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Liebe

Interview: Das Geheimnis der Liebe

Moni Sertel/pixelio.de

Immer mehr Menschen leben alleine in Single-Haushalten, obwohl sich viele von ihnen nach einem Partner oder einer Partnerin sehnen. Dabei gibt es einfache Regeln, wie wir einen Partner finden, der zu uns passt, sagt der Psychologe Werner Gross im Interview.

privatWerner Gross ist Psychologe, Psychotherapeut, Supervisor, Coach, Dozent und Lehrtherapeut, Buchautor, Unternehmens- und Organisationsberater

Wie muss ich sein, um attraktiv zu wirken?

Werner Gross: Man kann nicht für alle Leute in jeder Situation attraktiv wirken. Will ich im Beruf attraktiv sein oder will ich einem möglichen Partner gefallen? Attraktivität hängt von der Situation ab, von den Menschen und meinen Zielen. Man kann aber generell sagen, dass ich den Vorstellungen meines Partners, der mir gegenüber sitzt, möglichst entsprechen sollte, um attraktiv zu wirken. Je näher ich seinen Vorstellungen komme, umso größer ist die Chance, dass der mich attraktiv findet. Das ist der eine Aspekt. Und zum anderen muss ich so authentisch wie möglich sein, so ehrlich und so offen wie es nur geht. Das ist ein Abgleichungsprozess, der natürlich in jeder Situation mit jeder anderen Person unterschiedlich ist.

Das bedeutet aber ja doch, dass ich immer raten muss, was mein potentieller Partner mag? Da kann ich ja auch Pech haben.

Gross: Natürlich können Sie Pech haben. Es geht nicht ruckzuck. Es ist im Grunde immer ein Stochern mit einem Stock im Nebel - und manchmal gelingt es. Je mehr ich von der Person weiß, die mir da gegenübersitzt, je mehr ich an Informationen darüber habe, was sie wohl erwartet, desto größer ist die Chance, dass ich mich darauf einstellen kann, wenn ich mich denn auch darauf einstellen will.

Was wirkt generell angenehm auf den anderen?

Gross: Gelassenheit ist generell wichtig. Je gelassener ich bin, desto authentischer bin ich, umso mehr verbunden bin ich mit mir. Und habe das Gefühl, dass ich nichts vormachen muss. Je mehr ich versuche zu schauspielern, desto schwieriger wird es, auch langfristig attraktiv zu sein. Im Tierreich gibt es die Balztänze. Das ist letztendlich bei uns Menschen ganz genau so. Man versucht sich am Anfang so attraktiv wie möglich darzustellen. Ob das die körperliche Attraktivität ist oder ob ich mich einstelle auf jemanden, um die gleiche Wellenlänge zu erreichen. Aber es ist ein Unterschied, ob ich jemanden nur kurzfristig beeindrucken will, oder ob daraus auch längerfristig eine Beziehung entstehen soll. Wenn eine längerfristige Beziehung entstehen soll, ist es nicht gut, dem potentiellen Partner zuerst etwas vorzumachen. Und nach ein paar Tagen merkt der: Er oder sie ist ja völlig anders. 

Gibt es auch typische Fehler? 

Gross: Je größer die Diskrepanz zwischen dem ist, wie ich bin und dem, wie ich mich darstelle, desto größer ist die Gefahr, dass es eine Bauchlandung wird. So ehrlich wie möglich, so authentisch wie möglich ist das Beste. Dazu zählen Gelassenheit, Ruhe, letztendlich auch ein Stück Selbstbewusstsein. Gut ist es, wenn ich das Gefühl habe, mein Selbstbewusstsein ist so, dass ich es zwar angenehm fände, wenn der Partner mich attraktiv findet, aber davon nicht mein Leben abhängt. Es ist ein Unterschied, ob man das Gefühl hat: Wenn ich das nicht schaffe, dann ist mein Leben sinnlos. Oder ob ich sage: Okay, es wäre schön, aber es ist nicht unbedingt lebensnotwendig. 

Worauf schauen wir beim anderen, wenn wir auf der Suche nach einem Partner sind?

