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Erntedankfest

Quelle: Peter Bongard / FundusErntedankEin geschmückter Altar zu Erntedank in der Evangelischen Kirche Rückeroth

Der Grund für dieses Fest ist in der Kirche sinnlich greifbar: Die Stufen vor dem Altar sind mit Erntegaben geschmückt, mit schweren Kürbissen, satt-blauen Pflaumen, Weizenähren, Trauben und Nüssen. Zahlreiche Bürger:innen erleben den Rhythmus von Saat und Ernte nicht mehr unmittelbar, vor allem in den Städten. Im Gebiet der EKHN sind nach wie vor viele Landwirt:innen und Winzer:innen direkt abhängig von einer guten Ernte. Für Äpfel und Raps war 2022 ein erfolgreiches Erntejahr. Aber eine zu lange Trockenperiode wie in diesem Sommer hat anderen Feldfrüchten geschadet, so sind Ernteerträge bei Körnermais gering ausgefallen. Die Folgen des Klimawandels weisen auf die Verantwortung des Menschen hin, Gottes Schöpfung zu bewahren. Zudem erinnert die Hungernot in Afrika, die auch durch den  Ukraine-Krieg verstärkt wurde, für Frieden einzutreten und Nahrungsmittel mit den Ärmsten dieser Welt zu teilen.

© gettyimages yinyang, MDHSWeinfass 2022

ZDF-Gottesdienst: Trotz allem - Dank

Angesichts der aktuellen Krisen regt der ZDF-Gottesdienst am 2. Oktober 2022 ab 9.30 Uhr dazu an, darüber nachzudenken: Wofür können wir trotzdem dankbar sein? Der Gottesdienst wird diesmal aus der Saalkirche Ingelheim übertragen.
zum ZDF-Gottesdienst

Häufig gestellte Fragen zu Erntedank

Wann wird Erntedank in der EKHN gefeiert?

Die evangelische Kirche feiert Erntedank meist am ersten Sonntag im Oktober. Allerdings haben die Gemeinden freie Hand, einen anderen Termin zu wählen. In Weinbaugebieten wie Rheinhessen liegt der Termin häufig erst Ende Oktober, nach Abschluss der Traubenlese.

Warum bedanken sich Christ:innen bei Gott für die Ernte?

Am Erntedankfest bedanken sich Christinnen und Christen bei Gott für die geernteten Feldfrüchte. Der Grund ist: Die Ernte wird als Geschenk erlebt, das nicht selbstverständlich ist. Landwirte und Gärtner können zwar das Gedeihen von Pflanzen und Tieren beeinflussen, aber es ist nicht ihre Leistung, dass Lebewesen in der Lage sind, sich zu entwickeln. Diese Abhängigkeit von den Prozessen der Natur wird am Erntedanktag erneut ins Bewusstsein gerufen und an das Vertrauen an Gott erinnert, der diese Welt erhält und ständig neues Leben schenkt. Denn die geernteten Obst-, Gemüse- und Getreidesorten sind eine der wichtigsten Voraussetzungen, dass Menschen leben können. An Erntedank feiern deshalb Christ:innen auch das Leben an sich.
Somit erinnern sie an die Verbindung von Mensch und Schöpfung. Der christliche Glaube geht davon aus, dass Gott als Schöpfer des Himmels und der Erde dafür Sorge trägt, dass es uns Menschen an nichts, was das Leben erhält, mangeln wird. So hat er versprochen: „solange die Erde besteht, sollen Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht nicht aufhören" (1. Mose 8, 22). Gleichzeitig ist der Mensch dazu aufgerufen, die Schöpfung zu bewahren.

Warum ist das Engagement der Landwirt:innen so wichtig?

An Erntedank rückt aber auch der Einsatz der Landwirt:innen ins Bewusstsein. Sie bearbeiten Böden, wählen Saatgut aus, bewässern die Pflanzen und versorgen die Tiere. Wenn zusätzlich Wetterextreme und Naturkatastrophen hinzukommen, sind Landwirt:innen über die Maßen gefordert. Dabei befinden sie sich ohnehin in einem Prozess der Klimawandelanpassung, beispielsweise müssen sie andere Pflanzensoren auswählen oder Obstbäume bei verfrühten Blühphasen vor Frost schützen. Nur durch ihre Leidenschaft ist vieles möglich, denn ein noch nicht angemessener Verdienst und eine sehr hohe Arbeitsbelastung gehören zu diesem Beruf. Durch ihr Engagment tragen Landwirt:innen dazu bei, die Nahrungsmittelversorgung zu sichern. Deshalb ist auch für sie ein riesiges Dankeschön bestimmt.

Wenn die Ernte mager ist: Wie werden hungernde Menschen berücksichtigt?

