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Interview mit Krankenhausseelsorger

Frank Dönges vermisst Gespräche mit Patienten

Peter BongardFrank Dönges hofft, bald wieder näher und häufiger bei den Patientinnen und Patienten sein zu können.

Als Pfarrer für Krankenhausseelsorge ist Frank Dönges oft bei Menschen, die krank oder seelisch belastet sind. Manchmal spricht und betet er mit ihnen, manchmal hört er einfach nur zu. Dinge, die den Patienten im Klinikalltag eine große Hilfe sein können. Gerade in Corona-Zeiten. Aber so einfach ist das nicht.

Denn obwohl sich viele Patienten in diesen verrückten Tagen Beistand wünschen, kann Frank Dönges nicht bei ihnen sein. Und das beschäftigt den Pfarrer, wie er im Interview sagt.

Herr Dönges, wie sieht zurzeit Ihr Alltag als Krankenhausseelsorger aus?

Frank Dönges: Ich bin nach wie vor täglich im Krankenhaus – aber nicht mehr so lange wie vor der Corona-Krise. Aber ich halte den Kontakt zu den Mitarbeitenden, spreche mich mit ihnen ab und bin da, wenn jemand das Gespräch sucht.

Und wie ist es mit dem Kontakt zu den Patienten?

Die Zugangsbeschränkungen gelten auch für mich. Deshalb darf ich nur in ganz dringenden Fällen zu ihnen gehen. Neulich habe ich nachts eine Aussegnung vorgenommen: Der Patient war kurz zuvor eingeliefert worden und ist dann im Krankenhaus verstorben. Auch einen Corona-Patienten habe ich schon ausgesegnet. Darüber hinaus versuchen meine katholischen Kollegen und ich den Kontakt zu den Patienten einigermaßen aufrecht zu erhalten – etwa mit ausgedruckten geistlichen Impulsen oder per Video-Andachten.

Was fehlt Ihnen zurzeit besonders?

Die Gespräche mit den Menschen empfinde ich als bereichernd. Und diese Gespräche vermisse ich wirklich sehr. Aber ich akzeptiere die Situation. Schließlich will ich kein Überträger der Krankheit sein.

Aber Sie tragen bei ihren Besuchen doch sicher Schutzkleidung?

Natürlich. Aber ich brauche für jeden Patientenbesuch einen frischen Satz Schutzkleidung, den ich in dem Moment ja dem Pflegepersonal wegnehme. Und die benötigen die Sachen viel dringender als ich.

Woraus besteht denn solch eine Ausrüstung?

Ich trage eine Kopfbedeckung, eine spezielle Brille, Handschuhe, einen Kittel und die Gesichtsmaske. Außerdem habe ich eine Hygieneausbildung absolviert und musste lernen, wie man die Ausrüstung korrekt an- und auszieht. Die Brille muss hermetisch abgeschlossen sein, damit nichts an die Augenschleimhäute kommt; die Handschuhe müssen über die Ärmel des Schutzanzugs gezogen werden; es dürfen keine Haare aus der Haube herausschauen. Und beim Ausziehen muss ich dann eine spezielle Reihenfolge beachten und mir zwischendurch immer wieder die Hände desinfizieren. Aber im Vergleich zu dem, was die Ärzte und Pflegenden Tag für Tag erleben, ist das eine Kleinigkeit. Die müssen die Ausrüstung den ganzen Tag tragen – und das ist heftig: Die Brille drückt; Du kannst schwer atmen und schwitzt.

Wie erleben Sie denn die Stimmung in den Kliniken?

Die Stimmung ist eigenartig: Ich glaube, dass wir hier im Westerwald bis jetzt noch recht glimpflich davon gekommen sind. Die Krankenhäuser sind noch nicht an der Kapazitätsgrenze – weder was die Beatmungsgeräte noch die Intensivbetten angeht. Auf der anderen Seite belastet die Situation die Pflegenden sehr. Nicht nur wegen der Schutzkleidung. Sondern vor allem wegen dieser permanente Ungewissheit: die Sorge und das Unwissen über das, was noch kommen könnte.

Reden die Pflegekräfte oft mit Ihnen über diese Belastung?

Vorher kam das recht häufig vor. Jetzt aber eher seltener. Wie erklären Sie sich das? Viele Pflegende und Ärzte sind zurzeit sehr angespannt. Jeder schaut auf das, was als nächstes zu tun ist und arbeitet sehr konzentriert und fokussiert. Zum Nachdenken über die eigenen Befindlichkeiten bleibt da glaube ich gar nicht so viel Zeit.

Lassen Sie uns in die Zukunft blicken: Was werden die Krankenhäuser der Region aus dieser Zeit lernen?

Ich finde, dass unsere Krankenhäuser sehr gut mit der Krise umgehen: Sie waren vorbereitet, bevor die ersten Fälle den Westerwald erreicht haben, haben sich rasch auf die Situation eingestellt und schon früh überlegt, wie sich Patienten isolieren lassen. Und ich habe den Eindruck, dass die Corona-Krise die Mitarbeitenden zusammenschweißt. Die gegenseitige Unterstützung ist sehr hoch. Wenn ich mir etwas wünschen könnte, dann wäre es, die digitalen Medien noch stärker zu nutzen – gerade dann, wenn Kranke nicht von ihren Angehörigen besucht werden können. Dann haben sie wenigstens diese Möglichkeit, in dieser seltsamen Zeit miteinander sprechen zu können.

Das Gespräch führte Peter Bongard

Zur Person: Pfarrer Frank Dönges

Seit 2012 ist Frank Dönges Krankenhausseelsorger im Evangelischen Dekanat Selters, das inzwischen mit dem Dekanat Bad Marienberg zum Dekanat Westerwald fusioniert ist. Zuständig ist er für die Krankenhäuser in Selters, Dernbach und Montabaur. Außerdem ist Frank Dönges Mitglied im Vorstand und Beirat des Evangelischen Hilfsvereins Selters als Trägers des Evangelischen Krankenhauses Selters und Mitglied im Ethikkomitee Dernbach. Als Krankenhausseelsorger bietet er Begleitung und Beistand an und sucht mit den Patienten nach neuen Perspektiven, neuen Ideen und Impulsen für die Zeit nach dem Krankenhausaufenthalt. Frank Dönges ist da, wenn ein Patient oder eine Patientin oder deren Angehörige etwas auf dem Herzen haben und reden möchten, Gebet oder das Abendmahl gewünscht werden oder Gottesdienste im Krankenhaus gefeiert werden (bon)

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Gottes Kraft ist in den Schwachen mächtig.

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