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Respektvoller Dialog gefordert

Plädoyer: Sankt-Martins-Fest soll seinen Namen behalten

Lilo Kapp/pixelio.deDie leuchtenden Laternen der Martinsumzüge erinnern an Themen, die die meisten Menschen beschäftigen: die Sorge für Bedürftige, die Sehnsucht nach dem Sinn des Lebens

„Sankt Martin steht für universale Themen, die alle Menschen und auch deren Religionen umtreibt“, erklärt Oberkirchenrat Pfarrer Stephan Krebs, Pressechef der EKHN.

Kohlh. / MdhsStephan KrebsStephan Krebs erinnert an die Bedeutung Sankt Martins, die er nach rund 1700 Jahren noch immer hat

Stephan Krebs plädiert dafür, das St. Martins-Fest nicht als „Sonne-Mond-und-Sterne-Fest“ zu feiern. Er bezieht sich damit auf die Forderung von Rüdiger Sagel, Landessprecher der Linken in Nordrhein-Westfalen. Sagel hatte in den letzten Tagen gefordert, das Sankt-Martins-Fest umzubenennen. Nach Auffassung des Politikers sollte die christliche Prägung niemandem aufgedrängt werden.
Eine Kindertagesstätte in Bad Homburg hat das St-Martins-Fest bereits zum „Sonne-Mond-und–Sterne-Fest“ umbenannt. Laut Presseberichten erhält die Kita-Leitung nun zahlreiche kritische Mails, in denen manche Verfasser offen mit Gewalt drohen. Pfarrer Krebs setzt sich dafür ein, unterschiedliche Auffassungen respektvoll und selbstbewusst miteinander auszutauschen. In einem Interview mit der Multimedia-Redaktion der EKHN verdeutlichte er seine Haltung.

Was halten Sie von den Vorschlägen, das St. Martins-Fest in ein „Sonne-Mond-und–Sterne-Fest“ umzubenennen?

Stephan Krebs: Nichts. Christliche Traditionen kann man nicht inhaltlich und sprachlich entkernen und dann mit neuem säkularem Anstrich weiterführen. Religion und Kultur lassen sich nicht präzise voneinander trennen. Gerade die, denen solche Versuche angeblich zu gute kommen sollen –  also Nicht-Christen – spüren das ganz genau.

Eigentlich ist der Martinstag in der katholischen Tradition verwurzelt. Dennoch beteiligen sich die Kinder vieler evangelischen Kindertagesstätten an den Umzügen. Warum?

Stephan Krebs: Viele evangelische Gemeinden organisieren das sogar - und zwar zu Recht, denn Martin ist weder katholisch noch evangelisch, sondern schlicht Christ. Und als solcher ist er eine Leitfigur für alle Christen. Die evangelische Kirche ist keine Neuerfindung des Christentums aus dem 16. Jahrhundert, sondern eine Rückbesinnung auf alte biblische Einsichten. Deshalb steht sie fest in der fast 2000-jährigen Geschichte des Christentums. „Die evangelische Kirche ist die katholische Kirche, die durch die Reformation gegangen ist.“ So hat es der ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland Wolfgang Huber gesagt. Und schöner kann man es nicht sagen.

Hat das St. Martins-Fest trotz seiner religiösen Prägung etwas, das unterschiedliche Religionen und Weltanschauungen miteinander verbindet?

Stephan Krebs: Ja, denn Martin ist ein Mann auf der Suche nach einem sinnvollen Leben und auf der Suche nach Gott. Er ist auch der barmherzige Offizier, der seinen Mantel teilt, um einen Armen zu kleiden. Damit steht er für universale Themen, die alle Menschen und auch deren Religionen umtreibt: Sehnsucht nach dem Sinn des Lebens, Sorge für die Bedürftigen, Fragen nach Gott und die Vielschichtigkeit des Menschen, die sich bei Martin darin ausdrückt, dass er als Soldat töten können muss und zugleich ganz viel Mitgefühl haben kann.

In unserer Gesellschaft leben neben Christen vor allem auch Agnostiker, Juden, Muslime, Atheisten, Anhänger fernöstlicher Religionen und esoterischer Weltanschauungen. Ist es da noch zeitgemäß und sinnvoll, die christliche Bedeutung von Advent, Weihnachten, Ostern und Pfingsten zu betonen?

Stephan Krebs: Ja, denn es ist unsere Aufgabe als Christen. Wir können und wir wollen es nicht anders. Es ist unsere Überzeugung, die uns im Leben trägt. Und es ist unsere Tradition, in die sich auch viele andere immer noch gerne hineinstellen. Und die, die das nicht wollen, können ihre eigenen Wege gehen.

Wie begegnet die EKHN anderen Vorstellungen, die die christliche Tradition der Feste mit einem kritischen Auge betrachten?

Stephan Krebs: Respektvoll und selbstbewusst. Wir gehen in den Dialog. Darin hören wir zu und bieten unsere Argumente an. In der Debatte bringen wir unsere Argumente ein und nehmen damit unser demokratisches Mitspracherecht in Anspruch – wie das andere auch tun können.

Vielen Dank für das Gespräch!

Gott erweist seine Liebe zu uns darin,
dass Christus für uns gestorben ist,
als wir noch Sünder waren.

Römer 5, 8

Bild: Mit freundlicher Genehmigung von gettyimages_saemilee

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