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Billige Milch

Landwirte mit Leidenschaft

Matthias PierenBärbel Sänger muss die Käselaibe während des Reifeprozesses immer wieder mit Salzwasser bestreichen.

Kühe auf den Weiden prägten jahrzehntelang das Bild der heimischen Landwirtschaft – heute wissen manche Kinder gar nicht mehr, woher die Milch kommt.

Gut eine Million Exemplare der Zeitschrift Landlust werden Monat für Monat verkauft. Das Lebensstil-Magazin zählt damit zu den auflagenstärksten Titeln in Deutschland. Es präsentiert seinen Lesern »die schönen Seiten des Landlebens«.
Doch die Realität sieht oft weniger gut aus. »In den vergangenen Jahren mussten die Bauernfamilien in Hessen starke Gewinneinbußen hinnehmen«, sagt der Präsident des Hessischen Bauernverbandes, Karsten Schmal, Anfang des Jahres. »Viele Höfe wurden in ihrer wirtschaftlichen Existenz bedroht.«

Heimische Milchproduktion vor die Wand gefahren

Hessens Milchbauern haben drei extrem schwierige Jahre hinter sich. Für einen Liter erzeugter Milch erhielten sie zeitweise weniger als 20 Cent von den Molkereien. Nicht wenige haben deshalb die Milchwirtschaft aufgegeben. »Bei Milchpreisen im Lebensmittel-Discounter von 50 Cent pro Tüte Milch wurde die heimische Milchproduktion vor die Wand gefahren. Um wirtschaftlich bestehen zu können, sind Erlöse deutlich über 30 Cent je Liter nötig«, sagt Schmal.

Viele Landwirte mussten Kredite aufnehmen

Aktuell hat sich der Milchmarkt erholt. Die Bauern erhalten wieder 35 Cent für den Liter. Der Preis steigt weiter, die 40 Cent-Marke könnte erreicht werden. Doch reich werden die Bauern nicht, zumal viele von ihnen Kredite aufnehmen mussten, um den Betrieb überhaupt aufrecht halten zu können.

Produzenten wertvoller Lebensmittel

Dennoch üben die heimischen Landwirte ihren Beruf mit Leidenschaft und Überzeugung aus. Wer Landwirtschaft in gut – Bio – und schlecht – konventionell – klassifiziert, der denkt zu kurz. Alle Bauern tragen dazu bei, wertvolle Lebensmittel zu produzieren.

Ungewöhnliche Kühe auf der Weide

Der Weg zum Hof der Familie Sänger etwa ist ausgeschildert. »Hofeigene Käseproduktion« steht auf dem Holzschild, das den Weg in die Fürst-Walrad-Straße weist. Im südlichsten Zipfel des Lahn-Dill-Kreises grast am Ortsrand von Hasselborn eine kleine Schar ungewöhnlicher Kühe auf einer Weide. Es sind die Milchkühe der Sängers. Charakteristisch für die Rasse der Pinzgauer ist ihre typische Weißzeichnung. Über den kompletten Rücken verläuft ein breiter weißer Streifen, während der eigentliche Rumpf rotbraun ist. Auch Bauch, Euter und Schwanz sind weiß.

Hörner helfen bei der Verdauung

»Für unsere hofeigene Käseproduktion wollten wir eine andere Rasse als die üblichen Hochleistungskühe«, erzählt Bärbel Sänger. »Für die Milchkuhhaltung ist es ungewöhnlich, dass die Tiere auch Hörner tragen. Bei den Pinzgauern hat man diese belassen, weil sie die Hörner bei der Verdauung zum Ausgasen brauchen.«
 Zum Hof der Sängers gehören zudem die beiden Hofhunde Lilly und Kalle sowie die Kätzchen Lotti und Mathilda. Und natürlich die sechs Milchkühe mitsamt ihren Jungtieren sowie die vier Kaltblutpferde, die Thomas Sänger ganz traditionell als Holz-Rückepferde im Forst einsetzt.

Rinder werden zwei bis drei Jahre gemästet

Zwei Bei den Sängers ist alles etwas kleiner dimensioniert. Lediglich 25 Hektar Weide und Ackerland bewirtschaften sie. Mit ihren Pinzgauern haben die Sängers einen Selbstversorger-Betrieb aufgebaut. Die Aufzucht der Milchkühe verkaufen sie nicht. Zwei bis drei Jahre mästen sie die Rinder, dann steht die Schlachtung an. Die hausgemachte Wurst landet zum größten Teil auf dem Tisch der Familie.

1500 Kilo Käse pro Jahr

Das eigene Bio-Fleisch verkaufen die Sängers ab Hof ebenso wie den selbst hergestellten Bio-Käse. »Jede unserer Kühe gibt bis zu 4500 Liter im Jahr, wovon wir bis zu 1000 Liter für die Kälberaufzucht benötigen«, berichtet die Landwirtin. »Unterm Strich stelle ich pro Jahr rund 1500 Kilogramm Käse her.« Quark, Frischkäse, Weichkäse, halbfester Schnittkäse und Hartkäse, der zwischen sechs und zwölf Monaten gereift ist, gibt’s direkt im Hofladen.
 Von Matthias Pieren
 www.bauernhof-saenger.de

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