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Blitzlichter menschlicher Verhaltensweisen

Real-Beobachtungen zur Naturnähe

© GettyImages / TasfotoNL

Norderney

An vielen Stellen liegen Flyer des Nationalparks Wattenmeer aus „Heuler – was nun?“ aus. Ein junger Seehund blickt mit großen dunklen Kulleraugen an – Kindchenschema pur! Der wichtigste Hinweis an Touristen: Halten Sie mindestens 100 Meter Abstand zu einem Heuler am Strand, damit die Robben-Mutter ungestört zurückkommen kann. Sein Sie ruhig, damit das Jungtier nicht unnötig gestresst wird. 

Realität: mit Smartphones bewaffnet sitzen Touristen-Gruppen im Abstand von unter einem Meter neben dem Heuler, das Tier faucht hilflos, entblößt dabei sein Raubtiergebiss, robbt Richtung Meeressaum. Lautes Gekreische: Wie aufregend! Und der Heuler ist ja soooooo süß.

Egoistische selbstzentrierte Inszenierung. Selbstvermarktung im Rahmen der Aufmerksamkeitsökonomie. Das gibt Likes!

Empathie und Respekt für ein anderes Lebewesen: Null. Natur als bloße Hintergrundkulisse.

Ansprache mit Hinweis auf Tierschutz und Rechtsregeln: Bedrohung, Beleidung, dumme Ausreden, doch mal eben nur ganz schnell … , einmalige Chance, … na und ….

Deutsche Alpen

Es gibt ausgewiesene Wildschutzgebiete, für die im Winter ein striktes Betretungsverbot gilt um Ruhezonen für Wildtiere wie Rehe oder Hirsche zu schaffen. Wintersportler sollen auf den markierten Routen bleiben und ihre Hunde anleinen. Für das Überleben der Wildtiere ist die Ungestörtheit extrem wichtig, da sie im Winter ihren Kreislauf stark runterfahren. Müssen sie durch menschliche Störungen im tiefen Schnee plötzlich flüchten, verbrauchen sie das Vier- bis Fünffache ihrer normalen Energiemenge.

Realität: die Schranken mit großen roten Hinweisschildern werden umgangen oder überklettert. Illegal – egal. Um die unberührte Schneelandschaft am Ende des Talkessels ganz für sich alleine zu haben. Und erst die Selfies vor den schneebeladenen Glitzertannen. Und die Rehe springen herum – ist doch sooo romantisch. Völlige Ignoranz gegenüber dem so überflüssig erzeugte Tierleid. Vernunft, Einsicht? Man ist doch soooo ein starker Naturliebhaber.

Ansprache mit Hinweis auf Tierschutz, Betretungsverbot, drohende Bußgelder: Bedrohung, Beleidung, dumme Ausreden. Meine Freiheit, mein Urlaub, niemand kann mich hindern, wo kein Kläger, kein Ranger in Sicht, ich dachte mal eben, die Kinder lieben das Abenteuer  ….

Stadtrand von Mainz - Rheinhessen

Eine fast völlig ausgeräumte Kulturlandschaft: Äcker, Weinberge, Mini-Gehölzinseln. Der Freizeitdruck ist groß. Nochmals deutlich verstärkt durch die Corona-Pandemie und den dadurch stark eingeschränkten Bewegung- und Begegnungsorte in der Stadt. Jogger, Radfahrer, Spaziergänger, Hundehalter, Reiter, Cabriofahrer, Drachensteigen, Trinkparties zwischen Reben. Dazwischen landwirtschaftlicher Berufsverkehr, der kaum noch ein Durchkommen findet. Konflikte um die Wegenutzung eskalieren.

Und immer wieder: freilaufende hoch aggressive Hunde, die ihren Besitzern prinzipiell nicht gehorchen, da sie keine Hunde-Erziehung genossen haben. Bettelnde Hundebesitzer: „Mäusle, kommst du bitte, bitte?“ Oder völliges Ausblenden: „der will nur Spielen – deshalb springt er an Ihnen hoch“, „das aggressive Bellen - der tut normalerweise nichts – aber Sie machen Ihn nervös, wenn Sie ihm ausweichen“, „er spürt Ihre Angst – deshalb schnappt er nach Ihnen“, „das Knurren liegt an Ihren Walking-Stöcken – Sie bedrohen ihn“, „ich zahle Hundesteuer – gehen Sie woanders hin“. 

