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Schauspiel-Spektakel in Worms

„Luther“ ohne Luther bei den Nibelungenfestspielen

Nibelungen-FestspieleSunnyi Melles als Papst Leo X.: Spektakuläres Luther-Stück in Worms 2021 bei den Nibelungen-Festspsielen.Sunnyi Melles als Papst Leo X.: Spektakuläres Luther-Stück in Worms 2021 bei den Nibelungen-Festspielen.

Aus dem Auftritt Martin Luthers vor dem Wormser Reichstag 1521 hat der Schweizer Dramaturg Lukas Bärfuss ein spektakuläres Theaterstück entwickelt, das noch bis 1. August am Originalschauplatz zu sehen ist. Allerdings ist Luther gar nicht auf der Bühne. Kann das gut gehen?

Nibelungen-FestspieleNibelungen-Festspiele 2021 mit "Luther": Szene mit Jan Thümer als machtfixiertem Kurfürst Joachim von Brandenburg.Nibelungen-Festspiele 2021 mit "Luther": Szene mit Jan Thümer als machtfixiertem Kurfürst Joachim von Brandenburg.

Im Jahr 1521 war der Mönch und Reformator Martin Luther zu Gast in Worms. Auf dem Reichstag stand er für seine neuen Glaubenseinsichten ein. Genau 500 Jahre später ist er wieder Gast in der Stadt am Rhein. Die Nibelungengfestspiele in Worms nehmen den historischen Auftritt zum Anlass, ein fulminantes Stück über Luther auf die Bühne zu bringen. Der Schweizer Dramaturg und Büchner-Preisträger Lukas Bärfuss schafft dabei das Kunststück, Luther allgegenwärtig sein zu lassen, ohne ihn auftreten zu lassen. In dem bunten Reigen der historischen Figuren fast am Orignalschauplatz vor dem Wormser Dom fehlt einer nämlich auf der Bühne: Luther.

Lutherposter im Glaskiosk 

Trotzdem gelingt es Bärfuss, die Geschichte als hochspannende Staatsaffäre zwischen Machtintrige, Geldgier und Religionskampf zu erzählen. Und auch überraschend: Tragende Rollen spielen Frauen, die Männerfiguren verkörpern. Allen voran Sunnyi Melles überragend als Papst Leo X. Der hat, historisch verbürgt, mehr am dickhäutigen Haustier Hanno – einem Elefanten – Interesse als am Lauf der Weltgeschichte. Viel Spaß macht auch Barbara Colceriu in ihrem Glaskiosk mit Luther-Postern. Sie zieht als Devotionalien verrückter Luther-Freund Friedrich der Weise geschickt die Strippen im Hintergrund. Ständig klingelt irgendwo ein Telefon.

Wortschlacht mit Laserschwert 

Bedrückend im Stück dagegen: Die schamlose Ausnutzung der Frauen. Als Schurken überzeugen Jürgen Tarrach als Ablass-gesteuerter Kardinal Albrecht zu Brandenburg und Jan Thümer als machtfixierter Kurfürst Joachim von Brandenburg. Auf der goldfarben gestrichenen Bühne regieren aber nicht nur Geld und düstere Intrigen. Zwischendurch hellen die hip-hoppigen Klänge von Musikerin Flora Lili Matisz alle auf. So wird die Kaiserwahl zum bunten Klamauk al la „Deutschland sucht den Superstar“. Wortgefechte werden auch mal als Kampf mit Maschinenpistolen zwischen Cola-Automat und Container im Stil von Quentin Tarantino  inszeniert. Und ja, auch das Laserschwert aus Star Wars darf nicht fehlen. Moderne Videotechnik sorgt schließlich dafür, dass auch auf den billigsten Plätzen der Open-Air-Bühne das Lichtschwert ebenso strahlt wie die Gesichter der Mimen. So wird aus dem Drei-Stunden-Stück „Luther“ auch ohne Luther eine kurzweilige Achterbahnfahrt durch die Reformationsgeschichte für alle Sinne.

Bildreiche Inszenierung 

Auch der hessen-nassauische Präses Ulrich Oelschläger, der in Worms lebt,  zeigte sich nach der Uraufführung begeistert: „Eine abwechslungsreiche Inszenierung mit vielen Überraschungen in der Transformation des historischen Stoffs in modernes Theater; für manchen mitunter etwas viel.“ Oelschläger ist aber auch überzeugt: „Die hohe Schauspielkunst müsste auch bei den kritischsten Stimmen Anerkennung finden.“ Und: „Die Wirkmächtigkeit Luthers in seiner Zeit durch die bildreiche Inszenierung zur Anschauung zu bringen, ohne ihn auftreten zu lassen, ist eine geniale Idee.“

Auflösung der Geschlechterrollen 

Hessen-Nassaus Kirchenpräsident Volker Jung hatte ebenfalls bereits Gelegenheit, das Stück anzusehen. Er sieht in der Inszenierung einen „spannenden, ungewöhnlichen und unterhaltsamen Zugang zu Luther und seinem Kerngedanken der Freiheit eines Christenmenschen". Jung: „Hier wird Geschichte mit modernen Mitteln, kreativer Bildsprache und hervorragenden Schauspielerinnen und Schauspielern inszeniert. Hervorragend ist auch die Auflösung der Geschlechterrollen. Das alles irritiert und regt sehr an. Es ist viel besser als jeder Versuch historischer Rekonstruktion, der dann doch immer daneben liegt.“

Atemberaubende Kulisse   

Ulrike Scherf, Stellvertretende Kirchenpräsidentin sieht in „Luther“ ein „anregendes Gesamtkunstwerk vor einer atemberaubenden Kulisse“. Sie findet es eine „phantastische Idee, anstelle des klassischen Nibelungenstoffs zum 500. Jubiläum des Wormser Reichstags Martin Luther ins Zentrum zu stellen.“ Spannend sind für sie die „Irritationen durch Nutzung moderner Medien wie Smartphones, einem E-Papamobil, Popmusik mit Tanz, aber auch in völlig unerwartetem Zusammenhang erklingendem Lutherchoral ‚Vom Himmel hoch, da komm ich her‘“.  Und: „Es ist toll, wieder Kultur erleben zu können. Grandiose Schauspielerinnen und Schauspieler, die endlich wieder auftreten können und den Applaus verdient haben.“

Noch bis zum 1. August in Worms
Infos und Tickets:
www.nibelungenfestspiele.de
Hotline: 01805-337171

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Was auch geschehen mag,
welcher Virus die Welt in Schrecken versetzt
oder welche selbstverschuldeten Emissionen unsere Schöpfung
und ihr Klima in die Knie zwingen,
welche Berge im übertragenen Sinne auch umfallen,
Gott hat versprochen „meine Gnade soll niemals von dir weichen
und der Bund meines Friedens soll nicht hinfallen.“

(Anke Leuthold zu Jesaja 54,10)

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