Herzlich Willkommen! Entdecken Sie, welche Angebote der EKHN zu Ihnen passen. Über das Kontaktformular und auf facebook sind wir offen für Ihre Anregungen.

Menümobile menu

Passionszeit (Fastenzeit)

Bild: © Getty Images, KatarzynaBialasiewiczTrauriger MannBedingungslose Liebe - wie lässt sie sich wieder empfinden?

Warum leiden manche Menschen? Wer steht mir in meiner Angst bei? Wie zeigt sich Gott? Die 40 Tage Passionszeit bieten Möglichkeiten, sich mit Grundfragen des Lebens wie diesen auseinander zu setzen. Die Bezeichnung für diese Wochen leitet sich vom lateinischen  Begriff „passio“ her, der mit Leiden übersetzt wird. Dabei beziehen sich Christinnen und Christen auf die Passionsgeschichte Jesu, auf seinen Weg ans Kreuz. 

Die Passionsgeschichte

Die biblische Passionsgeschichte beginnt mit dem letzten Besuch Jesu in Jerusalem. Er reitet auf einem Esel  in die Stadt ein. Für die Leute damals ist es das Zeichen: Hier kommt der Retter, den die Propheten angekündigt haben. Sie jubeln Jesus zu und schwenken Palmzweige wie für einen König. Jesus ist in Jerusalem vermutlich vier Tage lang aufgetreten. Was er sagt und macht, provoziert die religiöse und politische Obrigkeit. Sie klagen Jesus wegen Gotteslästerung an. In den Augen der Römer ist er ein gefährlicher Unruhestifter. Dabei hatte Jesus zuvor über die Liebe zu Gott, zu seinen Nächsten und zu sich selbst gepredigt. Allerdings äußert er auch deutlich Kritik, zum Beispiel gegen die Geschäftemacherei im Tempel; Schriftgelehrte bezeichnet er als Heuchler. Damit macht er sich Feinde.

Jesus ist zum Passahfest nach Jerusalem gekommen, und das feiert er mit seinen Jüngern. Das Passah-Essen wird zum Abschied, zum letzten Abendmahl, das Christinnen und Christen bis heute feiern zur Erinnerung an Jesus und zu seiner Vergegenwärtigung.  Danach geht Jesus mit seinen Jüngern in den Garten Gethsemane. Er bittet sie, mit ihm zu wachen und zu beten. Die Jünger schlafen ein. Jesus betet allein. Er hat Angst vor dem, was auf ihn zukommt, und bittet Gott: „Lass diesen Kelch an mir vorübergehen! Aber nicht mein, sondern dein Wille geschehe.“ Dann kommen Soldaten in den Garten Gethsemane. Judas, ein Jünger von Jesus, verrät ihn mit einem Kuss.  Die Soldaten verhaften Jesus, seine Jünger fliehen. Jesus wird verhört und zum Tod am Kreuz verurteilt. Mit zwei Räubern wird er hingerichtet und stirbt. Nach drei Tagen soll sich laut biblischer Überlieferung das Unfassbare ereignet haben: Jesus ist von den Toten auferstanden. Das feiern Christinnen und Christen an Ostern.

Gott erfährt tiefstes Leid

Jesus hat über sich selbst oft als „Menschensohn“ gesprochen. Nach christlichem Verständnis ist Jesus „wahrer Mensch und wahrer Gott“. So hat es das Konzil von Chalkedon (451 n. Chr.) formuliert. Das heißt: Jesus ist Mensch aus Fleisch und Blut und fühlt wie ein Mensch. Gleichzeitig war er göttlicher Natur, Gottes Sohn. In Jesus am Kreuz erfährt  Gott tiefstes menschliches Leid und Ungerechtigkeit. Jesus, wahrer Mensch und wahrer Gott, wird hingerichtet und stirbt. Das stellt die Vorstellung eines machtvollen Gottes komplett auf den Kopf. 

Lieblosigkeit hat Folgen 

Der Theologe Wilfried Härle schreibt, dass Gott damit sich selbst zugunsten des „verlorenen Menschen“ geopfert habe. Als verloren oder „sündig“ bezeichnet der Theologe, wenn Menschen unfähig zur Liebe sind. Denn Lieblosigkeit habe Folgen, die andere Menschen „völlig unschuldig“ treffen könnten. Zum Beispiel: Wer als Kind keine Liebe erfahren hat, leidet oft noch als Erwachsener darunter. Und die negativen Erfahrungen mit Beziehung können an die nächste Generation weitergegeben werden. Wenn in Wirtschaft und Politik einzelne Firmen oder einzelne Länder lieblos und ohne Rücksicht ihre Machtinteressen durchsetzen, kann das bei den anderen zu Armut, Abhängigkeiten und Konflikten führen.

Gottes Liebe ist so groß, dass sie selbst ihre Verleugnung einschließt

Jesus hat Liebe gepredigt und gelebt. Er wurde selbst Opfer von Lieblosigkeit. Die Grausamkeit, zu der Menschen fähig sind, hat ihn ans Kreuz gebracht. Seine Jünger und die ersten Christen haben das später so verstanden: In seinem Leiden und Sterben hat Jesus die Sünde – also Gedanken und Handlungen, die sich gegen die Liebe richten – bewusst getragen. Darin kann die Kraft zur Verarbeitung von Lieblosigkeit liegen. Wilfried Härle schreibt: „Im Leiden und Sterben Jesu Christi erweist sich die Liebe als diejenige Alles bestimmende Wirklichkeit, die auch noch ihr eigenes Verleugnet- und Verratenwerden umfängt und es so, ohne es zu bagatellisieren, überwindet.“ Gott selbst erleide den Schmerz darüber. Aber mit der Auferweckung Jesu von den Toten offenbart Gott: Die Liebe ist stärker als die Gewalt. Die Liebe ist stärker als der Tod. Der Glaube an Gott sensibilisiert dafür, sich für die Liebe zu öffnen und sie im Alltag zu leben.

In welchen Situationen ist die eigene Liebesfähigkeit blockiert? Was hat dazu geführt? Die Auseinandersetzung mit der eigenen Liebesfähigkeit kann schmerzhaft sein. Aber sie ist ein erster Schritt zur Heilung. Dazu ermutigt die Passionszeit.

Fasten während der Passionszeit

Die Passionszeit heißt auch Fastenzeit: Fasten als Vorbereitung auf Ostern. Im christlichen Sinn gilt Fasten als Ausdruck tätiger Buße. Die Reformatoren haben kritisiert, dass Menschen glaubten, sie würden durch Fasten frömmer. Die Gnade Gottes lässt sich nicht durch Fasten verdienen. Fasten kann trotzdem gut sein. Martin Luther hat die sieben Wochen vor Ostern als Zeit zur Meditation über Christi Leiden und Tod verstanden. Heute ermutigen diese evangelischen und ökumenischen Fastenaktionen zur Reflexion:

7 Wochen Ohne

Autofasten 

Sodener Passion

Rita Haering / MV

Quellen: Wilfried Härle: Dogmatik, RGG, Erwachsenenkatechismus

Diese Seite:Download PDFDrucken

Wohl dem Volk, dessen Gott der HERR ist, dem Volk, das er zum Erbe erwählt hat!

Psalm 33, 12

Bild: Mit freundlicher Genehmigung von gettyimages/issalina

Zurück zur Webseite >

to top