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Lernen in Corona-Zeiten

Schulen im Lockdown: Zwischen langweilig und mega-anstrengend

Bildquelle:gettyimages_mixettoHomeschoolingIn Zeiten von Corona empfiehlt das RPI, den Druck etwas rauszunehmen

Kein normaler Präsenzunterricht bis Mitte Februar, lautet die aktuelle Corona-Regel für Schulen. Stattdessen: Notbetreuung und Homeschooling. Wie gehen Schüler und Lehrer damit um?

Schulen und Kindergärten sind während des aktuellen Lockdowns nicht komplett geschlossen. Die Kinder dürfen in Hessen zur Schule gehen, müssen aber nicht. Die Präsenzpflicht ist bis Mitte Februar aufgehoben. Das heißt, dass den Eltern empfohlen wird, ihre Kinder zu Hause zu lassen, sie diese aber in die Schule schicken können, wenn das nicht möglich sei. Laut Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) gelte bei den Schulen abzuwägen zwischen dem überragenden Ziel, das Coronavirus einzudämmen und dem Anspruch auf Bildung, Betreuung und Entwicklung der Kinder. In Rheinland-Pfalz soll für die Kinder der ersten vier Klassen bereits ab dem 1. Februar Wechselunterricht angeboten werden, wobei auch hierfür keine Präsenzpflicht gilt.

Homeschooling?- Langweilig!

Die sechsjährige Milena besucht die erste Klasse. Sie freut sich, dass sie noch zur Schule gehen darf: „Da sehe ich auch ein paar von meinen Freunden und mit denen kann ich spielen. Und wenn ich zu Hause bleiben würde, dann würde es echt langweilig sein, dann verpasse ich den ganzen Spaß. In der Schule macht es mehr Spaß als zu Hause.“

Nach Ansicht der Marburger Psychologin Hanna Christiansen liegt für die Kinder und Jugendlichen das größte Problem darin, dass mit der weitgehenden Schließung von Schulen eine strukturierte Beschäftigung und Kontakte wegfielen. Sie weist gegenüber dem Evangelischen Pressedienst (epd) auf die „soziale Funktion von Schule“ hin, die Kinder würden häufig mit den Aufgaben alleingelassen. Es reiche für den Online-Unterricht nicht aus, einfach Lernaufgaben auf Plattformen zu stellen, sagte Christiansen.

„Lehrer arbeiten deutlich mehr“

Dr. Julia Gerth vom Religionspädagogischen Institut der EKHN und EKKW stellt fest: „Es gab bei Lehrern und Schülern schon einen riesigen Zuwachs an Medienkompetenz seit dem 1. Lockdown, einige Kollegen arbeiten ab der 2. Klasse mit Padlets (Online-Tafeln, Anm. d. Red.).“ Aber an manchen Orten fehlten immer noch Endgeräte oder schnelle Internetverbindungen. Die Studienleiterin glaubt, dass Lehrerinnen und Lehrer derzeit deutlich mehr arbeiten. „Die Unsicherheit, weil Unterricht nicht langfristig planbar ist, erfordert unheimlich viel Flexibilität und Aufwand.“ Außerdem funktioniere Fernunterricht anders als im Klassenzimmer, besonders bei jüngeren Kindern.

„Es ist ein verkopftes Lernen“

„Das Miteinander mit Kopf, Herz und Hand fällt weg“, erklärt der Grundschullehrer Roland Fritz. „Das ganze leibhafte Lernen, das Bauen, Basteln, Verschriftlichen, das läuft jetzt nur digital ab. Es ist ein verkopftes Lernen.“ Er unterrichtet Deutsch, Englisch und Evangelische Religion an der Evangelischen Grundschule Freienseen. Die jüngsten Kinder dort sind sechs, die ältesten 13 Jahre alt. Alle Kinder, die eine Betreuung benötigen, dürfen dort von etwa 8 Uhr bis 13:30 Uhr die Schule besuchen. Es findet allerdings kein regulärer Unterricht statt, sondern „betreutes Arbeiten“, wie Fritz es nennt. Das heißt, es ist nicht immer ein Lehrer als Ansprechpartner vor Ort, sondern auch beispielsweise eine Hausaufgabenbetreuerin oder ein Hausaufgabenbetreuer. Am Platz müssen die Kinder keine Masken tragen, wohl aber, sobald sie etwa zur Toilette gehen. Die Kinder hielten sich sehr gut an die Coronaregeln. „Die erinnern sich auch gegenseitig daran.“