Der Dank am Erntedankfest gilt auch bewusst dem aus dem geernteten Getreide hergestellten „täglichen Brot“, für das im Vaterunser mit den Worten "unser tägliches Brot gib uns heute" jeden Sonntag gebetet wird. Doch in einigen Ländern dieser Erde fallen die Ernten mager aus, dort es gibt nicht genug Brot, um satt zu werden. Das Teilen der Ernte, das Teilen des Brotes, rückt deshalb mehr in den Vordergrund. Viele Gemeinden thematisieren an diesem Tag die katastrophale Ernährungssituation in den ärmsten Ländern und sammeln Spenden oder Kollekten zur Linderung der Not. Mit Hilfsprojekten ist bespielsweise „Brot für die Welt“ aktiv.

Warum fangen viele Jugendliche in der Erntezeit an, Brot zu backen?

Die Aktion "5.000 Brote - Konfis backen Brot für die Welt" gibt Jugendlichen die Chance zu erfahren, wie geerntes Getreide verarbeitet wird: Sie backen wie ein Bäcker und unterstützen dabei andere Menschen. Der Aktionszeitraum liegt rund um Erntedank bis zum 1. Advent. Nach einem Eröffnungsgottesdienst beginnen Konfirmand:innen in der EKHN, Teig zu kneten und gewinnen dabei Einblick in einen Handwerksberuf. Zudem setzen sich die Konfis mit der Überwindung von Hunger und Armut in der Welt auseinander.  

Was hat Erntedank mit der aktuellen Situation zu tun?

Trockenperioden und Starkregen stellen die als sicher geglaubte Nahrungsversorgung in Frage. Die Folgen des Klimawandels und der Umweltverschmutzung auf die Ernte fordert alle auf, direkt hinzusehen: Auf die von Menschen verursachten Wunden, aber auch auf die Schönheit und Lebendigkeit der Welt. Ziel ist es, die Zeit für die Bewahrung der Schöpfung zu nutzen. Auch Lebensmittelskandale machen immer wieder bewusst, dass eine gute Ernte eng verbunden ist mit verantwortlichem, ökologischem Handeln.

Welchen Ursprung hat das Erntedankfest?

Die Grundbeziehung zum Ursprung der Welt kennen auch andere Religionen: Schon in vorchristlicher Zeit haben sich Religionen und Kulturen mit Festen und Bräuchen bei ihren Göttern für den Ernteertrag bedankt oder um eine gute Ernte gebeten.  

Auch das Israel des Alten Testaments kennt diese Feste: Passah, das Wochenfest und das Laubhüttenfest waren die drei Feste, in denen ein agrarisch geprägtes Volk danken und feiern konnte. An Passah dankte man für den Nachwuchs in den Herden, beim Wochenfest feierte man die eingebrachte Ernte und beim Laubhüttenfest die Weinlese.

Wie wurde im Mittelalter Erntedank gefeiert?

Im Mittelalter feierten die Christen sogenannte Votivmessen zum Erntedank und zur Segnung der Früchte und des Feldes. Diese Messen wurden direkt auf dem Feld oder am Weinberg gelesen. Votivus bedeutet „versprochen/geweiht“. Eine Segnung der Früchte sollte die Ernte stärken, für eine gelungene Ernte danken, aber auch die Weiterverarbeitung sichern.

Welche Bedeutung hat Erntedank in der evangelischen Kirche?

Die Reformation übernahm diesen Brauch und legte mit der Zeit einen eigenen Sonntag dafür fest, den 1. Sonntag im Oktober. In der evangelischen, der katholischen und der anglikanischen Kirche kam es zu eigenen liturgischen Ausformungen der Feier. Das Erntedankfest ist so das einzige Fest im Jahr geworden, das sich auf die Vegetation bezieht. Alle anderen Sonntage feiern und bedenken das Christusmysterium.

Nachhaltigkeit & Schöpfung

Aktuelles zu Nachhaltigkeit & Schöpfung

Danksekunde

Exkurs: Ist Thanksgiving dasselbe wie Erntedank?

Und zum Schluss noch eine Anmerkung  zu Thanksgiving: Thanksgiving ist mitnichten das amerikanische Pendant zu Erntedank. Sicher teilen sich die Feste den Dank für die Früchte des Feldes, Thanksgiving aber ist ein staatlicher Feiertag, der auch die USA als von Gott gesegnetes Land feiert. Daher können auch Atheisten sich den Truthahn im Kreise ihrer Familie gut schmecken lassen. Diese Form der Zivilreligion hat das europäische Erntedankfest nie angenommen. Vielmehr fängt es die Ambivalenz menschlichen Wirtschaftens und Strebens ein.

[Britta Jagusch / Björn Raddatz / Matthias Braun / RH]

© Multimediaredaktion ekhn.de

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Du stellst meine Füße auf weiten Raum.

(Psalm 31,9)

Psalm 31,9

Bild: Mit freundlicher Genehmigung von gettyimages/tolga tezcan

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