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Eine Mutter, wie sie im Buche steht - Mütter in der Bibel

Maître de Jouvenel et collaborateurs, Bibliothèque nationale de France (BNF)Mose wird von seiner Mutter ausgesetztMose wird von seiner Mutter ausgesetzt, um sein Leben zu retten

Eine Mutter „wie sie im Buche steht“, muss nicht unbedingt eine „gute“ Mutter sein. Jedenfalls in der Bibel nicht. Sie erzählt Geschichten von Müttern in fast jeder denkbaren Rolle und Konstellation. In ihrem Buch „Mütter der Bibel“ erzählt Margot Käßmann in 20 kleinen Porträts die Geschichten von Müttern in der Bibel und setzt sie in Bezug zu den Diskussionen unserer Zeit. Nahezu alle Themen, die in Bezug auf Mutterschaft heute diskutiert werden, kannten auch die biblischen Verfasser.

Die bevorzugende Mutter

Eine dieser Mütter ist Rebekka, die Frau von Isaak. Bei Rebekka bekommt das Bild einer liebevollen und gerechten Mutter Risse. Denn sie bevorzugte einen ihrer Zwillingssöhne, Jakob. Das Nachsehen hatte Esau, der allerdings seinem Vater näher stand. Margot Käßmann schreibt dazu: „Solche Bevorzugung eines Kindes verunsichert die Söhne. Und wird sie ein Leben lang prägen. Zieht ein Elternteil ein Kind vor, so verletzt das immer das andere Kind.“  Sie macht deutlich, dass Ungleichbehandlung von Kindern Zerstörung in sich berge und eine destruktive Kraft in Gang setze. Die Autorin betont, dass es wichtig sei, dass Eltern sich ihre Gefühle eingestehen und sich bewusst um Zuwendung und Gerechtigkeit für das andere Kind bemühen. Doch Rebekka reflektiert ihre Gefühle nicht. Die Situation spitzt sich zu. Als der fast erblindete Vater Isaak im Sterben liegt und seinem Sohn Esau den Erstgeborern-Segen geben will, stiftet Rebekka ihren Sohn Jakob zu einer List an. Jakob täuscht seinen Vater, indem er sich als sein Bruder verkleidet und sich ein Schaffell um die Arme wickelt, denn sein Bruder Esau war stark behaart. Der Vater betastet ihn – und segnet ihn schließlich. Kurz darauf entdeckt Esau den Schwindel. Es dauert Jahrzehnte, bis sich die Brüder wieder begegnen und verzeihen können. Über Rebekka zu urteilen, ist leicht. Doch sie lebte in einer Welt, in der manche Regeln ebenfalls für Ungerechtigkeit sorgten, wie beispielsweise das Erstgeburtsrecht. Wie kann sich eine Mutter in einer ungerechten Welt gerecht verhalten? Es braucht auch einen Blick auf die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und das Verhalten der Ehemänner. 

Vielfältige Persönlichkeiten

Die Bibel malt nicht das Bild der kleinen, heilen Familie.  Nichtgewollte Mutterschaft gibt es genauso wie Kinderlosigkeit, Rabenmütter und Mütter, die ihre Kinder weggeben. Sie berichtet von „verwaisten“ Müttern und Müttern kranker Kinder, von Schwiegermüttern und Stiefmüttern. Früh verstorbene Mütter findet man genauso wie sehr späte Mutterschaft. Selbst eine Mutter, die ihr Kind aussetzt, kommt in der Bibel vor. Sie wird dafür nicht verurteilt. Denn für die Mutter des kleinen Mose war dies die einzige Möglichkeit, ihr Kind zu retten. Mose wäre sonst nach der Geburt getötet worden. 

Unterschiede zur heutigen Situation

Ausnahmen gibt es natürlich. Von „Regenbogenfamilien“ mit lesbischen Müttern erzählt die Bibel nichts, auch nicht von Vätern, die gemeinsam Kinder großziehen. Beides wäre in der antiken Welt mit ihrem patriarchalischen Familienbild nicht denkbar gewesen. Hier macht die Bibel nur zarte Andeutungen: von Ruth, die überall hingehen will, wo ihre Freundin (und Schwiegermutter) Noomi hingeht oder von Jonathan, der großen Gefallen an David fand. Allerdings lebten die Menschen der biblischen Zeit auch nicht in Kleinfamilien, sondern eher in großen Clans, innerhalb deren es vielfältige Formen von Beziehung gab.

[Pfarrer Horst Peter Pohl]

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Seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht.

Lukas 21, 28

Bild: Mit freundlicher Genehmigung von david-hertle / unsplash

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