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Spiritualität

Mit Zen-Meditation zu Gott finden?

Michael SeidelKlangschaleMediative Methoden aus anderen Religionen können helfen, Gott näher zu kommen

Buddhistische Zen-Mediation in einer evangelischen Kirche: Wie passt das zusammen? Sven Kosnick ist evangelischer Pfarrer sowie Zen-Lehrer und hat in der jugend-kultur-kirche sankt peter in Frankfurt eine Einführung in die Mediationspraxis aus dem fernen Osten gegeben.

Der Buddhismus ist eine Religion, die ohne den Glauben an Gott auskommt, das Christentum dagegen setzt seine Existenz voraus. Ein unüberbrückbarer Widerspruch? Pfarrer Sven Kosnick schlägt eine Brücke zwischen beiden Religionen, denn er hat erlebt, dass er durch buddhistische Zen-Meditation näher zu Gott findet. Seine Erfahrung integriert er in sein Leben als evangelischer Pfarrer und gibt an verschiedenen Orten Zen-Mediations-Kurse. Eine Einführung hat er in der Jugend-Kultur-Kirche Sankt Peter in Frankfurt Mitte Februar 2016 gegeben.

Aufmerksamkeit auf den Atem richten

In der Jugend-Kultur-Kirche saßen Kosnick und die Teilnehmenden im Schneidersitz oder auf den Knien auf dem Boden – gestützt durch ein kleines Kissen oder einen Bänkchen. Der Rücken gerade, die Augen sind geschlossen oder offen nach unten gerichtet. Der Blick aber hat sich auf das eigene Innere focussiert. „Wer mit der Zen-Meditation beginnt, richtet die Aufmerksamkeit erst einmal auf den Atem und das Sitzen. Mehr nicht“, lehrt Kosnick seinen Schülern.

Von Indien über China nach Frankfurt

Christen wie Kosnik sehen in der Zen-Meditation eine Methode, um sie für ihren christlich-spirituellen Weg zu nutzen. Ursprünglich entstand der Zen-Buddhismus im 6. Jahrhundert in Indien. Von dort aus wanderte er über China weiter nach Japan, wo er sich im 13. Jahrhundert ausbreitete. Mitte des 20. Jahrhunderts machte sich der deutsche Mystiker und Pater Hugo Lassalle (später: Hugo Makibi Enomiya-Lassalle) auf den Weg nach Japan, um den Zen-Buddhismus kennenzulernen. Kosnick kennt die Geschichte: „In Japan hat Pater Lassalle erfahren, dass die Meditation ihm und seinem Glauben sehr gut tut. Er hat sich nicht irritiert gefühlt und konnte spüren, dass die Meditation Christen helfen kann, den Glauben nicht nur intellektuell zu verstehen, sondern zu erfahren.“ Lassalle hat dann später den katholischen Priester Johannes Kopp kennengelernt, der wiederum später Kosnicks Zen-Lehrer wurde. Heute gibt es in Deutschland über 60 Zen-Lehrer.

Sport für die Seele - vom Ballast befreien

Während der Zen-Meditation kann es schnell passieren, dass dem Übenden Gedanken durch den Kopf gehen – der Streit mit dem Chef oder der nächste Einkauf. Pfarrer Kosnick erklärt den Teilnehmenden: „Die Hauptaufgabe besteht darin, seine Gedanken loszulassen und seine Aufmerksamkeit wieder zurückzuholen.“ Ständig nur den Atem im Blick zu haben, gelinge anfangs nur den wenigsten. Später liegt dann nicht mehr nur der Atem, sondern der ganze Körper im Fokus.
Wer mit Zen-Meditation entspannen will, ist allerdings auf dem Holzweg: Zen ist anstrengend, aber wohltuend – wie Sport, bloß für die Seele. „Mit der Zeit kommt immer mehr emotionaler Ballast hoch, das kann ganz schön beschäftigen“, warnt Kosnick vor, „deshalb ist es wichtig, dass gerade in den Anfängen immer jemand dabei ist.“ Die Zen-Schüler sollen lernen, dass Meditation mehr ist als nur eine Konzentrationsübung. „Zen geht tiefer. Wer viel übt, der wird merken, dass die Meditation weit über Konzentration hinausgeht.“

