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Fastnacht

Bildquelle: gettyimages, thais cenevivaFastnacht zu HauseFastnacht zu Hause - Sitzungen, Büttenreden und einzelne Motivwagen vom Fernseh- oder PC-Monitor verfolgen

2021 sind Fastnachtsumzüge abgesagt, Präsenz-Narrensitzungen mit Publikum wird es ebenfalls nicht geben. Aber davon lassen sich die Fastnachtsbegeisterten in Hochburgen wie Mainz und anderen Orten nicht abschrecken: Das Narrenschiff segelt auch in diesem Jahr: Vor allem im Fernsehen und Internet werden Sitzungen übertragen und einzelne Motivwagen vorgestellt.

Fastnachtsbräuche der vergangenen Jahre

Traditionell steht an Fastnacht die Welt Kopf: So erschien in den letzten Jahren z.B. der Mitarbeiter des Finanzamtes als Clown oder die Investmentbankerin als Waldfee. Was sonst schräg beäugt wird, gehört dann zum guten Ton: Da dürfen die Honorationen des Ortes in Büttenreden aufs Korn genommen werden und Flirts werden etwas deutlicher signalisiert.

Ursprünge reichen in christliche Klöster

Das laute und lustige Treiben hat ursprünglich seinen Anfang in den christlichen Klöstern genommen, in denen die Tage vor der Fastenzeit mit opulenten Mahlzeiten gestaltet wurden.  Erstmals werden die Fastnachtsfeiern im Kontrast zur nachfolgenden Fastenzeit im 12. oder 13. Jahrhundert erwähnt. Die übrige Bevölkerung griff diesen Brauch auf und verlieh ihm regional unterschiedliche Ausprägungen – ob als Maskenball, Frühlingsitus im süddeutschen Raum oder als Kritik an der Obrigkeit. Als die Ausschweifungen allerdings überhand nahmen, war dies der katholischen Kirche ein Dorn im Auge. Bis heute integrieren dennoch viele ihrer Pfarrgemeinden die Fastnacht in ihrem Jahresprogramm.

Erster Umzug im 19. Jahrhundert in Mainz

Das Bürgertum entwickelte im 18. Jahrhundert schließlich die Prunkzüge und Karnevalssitzungen. 1837 bewegte sich schließlich der erste bunte Zug der Narren durch Mainz, ein Jahr später wurde der erste Karnevalsverein in der Stadt an der Mainmündung gegründet. Das Grundprinzip war: Frohsinn und Wohltun.

Mahnungen der Reformatoren

Besonders die Reformatoren äußerten sich kritisch, sie haben das bunte Treiben in ihren Gebieten verboten. Von evangelischer Seite wurde befürchtet, dass die Menschen auf Dauer der sittlichen Zügellosigkeit verfallen könnten. Zudem widersprachen sie der Vorstellung, mit der anschließenden Fastenzeit die alkoholischen und erotischen Exzesse ausgleichen zu wollen. Deshalb gehört die Faschingszeit auch bis heute nicht zum evangelischen Kirchenjahr.

Doch das Blatt wendet sich: Heute laden einige evangelische Kirchengemeinden in Hessen und Nassau zu besonderen Gottesdiensten ein, in denen die Predigt in Reimform an eine Büttenrede erinnert und in denen die Gottesdienstbesucher als Prinzessinnen, Mönche  oder Eisbären verkleidet kommen. Die Devise lautet: Feiern und Lachen erlaubt – aber das Gewissen wird auch in der fünften Jahreszeit nicht in den Urlaub verabschiedet.

2021 finden die Faschingsgottesdienste meist online statt

© Multimediaredaktion ekhn.de

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