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Sehnsucht nach dem Paradies

Rasterlocke / PIxabayGetreide, Feld, Junge, HimmelHeimat, das sind Gerüche, Erinnerungen, Gefühle...

Heimat ist viel mehr als der Ort, an dem man aufgewachsen ist. Heimat ist auch die Familie und heimatlich ist die Kultur, in der man zu Hause ist. Man kann seine Heimat verlieren und man kann eine neue Heimat finden. Und schließlich kann auch der Glaube zur Heimat werden. Kurz gesagt: Heimat ist die Sehnsucht nach dem Paradies.

Die Bibel gibt es ganz unterschiedliche Wörter und Wendungen für Heimat. Das Wort Heimat kommt - einschließlich der erweiterten (apokryphen) Schriften - überhaupt nur fünfmal vor. Gemessen an der Gesamtzahl der Wörter in der Bibel von knapp 800.000 ist das extrem wenig. Manchmal ist auch vom „Vaterland“ die Rede oder vom „Land in dem Milch und Honig fließen“. Heimat ist immer auch der Tempel auf dem Zionsberg. Oder es ist das Paradies, das Adam und Eva verlassen müssen.

Wie die Bibel über Heimat spricht

Wie trocken der schwerwiegende Verlust der Heimat erwähnt wird, zeigt die Berufung des Abraham (1. Mose 1-9): „Geh aus deinem Vaterland und von deiner Verwandtschaft und aus deines Vaters Hause in ein Land, das ich dir zeigen will“, sagt Gott in der Erzählung, und verspricht vielfältigen Segen. Und schon zwei Sätze später geht die Geschichte ohne Klagen und Gefühle weiter: „Da zog Abram aus, wie der HERR zu ihm gesagt hatte“. Auch sein Enkel Jakob wird seine Heimat verlassen und nach Ägypten ziehen.

Hinter der manchmal trockenen Sprache der Bibel sind starke Gefühle verborgen, etwa wenn das Buch der Sprüche den Vergleich zum Vogelnest findet: „Wie ein Vogel, der aus seinem Nest flüchtet, so ist ein Mann, der aus seiner Heimat flieht“ (Spr. 27,8). Ein Zurück ins Nest gibt es nicht. Die Erfahrung, fremd zu sein fern von der Heimat, hat auch zu einer freundlich-sachliche Haltung gegenüber Fremden geführt: „Einen Fremdling sollst du nicht bedrücken und bedrängen; denn ihr seid auch Fremdlinge in Ägyptenland gewesen“ (2. Mose 22,20).

Wie die Heimat gern verklärt wird

Die Rettung aus Ägypten ist das ganze große Heimat-Thema im Alten Testament. Sie beginnt mit Josef, der nach Ägypten verkauft wird. Das allein ist schon eine aufregende Reisegeschichte. Daraus entwickelt sich eine Reisetätigkeit, die wir heute als Road-Movie bezeichnen würden. Als nämlich Josef  Wohlstand im Land schafft, siedelt sich Jakob mit seiner Familie in Ägypten an und es wächst ein ganzes Volk heran, das jedoch zunehmend versklavt wird. Als dann Mose das versklavte Volk in einer abenteuerlichen Verfolgungsgeschichte durchs Rote Meer und die Wüste Sinai führt, sehnen sich die ehemaligen Sklaven plötzlich nach den „Fleischtöpfen Ägyptens“. Schnell haben die Befreiten das Elend der Sklaverei vergessen und verklären die Heimat ihres Elends. Die Bibel beschreibt einen 40-jährigen Irrweg, der schließlich im „Gelobten Land“ endet, dem „Land wo Milch und Honig“ fließen.  

Stark ist die Sehnsucht nach Jerusalem und dem Tempel auf dem Zionsberg, als die Oberschicht  des jüdischen Volkes nach Babylon deportiert war: „An den Wassern zu Babel saßen wir und weinten, wenn wir an Zion gedachten…“ (Psalm 137). Die Erinnerung an die 58-jährige Deportation in der Fremde mit fremden Göttern und fremder Kultur nimmt im Alten Testament einen breiten Raum ein. Neben der Klage wurde auch die Hoffnung niedergeschrieben, zum Beispiel beim Propheten Jeremia: „Deine Kinder sollen wieder in ihre Heimat kommen“ (Jer. 31,17).

Heimat für das Volk der Juden

Als im Jahr 70 nach Christus der Tempel zerstört wurde und das jüdische Volk in die ganze Welt zerstreut wurde, erwachte wieder die Sehnsucht nach dem heimatlichen Tempelberg und dem verlorenen Ort, von dem der gläubige Jude sagt, dass er dort Gott findet. Die Sehnsucht nach der verlorenen Heimat bewegte viele Juden über 1.800 Jahre hinweg. Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts wanderten Juden nach Palästina ein und ließen sich dort als Siedler nieder, auch mit dem Ziel einen selbständigen jüdischen Nationalstaat zu schaffen. Nach dem Holocaust und dem Rückzug der Engländer aus Palästina konnte schließlich 1948 der Staat Israel gegründet werden.

Herkunft ist wichtig

Auch Heimat und Herkunft sind in der Bibel wichtig, um zu belegen, wie Gott das Heil für seine Menschen schafft. So berichten die Evangelien, dass Josef, wegen der Volkszählung, mit Maria in seine Heimatstadt Bethlehem reisen musste. In dieser Kleinstadt sollte der Messias geboren werden, wie der Prophet Micha angekündigt hatte: „Und du, Bethlehem Efrata, die du klein bist unter den Tausenden in Juda, aus dir soll mir der kommen, der in Israel Herr sei…“ (Micha 5,1). Nach der Überlieferung konnte der Messias nicht in Nazareth geboren werden. Es musste Bethlehem sein.

Später erzählt Jesus das Gleichnis vom verlorenen Sohn, wo der Vater zur Heimat wird, als er den Herumtreiber ohne irgendein ermahnendes Wort in die Arme nimmt und gegen andere Familienmitglieder verteidigt. Das Gleichnis beschreibt die wiedergewonnene Heimat als Vater (Lukas 20).  Und der Vater ist Gott. Heimat bei Gott für viele verspricht der Evangelist Johannes, indem er Jesus sagen lässt: „In meines Vaters Haus sind viele Wohnungen.“ Diese blumigen Worte umschreiben Gottes Himmel. Dieser beginnt mitten in der Welt und reicht bis zur Schöpfung einer neuen Welt.

Gott verspricht ein neues Paradies

Die allgemein menschliche Erfahrung heimatlos zu sein, beschreibt die Bibel mit dem Verlust des Paradieses. So gesehen ist die Sehnsucht nach Heimat nichts anderes als die Sehnsucht nach dem Paradies. Volkstümlich ist die Geschichte vom Schlaraffenland. Aber die Bibel schaut viel weiter über die gegenwärtige Zeit hinaus. So schreibt der Apostel Paulus an die Gemeinde in Korinth: „Wenn unser irdisches Haus, diese Hütte, abgebrochen wird, so haben wir einen Bau, von Gott erbaut, ein Haus, nicht mit Händen gemacht, das ewig ist im Himmel“ (2. Korinther 5,1).

[Pfarrer Hans Genthe)

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Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist, und was der HERR von dir fordert,
nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott.

Micha 6, 8

Bild: Mit freundlicher Genehmigung von Hans Genthe

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