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Osterhoffnung erleben

In ihrer Video-Botschaft zu Ostern 2021 greifen die beiden leitenden Geistlichen der EKHN - die stellvertretende Kirchenpräsidentin Ulrike Scherf und Kirchenpräsident Dr. Volker Jung - diese Ängste vieler Menschen auf, die sich während der Pandemie entwickelt haben.

Ostern ist ein Fest des Todes und der Aufersteheung. Während Corona sind viele Menschen von uns gegangen. Andere sterben mehrere Tode auch im Leben. Die langen Monate der Kontaktbeschränkungen und der Lockdowns haben Spuren bei den Menschen hinterlassen.

Ulrike Scherf und Dr. Volker Jung ermutigen in ihrer Ansprache zu einem Neuanfang, zur Hoffnung auf Gottes Liebe – zur Osterhoffnung.

Hoffnung in der Bibel

Von Pfarrerin Ulrike Mey, Christuskirchengemeinde Bad Vilbel

Puh – wo soll man bei dem Thema anfangen? Oder noch eher: wo soll man enden? Die Bibel ist doch voll von Hoffnungsgeschichten. Eine Auflage der Bibelübersetzung „Die Gute Nachricht“ heißt zu Recht „Hoffnung für alle“. Bibelverse über Hoffnung zu suchen, hilft auch nicht weiter: es sind zu viele. Es gibt hunderte Verse, die das Wort Hoffnung enthalten. Es gibt noch mehr, die Mut machen und jede Menge Geschichten, die Hoffnung wecken. Die Hoffnung bezieht sich dabei auf Nachkommen, ein eigenes Land (stark im Alten Testament vertreten), Gesundheit, Heilung, entstehende Gemeinden, die Verbreitung des Evangeliums, das Reich Gottes und ewiges Leben – und bestimmt noch viel mehr. Puh. Wo soll man da abgrenzen? Wo anfangen? Wo aufhören?

Ich versuche es mit der für mich schönsten Hoffnungsgeschichte aus der Bibel: Lukas 24, 13-35. Zwei Männer waren auf dem Weg nach Hause, und zwar nach Emmaus. Sie waren todtraurig, weil all ihre Hoffnung drei Tage zuvor gestorben war. „Wir hatten doch gehofft, dass er der erwartete Retter Israels sei.“ Sie sind am Ende. Völlig hoffnungslos.

Das Gegenthema der Hoffnung ist in der Bibel die Hoffnungslosigkeit

Sie gliedern sich ein in die schier unendliche Reihe von Menschen, deren Träume zerplatzt sind, die an der Realität verzweifeln, die auf etwas Gutes gesetzt und verloren haben. Das Gegenthema der Hoffnung ist in der Bibel die Hoffnungslosigkeit und sie wird nicht ausgespart. Das unterscheidet Hoffnung ja auch von Glück oder Zufriedenheit. Hoffnung gründet nicht auf guten und schönen Umständen, sondern auf dem Gegenteil. Hoffnung schaut nach vorne und erwartet Besserung.

Darum schwingt bei der Hoffnung immer auch das Dunkle mit, von dem die Hoffnung sich abzuheben versucht. Das ist in der Emmausgeschichte genauso. Die beiden Jünger haben das Leid und den Tod miterlebt und sie sehen keinerlei Sinn im Tod Jesu. Dann kommt ein vermeintlich Fremder des Weges und schließt sich ihnen an. Er spürt ihre Hoffnungslosigkeit und fragt nach. Sie erzählen und er hört zu. Er erklärt, aber sie verstehen ihn nicht. Inmitten von Hoffnungslosigkeit erreicht man das Herz eines Menschen schwer.

Hoffnung gründet sich auf das, was werden kann

Wohlmeinende Ratschläge oder kluge Argumente nützen wenig. Auch das gehört zur Hoffnung: sie braucht Zeit, um zu entstehen und sie kann Menschen nicht von außen gegeben werden. Hoffnung wird in der Bibel als etwas Lebendiges beschrieben, oft als ein Prozess. Die drei Männer sind mittlerweile in Emmaus angekommen und die beiden laden den „Fremden“ ein, zu bleiben und mit ihnen zu essen. Er willigt ein und als er das Brot zerteilt, fällt es ihnen „wie Schuppen von den Augen“. Sie erkennen Jesus. Es ist nur ein Moment, weil er gleich danach wieder vorbei ist. Jesus entschwindet ihnen. Er ist erneut weg, weil Hoffnung immer etwas gegen den Anschein ist. Hoffnung gründet sich nicht auf Beweise oder Tatsachen. Sie gründet sich auf das, was werden kann. So ist das auch mit der Begegnung in Emmaus. Aus ihr wächst den beiden Jüngern neue Hoffnung.