Die leinen- und führungslosen freilaufenden Hunde jagen außerdem mit Vorliebe die letzten verbliebenen Wildtiere. Angeborener Jagdtrieb. Sie hetzen seltene Feldhasen und scheue Rehe, scheuchen Fasane und Rebhühner auf. Die Rehe rennen in Todesangst, verzweifelt, orientierungslos über die großen Ackerschläge. Eine Deckung ist erst in weiter Ferne in Form von Mini-Gehölzinseln in Sicht. Die Rehe bleiben an den Drähten der Weinberganlagen hängen und verletzen sich dabei schwer. Die Feldhasen auf der Flucht schlagen Haken. Manche ducken sich in den Feldern, um sich zu verstecken. Nur die großen Ohren-Löffel verraten sie. Widltiere im Dauerstress – ein Sinnbild.

Ansprache mit Hinweis auf Tierschutz und Anleinungsgebot für große Hunde: Bedrohung, Beleidung, dumme Ausreden. Der kriegt den Hasen doch sowieso nicht. Mein Hund benötigt Auslauf. Mein Hund jagt und beißt gleich Sie.

Stadtrand von Mainz - Rheinhessen

Ehrenamtliche Anstrengung von unermüdlichen Naturschützern: eine mittelgroße private Fläche wurde als Blühwiese mit Wildblumen neu angelegt. Als geschütztes Refugium für die gehetzten Wildtiere und als Nahrungsquelle für Insekten wie Wildbienen, Schmetterlinge und Hummeln. Zwecks Außenbegrenzung wurde eine Vogelschutzhecke aus einheimischen Gehölzen gepflanzt. Hohe Sitzstangen für Greifvögel wurden errichtet. Große Warnschilder mit dem Hinweis „Wildtier-Ruhezone“ bzw. „Geschütztes Biotop – Betreten verboten“ werden in allen Himmelsrichtungen aufgestellt.

Ein wunderschönes Blütenmeer u. a. aus Mageriten entsteht. Effekt: Dutzende von Menschen sitzen, liegen, stehen in der Blühwiese. Camping-Utensilien in Form von Klapptischen und –stühlen werden zwischen den Blumen aufgebaut, welche zuvor per rasend schnell fahrenden PKW auf den engen Feldwegen angekarrt wurden. Da jeder einen neuen perfekten Blütenhintergrund für sein ausgiebiges Foto-Shooting in allen denkbaren Lebenslagen benötigt, werden die Mageriten innerhalb kürzester Zeit großflächig und vollständig niedergetrampelt.

Sich selbst zurücknehmen und von außen an der farbenprächtigen Blühwiese und ihrer summend-brummenden Insektenvielfalt erfreuen? Völlig undenkbar. Es locken herausragende Selfies.  Welch gute Gelegenheit zur Fremd- und Selbstbestätigung.

Ansprache mit Hinweis auf Biotopschutz und Betretungsverbot von Privatbesitz: Bedrohung, Beleidigung, dumme Ausreden. Der Ausspruch „Das hier ist eigentlich ein Rückzugsraum für Tiere – und jetzt sitzen Sie dadrin“ wird noch nicht einmal ansatzweise verstanden. Alles gehört doch allen. Regeleinhaltung – macht doch keiner mehr oder bloß noch die Dummen. Wo sind denn angeblich die vorhandenen Tiere?

Wald und geschützte Waldwiesen im Taunus: Besucherdruck in den Naturschutzgebieten

Menschenmassen haben den Wald neu für sich als Freizeitraum entdeckt. Wanderern droht ständig, von hinten völlig ungewarnt über den Haufen gefahren zu werden, falls sie vor anrasenden Radfahrern nicht blitzschnell und instinktsicher auf die richtige Seite aus dem Weg springen. Mountainbiker schaffen sich querfeldein illegale Trails durch junge Laubbäume, zerstören dabei dauerhaft Böden sowie die bodenbedeckende Vegetation und erschrecken die sich in die letzten Ruheräume verzogenen Wildtiere. Die offiziell angelegten Mountainbike-Strecken sind doch viel zu langweilig. Sportliche Fairness, Ausgleich zwischen Naturschutz und Freizeitbedürfnis – alles von gestern. Ich – Ich – Ich.

