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Himmelfahrt

Eine Religionslehrerin über den Wolken

istockphoto, Flightlevel80HimmelEs gibt keinen Ort, der gottlos ist

Susen Schönsee hat zwei Berufe, und beide haben mit dem Himmel zu tun. Sie ist evangelische Religionslehrerin und Flugbegleiterin. Der Crew erklärt sie schon mal, was Christi Himmelfahrt ist.

Mit einer halben Stelle unterrichtet Susen Schönsee Religion an einer Frankfurter Privatschule. Jedes zweite Wochenende und an Feiertagen hebt sie ab. Dann begleitet sie als Stewardess Passagiere an die Enden der Welt. Die Bibel und die Losungen hat sie im Flugzeug immer dabei. »Als moderne Religionslehrerin habe ich die Bibel-App auf meinem Smartphone«, erzählt die 36-Jährige. »Dem Himmel näher, also im geistlichen Sinn, fühle ich mich aber auf der Erde. In der Luft bin ich mit meiner Arbeit beschäftigt und kann die Schönheit nicht so wahrnehmen.«

Himmel und Erde

Natürlich wirft sie mal einen Blick aus dem Fenster, wenn die Maschine über Grönland, Island oder das Himalaya-Gebirge fliegt. »Die Berge, das Eis, das ist imposant. Es ist auch beeindruckend, wenn ich als Beisitzerin im Cockpit bei der Landung dabei sein darf. Sich aus dem Himmel zu erden, das ist ein gutes Gefühl.«

Biblische Erzählung über Christi Himmelfahrt

Auch bei der biblischen Erzählung von Christi Himmelfahrt geht es mehr um die Erde als um den Himmel. »Was steht ihr da und seht zum Himmel?«, fragen zwei Männer in weißen Gewändern die Jünger (Apostelgeschichte 1,11). Die schauen noch der Wolke hinterher, auf der Jesus verschwunden ist.
In den Evangelien erscheint der Auferstandene seinen Anhängern nach Ostern immer wieder – 40 Tage lang. Nicht wie ein Geist, sondern mit Fleisch und Knochen. Einer, der isst und trinkt, dem man die Finger in die Wunden legen kann. Seine Jüngerinnen und Jünger können es kaum glauben: Der Himmel, den sie mit Jesus bis zu seinem Tod am Kreuz erlebt haben, geht weiter.

Kein Ort, der gottlos ist

Kann der, der von den Toten auferstanden ist, irgendwann ganz normal sterben? Christus hat den Tod besiegt, bekennt das Neue Testament. Seine Himmelfahrt vollendet die große Bewegung des Glaubensbekenntnisses. Gottes Sohn kommt vom Himmel zur Erde. Er steigt hinab bis in das Reich des Todes. Auferstanden von den Toten schließt er den Himmel neu auf. Es gibt keinen Ort, der gottlos ist – weder in der Tiefe noch in der Höhe. Christus ist der Bahnbrecher für alle. »Wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich alle zu mir ziehen«, verheißt Jesus im Johannesevangelium (12,32).

Mit Gottvertrauen auf eigenen Beinen stehen lernen

»Was steht ihr da und seht zum Himmel?« Die Frage der weiß gekleideten Männer an die Jünger Jesu klingt fast rotzig, als würden sie sagen: Glotzt nicht so himmlisch! Ihr seid dran. Hier auf der Erde ist jetzt euer Auftrag. Sagt es weiter: Durch Jesus steht allen der Himmel offen. Christi Himmelfahrt bedeutet: Erwachsen glauben lernen. Die Jünger sollen nicht mehr nur darauf warten, dass ihr Meister Jesus es schon richtet. Sie sollen selbst aus dem Gottvertrauen leben, das er vorgelebt hat.

Glauben

Jesus hebt von der Erde ab, eine Wolke nimmt ihn auf, und er fährt gen Himmel. Was die Bibel erzählt, klingt abgefahren. Muss ein Christ an Christi Himmelfahrt glauben? Rudolf Bultmann, einflussreicher evangelischer Theologe im 20. Jahrhundert, kritisierte die biblische Erzählung als einen Mythos, der freilich existenzielle Bedeutung hat. Christus als Bahnbrecher des Himmels kann die Angst nehmen, den Himmel zu verpassen oder nicht hineinzukommen. Mit seiner Himmelfahrt ist Jesus weg. Zugleich ist er überall. Seine Geistesgegenwart kennt zeitlich und räumlich keine Grenzen.

Abflugbereit am Boden

Die Stewardess Susen Schönsee hat an Christi Himmelfahrt Rufbereitschaft. Ab fünf Uhr früh kann der Anruf kommen. 60 Minuten später muss sie am Airport sein – bereit, um in alle Welt zu fliegen. Kuala Lumpur, Rio de Janeiro, Kapstadt oder ... Ihre Kollegen von der Crew fragen sie, die Religionslehrerin, schon mal, ob der Feiertag nun Christi Himmelfahrt oder Fronleichnam heiße und was der Unterschied sei.

Der 5. Mai 2016 - ein multireligiöser Feiertag

In diesem Jahr fällt Christi Himmelfahrt noch dazu mit dem muslimischen Feiertag der Himmelfahrt Mohammeds, »Lailat al Miraj«, zusammen. Der Legende nach ritt der Prophet nachts auf seinem geflügelten Fabeltier Buraq von Mekka nach Jerusalem. Am Felsendom stieg er mit einer Leiter durch alle sieben Himmel empor. Er traf dabei Abraham, Moses und Jesus. In dieser Nacht gab Gott auch das Gebot für Muslime, fünfmal am Tag zu beten.

Über den Wolken - auch ein Ort zum Beten

Susen Schönsee erlebt bei ihren Reisen durch den Himmel häufig muslimische Fluggäste, die fragen, wo sie beten können und in welcher Richtung Mekka liege. Manche breiten dann ihre Passagierdecke auf dem Boden aus und beten im Gang zwischen den Sitzen. »Das ist ein bisschen ein Platzproblem«, sagt Schönsee. »Aber absolut verständlich.«
Sie selbst betet vor jedem Flug und bittet Gott, »dass er mich bewahrt und mich segnet«. Sie vertraut auf das, was Christus zum Abschied seinen Nachfolgern gesagt hat: »Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.« (Matthäus 28,20)

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Wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi.

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