Es war ihre Beziehung zu Jesus, die sie das Leben wieder ahnen lässt. Hoffnung kommt in der Bibel nicht durch kluge Worte oder gute Argumente. Sie entsteht durch Begegnungen mit Gott, mit dem Leben, mit dem Heil. Hoffnung ist etwas Lebendiges und sie setzt uns in Bewegung. „Brannte nicht unser Herz“, sagen sie zueinander und rennen zurück nach Jerusalem, um dort ihren Freunden entgegen zu schreien: „Der Herr ist auferstanden.“ Für mich erzählt diese Geschichte wundervoll, was Hoffnung sein kann: sich vom Tod wegdrehen und dem Leben zuwenden, mit Jesus an unserer Seite.

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Christen als Hoffnungsträger?
Ja, wer denn sonst!

Von Dr. Klaus Neumeier, Christuskirchengemeinde Bad Vilbel

Für dich ist das Glas immer halb voll, oder?“ – Keine Ahnung. Meistens schon. Immer? „Aus tiefer Not schrei ich zu Dir“; diese Worte aus Psalm 130 habe ich in meinem Leben noch nicht oft und vor allem nicht anhaltend rufen müssen. Ist mein Lebensglas immer halb voll? Jedenfalls hat es sich immer sehr schnell wieder gefüllt, wenn es sich mal zu leeren drohte. Aber das ist vor allem Gnade und Geschenk, dass wirklich Schweres mir in meinem Leben nicht widerfahren ist. Aber jetzt mal einfach so auf den Alltag geschaut stimmt es vermutlich: Ich bin ein positiv denkender Mensch und so ist das Glas für mich wirklich fast immer halb voll. Hat diese positive Lebenshaltung mit meinem Vertrauen auf Gott zu tun? Noch so eine schwere Frage. Gottvertrauen und Lebenshaltung gehen ja Hand in Hand. Sie gehören zusammen. Aber vermutlich stimmt es schon: „Wer auf Gott vertraut, braucht sich nicht zu fürchten vor den Träumen der Nacht und der Einsamkeit. Er darf mit Hoffnung in den neuen Tag gehen“ – so heißt es in einem wunderschönen christlichen Lied, das wir gerne in unseren Gottesdiensten singen.

Ein echter Grund zur Hoffnung

Ob das auch jetzt in der Corona-Krise gilt? Ich denke schon. Ja eigentlich ganz sicher: Eine solche Aussage gilt in der Krise oder sie gilt gar nicht. Sie gilt jetzt erst recht! Gott ist größer als alles irdische Ungemach und ganz sicher als jede Corona-Pandemie, so sehr sie uns auch zusetzt. „God you are higher than any other“ heißt es in einem anderen unserer modernen Lieder. Das ist für mich wirklich ein echter Grund zur Hoffnung! Und wie so oft hat der Apostel Paulus das schon vor fast zwei Jahrtausenden mit wenigen Worten unglaublich treffend auf den Punkt gebracht: „Wir wissen, dass Bedrängnis Geduld bringt, Geduld aber Bewährung, Bewährung aber Hoffnung. Hoffnung aber lässt nicht zuschanden werden.“ (Römer 5,3-4) Bedrängnis erleben wir, auch wenn wir es vielleicht heute anders formulieren würden. Geduld folgt daraus und wir brauchen sie mehr als wir uns vorstellen konnten und wollten.

Bewährung macht die Hoffnung stark

Bewähren wir uns in der geduldig ertragenen Bedrängnis – ich finde schon. Ich erlebe beeindruckende Bewährung von Menschen in unterschiedlichsten Corona-Bewährungssituationen. Ja, es ist oft wirklich beeindruckend ... Aber solche Bewährung macht die Hoffnung stark und die Hoffnung wiederum gibt die Kraft für die Geduld und die Bewährung. Wechselwirkungen. Das ist mehr Psychologie als Theologie, was Paulus hier schreibt. Aber wir wissen ja: Bei ihm sind Gottvertrauen und Gottesbeziehung immer mitgedacht. Ja, ich bin mir sicher: Gottvertrauen stärkt die Hoffnung gerade jetzt. Und daher dürfen wir Hoffnungsträger sein, jetzt erst recht. 

Glück ist Verbundenheit,
also eben nicht die unverbundene Selbststeigerung,
die alles andere benutzt zur eigenen Optimierung.

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