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Küssen verboten – nicht in der Bibel

Valeriy_G/istockphoto.com

„Küssen verboten“, singt die Pop-Band die Prinzen. Mit diesem Thema stehen die Sänger aber ziemlich allein, vom Küssen schwärmen viele Songs. Und nur wenige Filme kommen ohne Kussszenen aus.

Auch in der Bibel ist Küssen nicht verboten. Warum auch? Im Gegenteil, es wird viel geküsst. Kein Wunder, denn schließlich ist die Bibel so etwas wie eine Liebesgeschichte Gottes mit dem Menschen. Keine ganz einfache, eher eine verwickelte. Aber so sind Liebesgeschichten ja meistens.

Eine Liebesgeschichte

Sie beginnt mit dem Ursprung aller Küsse. Im 1. Buch Mose wird erzählt, wie Gott den Menschen aus „Erde vom Acker“ geformt hat. Dann hat er mit seinem Mund die Nase des Menschen umschlossen und ihm Atem eingeblasen. Der erste Lebenskuss.

Von Jesus wird erzählt, dass er seine Jünger angehaucht hat: „empfangt den Heiligen Geist!“. Auch ein Lebenskuss.

Jesus küsste und wurde geküsst. Eine Frau in Kapernaum ließ zum Beispiel nicht ab, ihm unter Tränen die Füße zu küssen.

Sehr intim wird es, als Jesus die Finger in den Mund nimmt, etwas Speichel herausnimmt und ihn einem Blinden auf die Augen streicht.

Tränke mich mit Küssen!

Hoch erotisch wird es aber im „Hohen Lied der Liebe“: „Er küsse mich mit dem Kusse seines Mundes; denn deine Liebe ist lieblicher als Wein!“ Der jüdische Religionsphilosoph Martin Buber übersetzt das sogar: „Er tränke mich mit den Küssen seines Mundes!“

Und weiter: „Seine Lippen sind Lotosblumen, flüssige Myrrhe träufelt von ihnen - sein Gaumen ist Süße, und alles an ihm ist begehrenswert“. Sinnlicher geht es fast nicht.

Außerhalb des Hohen Liedes findet man nur noch Andeutungen von erotischen Küssen: etwa als Jonathan und David sich küssen, zwei Männer, deren Seele sich verbunden hatte „als wären sie eins“. Oder der erste Kuss zwischen Jakob und Rahel, um die er so lange kämpfen muss. Das ist zwar ein Kuss zwischen Cousin und Cousine, aber Jakob liebt Rahel wohl vom ersten Moment an.

Spielarten des Kusses

Küsse können in der Bibel verschiedene Bedeutung haben. Fast alle Spielarten, die Franz Grillparzer in seinem Gedicht „Der Kuss“ (siehe rechte Spalte) nennt, kommen vor, und einige mehr noch. Geküsst wird – wie heute – zur freudigen oder ehrenvollen Begrüßung und zum Abschied. Die Füße werden geküsst zur besonderen Würdigung, die Stirn zum Zeichen des liebevollen Segens.

Christen sollen einander küssen, fordert die Bibel immer wieder. „Grüßt einander mit dem Heiligen Kuss!“. Im Mittelalter wurde das der Amtskirche suspekt. Geküsst wurde im Gottesdienst fortan nur noch symbolisch durch das Weiterreichen von „Kusstafeln“, die man statt der Mitchristen küsste und dann weitergab.

Falsche Küsse

Die Bibel kennt auch „falsche Küsse“ und warnt vor ihnen. Sie erzählt beispielsweise von Absalom, der gerne höchster Richter geworden wäre und deshalb jedem, der sich ihm näherte, die Hand hinstreckte und ihn küsste. Und in den Sprüchen heißt es „Schläge von Freunden sind treu gemeint – aber trügerisch sind die Küsse von Feinden!“

Ein „trügerischer Kuss“ ist sprichwörtlich geworden: der Judaskuss. Mit ihm soll Judas Jesus verraten haben. Eine heute umstrittene Behauptung.

Ein Kuss, der die Welt verändert

Ein ganz anderer Kuss findet sich in Psalm 85. „Gottes Hilfe ist nahe“, heißt es da, „dass Friede und Gerechtigkeit einander küssen“. Das wäre ein Kuss, der die Welt verändert.

[Pfarrer Horst Peter Pohl]

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Siehe, jetzt ist die Zeit der Gnade, siehe, jetzt ist der Tag des Heils!

2. Korinther 6, 2

Bild: Mit freundlicher Genehmigung von Hans Genthe

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