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Mythen um die Gefahr durch Impfungen

Vier Fragen und vier Antworten

andriano_cz/gettyimages

Kirchliche Kindertagesstätten wollen abwarten, wie staatliche Kitas auf die neu eingeführte Impfpflicht reagieren. Manche der kursierenden Mythen um Impfungen haben einen wahren Kern. Er ist jedoch meist sehr klein. Wir haben die wichtigsten Fragen geklärt.

Kindertagesstätten der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) wollen nach der Einführung einer Impfpflicht gegen Masern abwarten, welche Maßnahmen staatliche Kitas umsetzen. Die Kitas der EKHN würden sich dann „einigermaßen sicher anschließen“, sagt EKHN-Sprecher Volker Rahn.

Die kirchlichen Kitas hätten es mit Impfungen bislang stets ähnlich gehalten wie die staatlichen. „Der Nachweis einer Impfberatung durch einen Arzt ist Pflicht“, erläutert Rahn. Die Impfung selbst sei bisher nicht Pflicht in den Kitas gewesen, und es sei kein Kind wegen eines nicht ausreichenden Impfschutz abgewiesen worden.

Meist vergessen Menschen die Impfungen schlicht. Nur ein einstelliger Prozentsatz der Bevölkerung hegt Vorbehalte dagegen. Gegen Impfungen kursieren viele Gerüchte, die meist allerdings nur einen kleinen wahren Kern haben:

Der Vorwurf:
Impfen kann zu Autismus führen.

Der wahre Kern: Kinder werden im ersten oder zweiten Lebensjahr geimpft. In diesem Alter wird Autismus häufig diagnostiziert.

Die Tatsachen:
Eine Studie aus dem Jahr 1998 des britischen Arztes Andrew Wakefield beschrieb zwölf Fälle von Kindern, die nach einer Masern-Mumps-Röteln-Impfung Symptome von Autismus entwickelt hatten. Niemals gelang es einer der zahlreichen Nachfolgestudien, das Ergebnis Wakefields zu bestätigen, im Gegenteil: Alle Untersuchungen kamen zu dem Ergebnis, dass es keinen Zusammenhang zwischen Impfung und Autismus gibt, zuletzt eine Studie aus Kopenhagen im vergangenen März. Im Jahr 2004 wurde bekannt, dass Wakefield für seine Arbeit Geld angenommen hatte von Anwälten, die Eltern autistischer Kinder vertraten und Pharmafirmen verklagen wollten. Seine Daten waren nachweislich gefälscht. Wakefield musste in der Folge seine Approbation als Arzt abgeben. Dennoch führen Impfgegner immer wieder seine mittlerweile zurückgezogene Studie an.

Der Vorwurf: Impfstoffe lösen genau jene Krankheiten und Komplikationen aus, vor denen sie schützen sollen.

Der wahre Kern: Einige Impfstoffe enthalten abgeschwächte Erreger. Diese leben noch und können Symptome hervorrufen.

Die Tatsachen:
Bei einer Masernimpfung zum Beispiel kommt es nach Angaben des Robert-Koch-Instituts bei fünf Prozent der Geimpften zu Fieber und Hautauschlag. Die gefürchteten Masern-Komplikationen wie Krampfanfälle oder Gehirnentzündung kommen nach einer Impfung zwischen 200 und 1.000 mal seltener vor als bei einer echten Erkrankung. „Zudem muss man unterscheiden zwischen einer Komplikation, die folgenlos wieder verschwinden kann, und einem bleibendem Impfschaden“, erklärt die Ärztin Natalie Grams, die sich mit Impfmythen beschäftigt. Letztere gebe es noch einmal seltener als erstere. Bei den meisten Impfstoffen, zum Beispiel bei der Kinderlähmung, setzt die Medizin mittlerweile auf Präparate, die nur noch tote Erreger oder Teile von ihnen enthalten. Sie können keine Erkrankungen mehr auslösen.

Der Vorwurf: In Impfstoffen sind Gifte wie Quecksilber, Aluminium oder Aldehyde enthalten.

Der wahre Kern: In manchen Impfstoffen waren oder sind Quecksilber-, Aluminium- oder Aldehydverbindungen enthalten.

Die Tatsachen:
Eine Molekülverbindung hat in der Regel nicht die chemischen Eigenschaften wie seine atomaren Bestandteile. Ein Beispiel ist das Chlor: Reines Chlor ist ein hochwirksames Atemgift. In Verbindung mit Natrium aber ist es einer der wichtigsten Bausteine des Lebens überhaupt - Natriumchlorid ist unter dem Namen Kochsalz bekannt. Fluor ist noch giftiger als Chlor, aber die Fluorverbindung Fluorid schützt in der Zahnpasta die Zähne vor Karies. Ähnlich verhält es sich mit der Quecksilberverbindung Thiomersal in Impfstoffen: Es gibt keinen Hinweis darauf, dass sie gefährlich ist. Aluminiumsalze hingegen könnten eine unerwünschte Wirkung haben, die Forschungslage dazu ist aber nicht eindeutig. Meist geht es dabei um Knötchen, die sich um die Einstichstellen herum bilden, aber folgenlos wieder verheilen. Es existieren Grenzwerte in Impfstoffen für diese Salze. Kein Vakzin überschreitet diese Werte. „Trotzdem versucht man mittlerweile, auf Aluminiumverbindungen zu verzichten“, sagt Grams, „aber eher aus psychologischen als aus gesundheitlichen Gründen.“ Quecksilberverbindungen sind heute aus diesem Grund auch nicht mehr in Impfstoffen enthalten.

Der Vorwurf:
Pharmafirmen wollen mit dem Impfen bloß Geld verdienen.

Der wahre Kern:
Pharmafirmen wollen Geld verdienen.

Die Tatsachen: Mit Arzneien wie Blutdruck- oder Blutfettsenker winken fette Gewinne, weil Patienten sie regelmäßig über mehrere Jahre hinweg schlucken. Im Gegensatz zu Impfstoffen. Mit ihnen kommen Patienten nur einmal oder ein paarmal in ihrem Leben in Kontakt. „Man kann mit ihnen gar nicht so viel Geld scheffeln“, erläutert Grams. Außerdem: Den Pharmafirmen entgingen ja schließlich die Gewinne, die sie mit den Medikamenten gegen jene Krankheiten machen würden, die durch Impfungen in Schach gehalten werden. „Gerade das sind ja häufig Krankheiten, gegen die es keine Therapie gibt, sondern bei denen man nur die Symptome bekämpfen kann“, sagt Grams.

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Alles, was uns geschieht,
kann der ganzen Menschheit geschehen.

(Elie Wiesel, jüdischer Schriftsteller)

Jesaja 60,2

Bild: Mit freundlicher Genehmigung von Quelle: gettyimages, stockam

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