Anstelle von 22 Kindern wie in der Stammgruppe - so heißen die jahrgangsübergreifenden Klassen in Freienseen - kommen derzeit drei bis sieben Kinder am Tag in die Schule. „Da kann man ganz anders auf einzelne Kinder eingehen“, gibt der Lehrer zu. „Das empfinde ich als großes Geschenk.“

Julia Gerth vom RPI weist darauf hin, dass sich Grundschulkinder Aufgaben oft noch nicht selber erschließen können und Hilfe benötigen. „Bei manchen können das die Eltern nicht leisten, etwa aus Zeitgründen durch Berufstätigkeit oder wegen einem Migrationshintergrund.“ Manche Lehrerinnen oder Lehrer seien deshalb zu diesen Kindern gefahren. „Viele bieten auch Telefonsprechstunden an.“

Persönliche Gespräche statt Fachdidaktik

Gespräche sind auch Grundschullehrer Fritz wichtig. Sein Arbeitsalltag hat sich dahingehend verändert, dass er nachmittags oft Mails beantwortet oder in Videokonferenzen sitzt. Und: Samstags wenden sich viele Eltern mit ihren Fragen an ihn. „Dafür ist am Donnerstag wenig los, das hat sich also nur verschoben“, stellt er fest. Mathe, Deutsch, Geschichte, Biologie und Erdkunde seien hauptsächlich abgedeckt. Und Religion? Die habe auch seelsorgerische Aspekte, betont Fritz. „Bei der Entscheidung zwischen Seelsorge und Wissensvermittlung sollte man sich fragen: Was ist jetzt gut für dieses Kind?“ Er selbst führe viele Gespräche mit den Kindern. „Mein Plädoyer an alle Erziehenden: Die eigene Haltung und Beziehungsnähe entscheiden, wie ein Kind durch solch eine Krise geht.“ Man solle jedes Kind für sich betrachten.

Alleinerziehende besonders hart betroffen

Besonders hart treffe der Lockdown laut Fritz alleinerziehende Eltern oder solche, deren Kind besonderen Förderbedarf hat. „Manche Eltern haben es schwerer als andere. Gerade Alleinerziehende drehen am Rad, die bräuchten noch mehr Unterstützung.“ Sein Wunsch wäre es, dass die Kirche auch deren Nöte im Blick hat und entsprechende Unterstützung anbietet.

Die Erstklässlerin Milena lebt nur mit ihrer Mutter in einer Wohnung ohne Garten. Die Mutter berichtet: „Während der letzten Weihnachtsferien meinte sie zu mir, dass sie ja nur noch Erwachsene sieht. Und das stimmt.“

Tipps für den Lockdown

Julia Gerth empfiehlt Eltern, auch im Lockdown-Alltag auf Routinen und feste Zeiten zu achten.

Das RPI bietet online eine Vielzahl von Fortbildungen (www.rpi-veranstaltungen.de) und Materialien für Lehrerinnen und Lehrer an. Gerth betont: „Auch Eltern dürfen sich die Materialien natürlich ansehen und herunterladen.“
Material und Info in der Corona-Krise

Spielerisch Kirche entdecken

Die Website kirche-entdecken.de ist das erste Internet-Angebot der evangelischen Kirche für Kinder im Grundschulalter. Unter den Fittichen der Kirchenelster Kira können Kinder die Räume einer virtuellen Kirche durchstöbern und spielerisch Wissenswertes über Kirche, den christlichen Glauben und Religion entdecken. Die Kinderkirchenseite wird von den Evangelisch-Lutherischen Kirchen in Bayern und Hannover betreut.
Kirche-entdecken.de

Digitales Portal für Reli-Unterricht daheim

Das Portal „religionen-entdecken.de“ vom Gemeinschaftswerk Evangelischer Publizistik (GEP) unterstützt in Zeiten des Lockdowns den Reli-Unterricht zu Hause. Schüler, Lehrer und Eltern finden auf dieser Seite kostenfrei Material zum „Religionsunterricht auf Distanz“. Zahlreiche Module fordern die Kinder zudem beim Lexikon, bei Filmen und Spielen zum Mitmachen auf. Außerdem besteht die Möglichkeit, in Umfragen abzustimmen, Statements über den eigenen Glauben abzugeben oder in Quizspielen erworbenes Wissen zu testen. Die Internetseite wird von erfahrenen Journalisten und Theologen betreut.

https://www.religionen-entdecken.de

Alle lebendige Erkenntnis Gottes
geht darauf zurück,
dass wir ihn als Wille der Liebe
in unseren Herzen erleben.

(Albert Schweitzer)

Albert Schweitzer

Bild: Mit freundlicher Genehmigung von gettyimages_ekely

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