Erleuchtung im Zen und die unmittelbare Gottesnähe in der christlichen Mystik

„Das Ziel des Zen besteht darin, die Menschen zu ihrer eigene spirituellen Natur zu erwecken“, erklärt Bradley K. Hawkins in seinem Buch „Buddhismus“. Zen versteht sich als eine buddhistische Schule außerhalb der orthodoxen, buddhistischen Überlieferung, sieht sich unabhängig von den heiligen Schriften. „Bücher und Konventionen werden als nutzloser Ballast betrachtet, denn alles, was zur Erleuchtung notwendig ist, befindet sich im Praktizierenden selbst“, heißt es in dem Buch „Religionen der Welt“ von Thomas Schweer und Stefan Braun. Durch intensive Meditation, das Nachdenken über paradoxe Fragen (Koans) und Achtsamkeit können die Übenden durch ein gewöhnliches Ereignis blitzartig Erleuchtung erleben – was aber oft jahrelanger, harter Übung bedarf.
Kosnick begreift die Zen-Meditation als Methode, Christus zu erfahren, Erleuchtung zu finden – damit sieht er sich in gewisser Nähe zur christlichen Mystik. „Die einen nennen es das Nichts, für Christen ist es eine Erfahrung mit Gott“ so hieß es  bereits im Veranstaltungshinweis zum Einführungs-Kurs. Die christlichen Mystiker hatten danach gestrebt, den Verstand und das Denken zur Ruhe zu bringen, um einen „Urgrund“ wahrnehmen zu können. Danach erfährt der Gläubige Gott bereits unmittelbar in der Gegenwart, die Begrenzung zwischen ihm und Gott ist aufgehoben. Ziel ist, den inneren Sinn der göttlichen Offenbarung zu erfahren. So geht Pfarrer und Meditations-Lehrer Kosnick  davon aus, dass Christuserlebnisse deutscher Mystiker mit „Satori“ (jap. Erleuchtung) zu vergleichen seien. Allerdings existieren auch spirituelle Praktiken, die auf der Tradition christlicher Mystiker basieren. EKHN-Pfarrer Sven-Joachim Haak hatte sie für ekhn.de beschrieben:
Zwei kontemplative Wege – Offenwerden für Gott

Brücke zwischen den Religionen

Laut Kosnick könne die Zen-Meditation als Verständigung zwischen Zen-Buddhismus und Christentum gesehen werden. Pfarrer Oliver Koch, Referent für Weltanschauungsfragen im Zentrum Ökumene der EKHN und EKKW macht jedoch deutlich: „Das Christentum und der Buddhismus sind zwei unterschiedliche Religionen. Es besteht allerdings die Möglichkeit, dass Methoden aus der einen Religion in einer anderen Religion angewendet werden. Doch es ist wichtig, dies transparent zu machen.“ Wer also im christlichen Umfeld eine Zen-Meditation anbietet, sollte die Teilnehmenden über den Hintergrund und die Tradition der Methode aufklären. „Die Teilnehmenden sollten wissen, worauf sie sich einlassen, Praktiken und Inhalte verschiedener Religionen sollten nicht beliebig vermischt werden“, macht Koch deutlich. Abschließend fügt er hinzu: „Wir haben da ein relativ weites Herz.“

Erleuchtung durch paradoxe Rätsel

Tao-hsin sprach zu seinen Schülern: „Was weißt du sicher?“
Tao-hsin sprach zu seinen Schülern: „Was sieht ein Käfer, was fühlt er? Und ein Adler?
Und ein Staubkorn?“
„Das Klatschen der einen Hand.“


Paradoxe Fragen und Aussagen, auf die es scheinbar keine Antwort gibt, sind in der Schule des Zen so genannte Kōans, zu denen meditiert wird. Mit dem Verstand lassen sich die meisten Kōans nicht lösen, der Sinn erschließt sich intuitiv und wortlos.  Der bekannteste Kōan ist der Kōan Mu (jap. nicht(s)/ohne). Er lautet:

Zu Priester Jōshū kam ein Mönch und fragte ihn: "Hat ein Hund die Buddhanatur oder nicht?" Jōshū antwortete: "Mu."

Das Mu wird dann meditiert, immer wieder. Die volle Konzentration liegt auf der Antwort des Priesters Jōshū, obwohl seine Antwort keinen Sinn ergibt. Das ist der Charakter der meisten Kōans. „Meistens erlangen die Meditierenden nach vielen Jahren der Meditation eines Kōans dann Satori, das heißt: Erleuchtung“, weiß Kosnick. Irgendwann könne jeder einen Kōan intuitiv verstehen. „Jeder findet eine individuelle Antwort eines Kōans – aber jede davon hat den gleichen Charakter.“ Hat ein Schüler den Eindruck, dass er Satori (Erleuchtung) erlangt habe, muss der Lehrer das prüfen.
Der Lehrer stellt dem Schüler vier Fragen – erkennt den richtigen Charakter der Antworten – und bestätigt dann die Erleuchtung. Wie sich Satori anfühlt, kann Kosnick nur versuchen zu erklären: „Sie sind nichts. Sie sind das Absolute. Sie sind komplett verschwunden – nur noch Gott ist übrig.“

Christliche Meditationspraxis

Themen-Special "Meditation"

Veranstaltungen der Jugend-Kultur-Kirche St. Peter

[Michael Seidel]

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Christus spricht: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.

Matthäus 25, 40

Bild: Mit freundlicher Genehmigung von gettyimages/ekely

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