Riesige lautstarke Wandergruppen benötigen als ständige Geräuschkulisse Musik-Untermalung aus Ghettoblastern. Ohne künstliche Dauerbeschallung geht der neue meditative Massentrend Waldbaden offensichtlich nicht.

Ruhe? Erholung? Erfassen von Naturgeräuschen?

Auf hoch geschützten und ausgewiesenen Waldwiesen-Naturschutzflächen wird mitten in blühenden, empfindlichen, sehr seltenen Orchideen gepicknickt, gegrillt, Ball gespielt und Rad gefahren. 

Wegegebot? Trittschäden? Rote Liste Arten? Knabenkraut? Höchst spezifische Symbiosen der Orchideen mit spezialisierten Schmetterlingsarten? Gestörte bodenbrütende Vögel, die ihre Nester aufgrund des Stresses durch Mensch und Hund aufgeben?

Verständnis für das Wertvolle einer Orchideen-Waldwiese? Freude an der besonderen Schönheit der Landschaft? Ungestörte Rückzugsräume für Tiere erhalten? Rücksichtsnahme durch sich Fernhalten? Fehlanzeige. Die Freizeitgesellschaft fordert eben ihren Tribut.

Als Gipfel der neuen Naturnähe liegt an vielen Bänken, Aussichtsplätzen, Waldparkplätzen Plastik-Verpackungsmüll weit gestreut herum. Von anderen unappetitlichen Hinterlassenschaften ganz zu schweigen.

Ansprache mit Hinweis auf Natur- und Umweltschutz: Bedrohung, Beleidung, dumme Ausreden. Das wäre doch die Aufgabe des Staates. Eigene Müllbeutel mitbringen? Leider vergessen, wie spießig, gibt doch Waldarbeiter zum Müllsammeln, die behalten so ihren Job. Reine Notwehr des erholungssuchenden Bürgers – es sind schließlich keine ausreichenden Mülleimerkapazitäten vorhanden.

Vogelfütterung verboten - egal

Tauben füttern verboten in der Stadt, auf dem Balkon, auf dem Marktplatz? Wegen Krankheitserregern und Gebäudeschäden?

Enten, Schwäne und Nilgänse füttern verboten am See? Wegen ökologischer Probleme durch die so bewirkte Nährstoffanreicherung der Stehgewässer?

Möwenfütterung verboten am Meer? Wegen so erlernter wirklich gefährlicher Möwenangriffe auf Menschen mit Essen in der Hand?

Alles egal. Jahrzehntelange Informationskampagnen wirken nicht. Lernerfolg null.

Ansprache mit Hinweis auf Natur- und Umweltschutz: Bedrohung, Beleidung, dumme Ausreden. Es macht doch sooo viel Spaß. Die Vögel sind hungrig. Nur so ein bißchen frisches Brot von freudestrahlenden Kindern. Das einzig verbliebene Vergnügen einsamer Großmütter, bewaffnet mit großen Futtertüten.  

Langfristige negative Auswirkung auf die Tierwelt? Man geht ja weiter. Der eigene einzelne Moment zählt. Und die so lebendigen Fotos - ich fütternd im Vogelschwarm. Nur moralinsaure Spaßbremsen sowie Kinder-, Oma- und Taubenhasser sind dagegen. Andere tun es doch auch. War schon immer so. Immer diese sinnfreien Verbote der Ökofaschisten.

Ergebnis der Natur-Bewusstseinsstudie 2019 des Bundesumweltministeriums und des Bundesamtes für Naturschutz

Die Natur stellt für die Bevölkerung ein hohes schützenswertes Gut dar. Der Ausbau von Schutzgebieten sowie der Schutz der Artenvielfalt von Tieren und Pflanzen wird von der Mehrheit als wichtige Aufgabe herausgestellt.

Ihre Kommentare und eigenen Erfahrungen sind erwünscht!

Fühlen Sie sich selbst ertappt? Ganz üble Verallgemeinerung? Zu pessimistisch? Zu polarisierend? Zu fanatisch? Machtbesessene Blockwartmentalität? Denunziantentun? Freudloser Spielverderber? Ökofaschist? Menschenhass? Pedantische Erbsenzählerei? Hobby-Erzieher? Besserwisser? Der Kirche nicht würdig?

