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Die symbolische Bedeutung der Osterkerze

Ann-Sophie Huppers15 bunte Kerzen mit verschieden Motiven.So sehen die selbst gestalteten Osterkerzen in der evangelischen Kirche Klein-Auheim aus.

„Schon im vierten Jahrhundert gibt es Belege für den Brauch, eine Osterkerze anzuzünden“, erklärt Stefan Claaß, Professor für Gottesdienstgestaltung und Predigtlehre am Theologischen Seminar Herborn. Damals sei die Osterkerze etwas ganz Kostbares gewesen, denn sie wird traditionell aus reinem Bienenwachs hergestellt. Um reines Bienenwachs zu bekommen und die Farbe herauszunehmen, sodass die Kerze weiß ist, sei ein aufwendiger Prozess nötig gewesen. Claaß erläutert: „ Die Kerze soll nicht für das Verbrennen stehen, sondern für die Erleuchtung an Ostern. Deshalb sollte die Kerze nicht rußen, was nur mit Bienenwachs möglich war.“

Bedeutung der Osterkerze

Die Osterkerze nehme die heidnische Tradition des Opferfeuers auf, allerdings mit veränderter Bedeutung. Die Osterkerze und das Osterfeuer symbolisieren das neue Leben, während das Opferfeuer heidnische Götter erfreuen sollte. Das Osterfeuer, an dem man traditionell die Osterkerze anzündet, werde immer noch in vielen Gemeinden entfacht. „Eigentlich ist die Osterkerze ein kleines Osterfeuer, das uns das ganze Jahr begleitet. Sie erinnert uns an die Osterbotschaft und gibt uns damit Hoffnung auf das ewige Leben“, meint Claaß.

Symbole der Osterkerze

„Auf jeder Osterkerze findet man drei Elemente: A und Ω (Alpha und Omega), die Jahreszahl und ein Kreuz“, beschreibt Stefan Claaß. A und Ω symbolisieren den Anfang (Alpha, erster Buchstabe des griechischen Alphabets), also die Schöpfung, und das Ende (Omega, letzter Buchstabe des gr. Alphabets) der Welt. Mit dem Ende der Welt sei natürlich nicht der Weltuntergang, sondern das Reich Gottes gemeint. Die Jahreszahl zwischen den beiden Buchstaben zeige uns, dass wir Teil des göttlichen Plans von A zu Ω sind. Stefan Claaß findet: „Das macht einerseits demütig, weil man nur ein kleiner Teil der großen Geschichte ist. Andererseits ist es eine große Ehre und Freude an dieser Geschichte teilzuhaben.“ Das Kreuz sei natürlich vor allem das Zeichen der Christen. Es habe aber auch einen ganz aktuellen Bezug: „Das Kreuz erinnert uns an das Leid in der Welt, zum Beispiel an die vielen unmenschlichen Folterungen und Hinrichtungen, die es noch gibt. Es appelliert an unsere Verantwortung als Christen für diese Welt.“

Entwicklung in den 70ern

In den 70er Jahren habe sich einiges an der Art Ostern zu feiern geändert. Die längst verschwundene Osternacht sei  wieder eingeführt worden. Die Osterkerzen sein auf einmal künstlerisch gestaltet und nicht nur mit den drei bekannten Symbolen versehen worden. „In manchen Gemeinden werden die Kerzen sogar selbst gestaltet.  Ich finde es toll, dass die Tradition der Osterkerze nicht nur fortgesetzt wird, sondern richtig gelebt und weiterentwickelt wird“, freut sich Claaß.

Ann-Sophie HuppersDiese Osterkerze haben die Freiwilligen für dieses Jahr gestaltet. Die Kerze wird in der Osternacht in der Evangelischen Kirche entzündet.

„Unsere Osterkerze ist ein Unikat“

In der Gemeinde Klein-Auheim treffen sich vor Ostern jedes Jahr acht bis zehn Freiwillige aus der katholischen und evangelischen Gemeinde. Sie gestalten zusammen drei Osterkerzen – je eine Kerze für die Kirchen und eine Kerze für den Friedhof. Ann-Sophie Huppers, Pfarrerin der evangelischen Gemeinde erzählt: „Für mich ist diese Kerze etwas ganz besonderes. Das ist unsere ganz persönliche Osterkerze.“ Das Team nehme sich drei Tage lang Zeit, die Kerze zu gestalten. „Zuerst schauen wir uns die Jahreslosung bzw. den  Kommunionstext an und machen dazu zum Beispiel eine Meditation oder Bibelarbeit. Danach malt jeder einen Entwurf, der den Kern der Botschaft beider Texte vereint. Anschließend suchen alle zusammen die Elemente aus den Entwürfen aus, mit denen wir dann die Kerzen gestalten“, erklärt Pfarrerin Ann-Sophie Huppers. Der Höhepunkt sei natürlich das eigentliche Gestalten der Kerze. Die drei Kerzen bekommen zwar alle das gleiche Motiv, jede Kerze sei aber ein Unikat, denn sie werden von unterschiedlichen Personen hergestellt. Schon seit 20 Jahren werde das in Klein-Auheim so gemacht. Huppers findet: „Es ist schön, dass Glaube hier auch gestalterisch gelebt wird und das sogar in ökumenischer Verbundenheit.“

Von Konrad Waßmann

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Wem viel gegeben ist, bei dem wird man viel suchen; und wem viel anvertraut ist, von dem wird man um so mehr fordern.

Lukas 12, 48

Bild: Mit freundlicher Genehmigung von gettyimages/ekely

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