruch. Die gebürtige Berlinerin wuchs in Mainz auf. Nach dem Abitur absolvierte sie zunächst eine Buchhändlerlehre, anschließend studierte sie Germanistik und Theologie. Dem Magister-Abschluss in Heidelberg folgte das Examen bei der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN). Nach dem zweiten kirchlichen Examen war sie fünf Jahre lang als Religions- und Bibelpädagogin im Frankfurter Bibelhaus Erlebnismuseum tätig. Anschließend wirkte sie neun Jahre in der Johannesgemeinde in Hofheim am Taunus. Die 60-Jährige ist verheiratet, Mutter zweier erwachsener Töchter und lebt mit ihrem Mann in Schwalbach am Taunus.

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Gott stellt unsere Füße auf weiten Raum
und ich glaube, er tut das auch durch die,
die mit uns leben.

(Melanie Beiner zu Psalm 31,9)

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