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Digitalisierung

Jung zu Chancen und Gefahren der Digitalisierung

H.Wiegers

Den Fragen, was zunehmende Digitalisierung für den Menschen bedeutet, und wie sich Christen zu dieser Entwicklung verhalten sollten, ging Kirchenpräsident Dr. Volker Jung auf Einladung der Binger Volkshochschule in einem Vortrag an der TH Bingen nach.

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Mit Hilfe der Digitalisierung unsterblich werden - Ziele wie dieses werden im kalifornischen Silicon Valley, einem der weltweit bedeutendsten Standorte der IT- und Hightech-Industrie, seit längerem ernsthaft verfolgt. Der Präsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Dr. Volker Jung, hat sich 2016 vor Ort davon überzeugen können, dass es dort Menschen gibt, die mit der Digitalisierung eigene Erlösungsphantasien verfolgen. Eine Herausforderung (nicht nur) für jeden Theologen.

Jung, der auch Vorsitzender des Aufsichtsrates des Gemeinschaftswerkes der Evangelischen Publizistik der EKD in Frankfurt ist und daher auch gerne als Medienbischof bezeichnet wird, berichtete im Rahmen eines Vortrages zur Semestereröffnung der Binger Volkshochschule über seine intensive Auseinandersetzung mit diesem Thema.

Digitalisierung sei mit der Industriellen Revolution des 19. Jahrhunderts vergleichbar

Vor mehr als 200 Zuhörern im Vorlesungssaal der Technischen Hochschule Bingen erklärte Jung, dass die Digitalisierung in all ihren Facetten den Menschen auch in Frage stelle: „Das ist durchaus mit der Industriellen Revolution des 19. Jahrhunderts vergleichbar, die für die Menschen Erleichterung und Kränkung in einem bedeutete“. Der Theologe machte deutlich, dass die Verlängerung des menschlichen Bewusstseins mit Hilfe von künstlicher Intelligenz nicht mit der christlichen Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod verwechselt werden darf. Tod und Auferstehung seien für Christen gerade wichtige Zäsuren. Das Ewige Leben sei keine schlichte Verlängerung des jetzigen Daseins, sondern ein vollkommen neues und erneuertes Leben in Gottes Gegenwart. Eine Perspektive, die für den Einzelnen deutlich mehr Hoffnung in sich trägt.

Orientierungswissen

Außerdem forderte der Kirchenpräsident seine ZuhörerInnen auf, sich nicht nur „Verfügungswissen“ anzueignen, um die neue Technik zu beherrschen, sondern sich auch um „Orientierungswissen“ zu bemühen, um die Gefahren der Digitalisierung zu erkennen, eine Abhängigkeit zu vermeiden und Freiheit zu gewinnen. Die Rolle der Kirche, als wichtige Stimme in der Gesellschaft, sieht der Kirchenpräsident nicht darin als Moralapostel aufzutreten. „Was wir anbieten können“, so Jung, „sind Perspektiven. So z. B. wie Welt und Mensch zu verstehen sind und wie wir unsere Gedanken auf das Andere lenken können, was uns in den Grundlagen als Mensch ausmacht.“

Digitalisierung sensibel gestalten

Ausgehend von der Überlegung, dass es ein Geheimnis des Lebens, einen von Gott eingehauchten Odem des Lebens gebe, den der Mensch mit der Künstlichen Intelligenz nicht reproduzieren könne, fragte Jung: „Werden Maschinen Bewusstsein haben, so wie wir Bewusstsein entwickeln?“ und beantwortete diese mit den Worten: „Meine These: sie werden es nicht tun“, und er appellierte an seine Zuhörer, die eigene Endlichkeit zu erkennen und zu bejahen, und die Transformation der Gesellschaft durch die Digitalisierung sensibel zu gestalten.

Der Vortrag des Kirchenpräsidenten traf im Publikum auf breite Zustimmung und wurde mit einem langanhaltenden Applaus belohnt. Die Binger Volkshochschule wird diesen gelungenen Semesterauftakt zum Thema Digitalisierung u. a. mit einem Interreligiösen Gespräch unter dem Titel „Gottesdienst im Cyberspace? Chancen und Grenzen der neuen Medien für die Religion“ am 19.03.2020 um 19.30 im Ida-Dehmel-Coblenz-Saal fortsetzen. Dann werden Vertreter des Islams (Dr. Mohammed Naved Johari) und der Katholischen Kirche weiter über dieses Thema mit dem Publikum diskutieren.

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Die wirklichen Beziehungen zwischen Menschen
sind immer ein Angewiesensein,
ein Einander-Brauchen.

(Dorothee Sölle)

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