Alles völlig anders? Nur eine kleine Minderheit? Ein paar schwarze Schafe?

Schlussbemerkung

Ja – sehr viele gutwillige Menschen nehmen Rücksicht auf Tiere und Natur und halten sich an die Regeln. Sie fallen bloß nicht so auf. Daher der stark ins Negative verzerrte Blick.

Es gilt aber auch: es gibt überzeugte, engagierte, gut ausgebildete Arten- und Naturschützer. Ihnen tun diese Beobachtungen richtig weh. Fachwissen verpflichtet. Den Mund auftun für die schwache stumme Kreatur.

Selbst bei höflicher, freundlicher und erklärender Ansprache des Fehlverhaltens werden Naturschützer durch Beschimpfungen und Bedrohungen gezielt mundtot gemacht. Irgendwann schweigen auch sie - aus Selbstschutz und Resignation.  

Einziger Hoffnungsfunken: einige Menschen reagieren sehr einsichtig, entschuldigen sich und versichern glaubhaft, dass ihnen die Zusammenhänge vorab nicht bewusst waren.

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Biodiversitätsverluste in den Agrarlandschaften

Von Maren Heincke

Die hohe Biodiversität in den verschiedenen Kulturlandschaften hat sich unter dem Einfluss jahrhundertelanger landwirtschaftlicher Bewirtschaftung entwickelt. Voraussetzung für ihre Erhaltung ist deshalb der gezielte Schutz gewachsener Systeme und gefährdeter Arten sowie die Biotopvernetzung in der Landschaften.

Gewachsene und reife Systeme bzw. Strukturen in der Landschaft sind nicht ersetzbar. Dazu zählen u. a. intakte Böden, über viele Generationen entwickelte Grünlandgesellschaften, Magerrasen, Gewässer, Ackerlebensräume sowie spezielle Lebensraumkomplexe. Die Vielfalt an Tierarten beträgt dabei ein Vielfaches der Pflanzenvielfalt eines Lebensraumes.

Gravierende Biodiversitätsverluste

Die Biodiversitätsverluste in den Agrarlandschaften waren über die vergangenen Jahrzehnte hinweg gravierend und haben sich in den letzten Jahren sogar noch beschleunigt. Die Bestandseinbrüche sind unübersehbare Warnzeichen für die negative Entwicklung der Lebensräume.

Erst seit wenigen Jahren wird verstärkt über „Insektensterben“ sowie dem Rückgang der Agrarvögel wie die Feldlerche berichtet. Neben spezialisierten Arten sind inzwischen auch viele Populationen von früheren „Allerweltsarten“ stark rückläufig.

Der Schwund der Biodiversität hat viele Ursachen

Dazu zählen u. a. Flächen-, Ressourcen- und Energieverbrauch, Flächenzerschneidung, Immissionen, geänderte Landnutzungsformen, sowie die Folgen der Kumulation dieser Faktoren. Es fand eine Nivellierung der Lebensbedingungen in der Kulturlandschaft statt. Saumstrukturen verschwanden, die Grünlandnutzung wurde intensiviert, die Fruchtfolge eingeengt und regional fanden stark erhöhte Nährstoffeinträge statt.

Der Biodiversitätsverlust in den Agrarlandschaften kann nicht ohne gravierende Veränderungen der EU-Agrarpolitik gestoppt werden. Die Agrarförderung muss sich sehr viel stärker als bisher an den Zielen des Artenschutzes ausrichten. Es gibt bereits sehr bewährte Kooperationen und Win-Win-Strategien zwischen Landwirtschaft und Naturschutz. Die Anlage von Blühflächen, Altgrasinseln, Brachflächen ist z. B. sinnvoll. Eine weite Fruchtfolge mit vielen verschiedenen Ackerkulturen und extensive Grünlandnutzung sind anerkannte Maßnahmen.

Das notwendige Agrar- und Umweltwissen ist vorhanden. Jetzt gilt es zu handeln!    

Gott stellt unsere Füße auf weiten Raum
und ich glaube, er tut das auch durch die,
die mit uns leben.

(Melanie Beiner zu Psalm 31,9)

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