Gross: Der erste Schritt ist natürlich die körperliche Attraktivität. Habe ich das Gefühl, dass ich den anderen körperlich attraktiv finde? Das ist bei Männern Frauen gegenüber stärker als andersherum. Frauen schauen in einer anderen Weise auf potentielle Partner. Frauen achten auf das, was indirekt über Symbole vermittelt wird. Ist das jemand, bei dem ich das Gefühl habe, er könnte auch eine Familie ernähren? Könnte ich mir vorstellen mit ihm über einen längeren Zeitraum zusammenzuleben? Bekommen wir eine gemeinsame Wellenlänge hin? Ein wichtiger Punkt ist zum Beispiel, ob man miteinander über die gleichen Sachen lachen kann. 

Was kann ich machen, um attraktiver zu sein?

Gross: Zuerst sollte man für sich selbst folgende Dinge herausfinden: Wer bin ich? Was kann ich? Was sind meine Stärken? Je mehr ich von mir kenne, desto weniger funkt mir irgendwas dazwischen. Das ist eigentlich der wichtigste Aspekt. Und natürlich passt man sich, wenn man sich auf den Markt begibt, auch diesen Marktvorstellungen an. Was mag diese Frau, die ich attraktiv finde, wohl gut finden? Man sollte sich angleichen, ohne sich wahnsinnig zu verbiegen. 

Gibt es einen Trick, wie ich jemanden auf mich aufmerksam machen kann?

Gross: Es gibt eine ganze Reihe an Tricks. Auf sich aufmerksam zu machen ist ein Aspekt. Das heißt aber nicht, dass es auch eine positive Form von Aufmerksamkeit ist. Das ist die Schwierigkeit: Dass jemand auf mich aufmerksam wird, aber dass er auch positiv auf mich aufmerksam wird. Das hängt dann wiederum von der Zielgruppe und der Situation ab.

Also bleibt man eher bei der Ehrlichkeit?

Gross: Die Authentizität ist der wichtigste Aspekt - und sich auf den anderen einzustellen. Bis zu einem gewissen Punkt kann man sich biegen, aber man sollte sich nicht brechen lassen durch die Vorstellungen und Erwartungen des anderen. Das zahlt sich langfristig auf keinen Fall aus. 

Was wäre katastrophal?

Gross: Wenn ich mit meiner Rolex angebe oder einen Porsche fahre. In Wirklichkeit ist der Porsche aber nur geliehen und die Rolex habe ich in der Türkei auf einem offenen Markt für ein paar Euro gekauft. 

Wieso sind wir Menschen eigentlich so wählerisch bei der Partnerwahl?

Gross: Man kann nicht sagen, dass alle Leute immer zusammenpassen. Es ist wie bei Hund und Katze. Es gilt herauszufinden wer die Person ist, die zu mir passt, ob sie eine ähnliche Wellenlänge hat und wo sie eine Ergänzung ist. Es gibt zwei Muster, wie Paare zusammenkommen. Das eine ist: „gleich und gleich gesellt sich gern“. Die Gegenposition dazu ist: „Gegensätze ziehen sich an“.

Der Knackpunkt dabei ist, wenn eine Beziehung auf „gleich und gleich gesellt sich gern“ entstanden ist, dann entwickelt man sich auseinander. Wenn der Tenor ist, „Gegensätze ziehen sich an“, dann gleicht man sich an. Das ist ein Wechselprozess, der im Laufe der Beziehung passiert. Das heißt, beides ist notwendig. Bei „Gegensätze ziehen sich an“, steht Spannung im Vordergrund. Bei „gleich und gleich gesellt sich gern“ handelt es sich um den Faktor der Gewöhnung. Beides sind Bedürfnisse, die wir haben. Und die müssen wir einfach versuchen in jeder Beziehung hinzubekommen. Diesen Ausgleich zwischen spannender Seite und dem, was wir schon kennen und wo wir uns geborgen fühlen. 

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Christus spricht: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.

Matthäus 25, 40

Bild: Mit freundlicher Genehmigung von gettyimages/ekely

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